Lieferprobleme bei Halbleitern
Lieferengpässe als Herausforderung für Unternehmen und Verbraucher

Dass es im Jahr 2021 zu massiven Lieferengpässen in Deutschland kommt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wie ein roter Faden durchziehen Lieferschwierigkeiten und Knappheit die gesamte Wirtschaft. Von der Fahrradindustrie bis zur Möbelherstellung gerät die Produktion ins Stocken, weil dringend benötigte Teile oder Substanzen für die Herstellung von Gütern fehlen. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Als Hauptursachen lassen sich folgende Probleme ausmachen

1. Die Produktion von Gütern wurde weltweit aufgrund der Corona-Pandemie gedrosselt. Vor allem in Asien gerieten durch stornierte Bestellungen und geringere Nachfrage viele Unternehmen in die Schieflage. Einige Betriebe mussten Insolvenz anmelden und fehlen nun bei der Unterstützung des Aufschwungs.

2. Immer wieder kommen wichtige Häfen in China komplett zum Erliegen, da vor Ort drastische Maßnahmen ergriffen werden, sollte es zu einem Corona-Ausbruch kommen. Dadurch verzögern sich sowohl der Import als auch der Export von Waren.

3. Lieferengpässe bei Holz aus Kanada sorgen für exorbitant gestiegene Preise im Holzhandel. Dies ist unter anderem auf eine Käferplage zurückzuführen. Zusätzlich ist die Nachfrage nach Bauholz in den USA deutlich gestiegen. Der erhöhte Bedarf wurde vor allem mit Holz aus Europa gedeckt, was in Deutschland wiederum zu Lieferengpässen bei Bauholz führt.

4. Aufgrund eines Handelsstreits zwischen China und Australien leidet die Volksrepublik zurzeit unter einer Knappheit an Kohle. Dies führt nicht nur zu geringerer Produktion, sondern kann auch hin und wieder ausgedehnte Stromausfälle zur Folge haben. Um Schäden vorzubeugen, rationieren einige Provinzen bereits die Zuteilung von Strom. Viele Zulieferer bekannter Firmen wie Apple und Tesla sind von diesen Maßnahmen betroffen.

Welche Branchen sind am stärksten von Lieferengpässen betroffen?

Laut dem Manager Magazin klagen 83 Prozent aller Unternehmen in Deutschland über Lieferengpässe. Obwohl sich der Mangel in allen Branchen deutlich bemerkbar macht, lassen sich vor allem Firmen aus der Metallindustrie und Maschinenbauer als Hauptleidtragende der aktuellen Engpässe ausmachen. Dies betrifft Metalle wie Kupfer, Aluminium und Stahl. In der Chemieindustrie fehlt es an chemischen Rohstoffen und Kunststoffen, während die Autoindustrie über lange Lieferzeiten für Halbleiter klagt. Auch im Einzelhandel fehlt es an unterschiedlichsten Produkten. Am häufigsten werden laut DIHK Engpässe bei Kleidung und Lebensmitteln genannt.

Welche Folgen hat der Mangel sowohl für Produzenten als auch für Verbraucher?

Eine Konsequenz der Engpässe besteht in teureren Einkaufspreisen, was sich zunächst am erheblich gestiegenen Herstellerpreisindex ablesen lässt. Im Oktober stiegen die Preise im Großhandel laut Statistischem Bundesamt um 18,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dass sich diese Kosten langfristig auf die Verbraucherpreise auswirken, ist offensichtlich. Für November wird in Deutschland eine Inflation von 5,2 Prozent erwartet. Des Weiteren haben knapp 60 Prozent aller Fahrzeugproduzenten in der Bundesrepublik vor, ihre Produktion zu senken oder gar durch Produktionsstopps auf die fehlenden Lieferungen zu reagieren.

Um bei der Versorgung mit Medikamenten gefährlichen Engpässen vorzubeugen, haben Land-Apotheken im Ortenau-Kreis eine Kooperation mit Kollegen aus ganz Baden-Württemberg vereinbart. Diese soll mittels gemeinsamer Großhandelsbestellungen verhindern, dass es gerade bei dringend benötigten Arzneimitteln zu Engpässen kommt.

Birgt der Mangel auch Chancen für die zukünftige Ausrichtung von Unternehmen?

Gezwungenermaßen mussten Unternehmen ihr Lieferantenportfolio einer genauen Prüfung unterziehen. Obwohl es für eindeutige Prognosen noch zu früh ist, lässt sich eine eindeutige Trendwende zu lokaleren Lieferketten erkennen. Logistiker bezeichnen diese als „zirkuläre Ökosysteme“, die zwar in Produktion und Vertrieb lokal orientiert sind, aber globalen Trends und aktuellen Vorlieben einer weltweit vernetzten Verbrauchergeneration gehorchen. Insbesondere Themen wie Nachhaltigkeit, Tierwohl und die Identifikation mit einer lokalen Marke werden das nächste Jahrzehnt bei der Ausgestaltung von Lieferketten prägen. Darüber hinaus werden Betriebe sich unabhängiger von Lieferanten machen. Vor allem in Bereichen, die erhöhter Volatilität bei der Preisstruktur unterliegen, wird verstärkt am Resilienzmanagement gearbeitet.

Viele Experten sind sich darin einig, dass die Lieferengpässe nicht nur Monate, sondern Jahre andauern könnten. Daher ist es sinnvoll, über neue Strukturen bei Produktion und Logistik nachzudenken.

Autor:

Klaus-Oliver Schmidt aus Ortenau

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