Verlegerin Isabel Obleser im Gespräch zum Thema "Fachkräfte stark gefragt"
"Nicht jeder Arbeitsplatz lässt flexiblen Spielraum"

Verlegerin Isabel Obleser
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Ortenau. Der Fachkräftemangel zieht sich durch fast alle Branchen. Maria Neumann sprach mit Isabel Obleser, Geschäftsführende Gesellschafterin Stadtanzeiger Verlags-GmbH & Co.KG die Herausforderungen im Verlagswesen.  
Sehen Sie das Problem in einem Mangel an Fachkräften oder eher darin, dass grundsätzlich weniger Arbeitskräfte (demografischer Wandel) zur Verfügung stehen?
Sowohl als auch, Fachkräfte mit einer fundierten Ausbildung haben – und das völlig zu Recht – ihren guten Job. Es ist jedoch, zumindest gefühlt so, dass eine zunehmende Zahl an jungen Menschen sich nicht mehr für den klassischen Ausbildungsweg interessieren und lieber jobben als sich zum Fachmann beziehungsweise zur Fachfrau ausbilden zu lassen. Der demografische Wandel ist mit Sicherheit auch ein Thema, wobei in unserer Region immer noch ein Zuzug stattfindet und die Leute sogar bereit sind, 30 bis 60 Minuten zur Arbeit zu fahren.
Wie stellt sich die Situation für sie als Arbeitgeber dar?
Wir stellen anhand der Bewerbungen fest, dass die Leute sich auch fachfremd bewerben. Das heißt, suchen wir einen Verkäufer, bewerben sich auch die, die ursprünglich aus einem ganz anderen Bereich/Branche kommen. Das muss nicht immer zum Nachteil sein, jedoch kommt man als Bewerber dann erst mal in die zweite Auswahlrunde. Was wir jedoch deutlich spüren, ist der Rückgang an Bewerbern für die Zustellung unserer Produkte. Ganztagesschulen machen es für Jugendliche schwer und am Sonntag dürfen vom Gesetz aus nur Erwachsene arbeiten. Den Guller pünktlich zum Frühstück in die Briefkästen zu bekommen, ist eine von Monat zu Monat schwieriger werdende Aufgabe. Dieser Herausforderung stellen wir uns mit unseren motivierten Mitarbeitern jede Woche aufs Neue.
Wie schwierig gestaltet es sich, Mitarbeiter für die Redaktionen oder Nachwuchs für eine journalistische Ausbildung zu finden?
Wir haben dieses Jahr zwei Volontäre gesucht und dabei festgestellt: Das Interesse am Redakteursberuf ist nach wie vor hoch. Es waren aber sehr viele Bewerber darunter, die die Anforderungen unterschätzten. Gut formulieren zu können, reicht leider nicht aus. Das ist neben Zeichensetzung und Kreativität nur ein Teil. Hinzu kommt heute die Affinität zur digitalen Welt und den sozialen Medien. Belastbarkeit und höchste Flexibilität, auch zeitlich, sind ebenfalls noch stärker gefragt. Bei vielen jungen Menschen nimmt Freizeit jedoch einen hohen Stellenwert ein. Wir boten deshalb Bewerbern, die noch keine Erfahrung in der Zeitungsberichterstattung hatten, die Möglichkeit, ein bezahltes Praktikum zu machen. Tatsächlich konnten wir dann zwei hervorragend geeignete Bewerber einstellen.
Oft führen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dazu, dass Frauen beruflich länger pausieren. Was sollte von Seiten der Politik oder den Arbeitgebern getan werden, um für Entspannung zu sorgen?
Für uns wäre es schon ein großer Vorteil, wenn die Mütter auch nachmittags arbeiten könnten. Wie oft schon haben wir Bewerbern absagen müssen, weil sie nur vormittags Zeit haben. Das finde ich wirklich bedauerlich, da wäre beispielsweise eine gesicherte Kinderbetreuung bis 19 Uhr schon wirklich hilfreich.
Wären da aus ihrer Sicht flexiblere Arbeitszeitmodelle oder mehr Homeoffice-Arbeitsplätze ein Ansatz?
Flexible Modelle sind bestimmt ein Ansatz, nur wenn ein Geschäft oder Büro zu bestimmten Zeiten besetzt sein muss, gibt es da keinen Spielraum. Haben Sie schon einmal bei Ihrem Arzt angerufen und auf dem Anrufbeantworter hieß es, dass er erst morgen früh wieder erreichbar ist, damit seine arbeitenden Mütter ihre Kinder um 16 Uhr vom Kindergarten abholen können? Ein Homeoffice ist wiederum ein toller Ansatz, dort wo es möglich ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort sind und das Tagesgeschehen mitbekommen. Im Homeoffice ist man doch etwas abgeschieden von den direkten Kollegen. Wobei ich sagen muss, die heutige Technik macht Homeoffice oder „Mallorca-Office“ durchaus möglich – ohne, dass der Anrufer bemerkt, wo genau er gerade anruft.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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