Gustav Bauhöfer ist Rentnerbänkel noch mehr als fremd
Da hat sich lebenslang was zusammengebraut

Mit der Sudpfanne im Hintergrund hatte Gustav Bauhöfer in Ulm viel Bier gebraut. In den Adern des Braumeisters fließt fast ausschließlich Gerstensaft und Hopfentee.
  • Mit der Sudpfanne im Hintergrund hatte Gustav Bauhöfer in Ulm viel Bier gebraut. In den Adern des Braumeisters fließt fast ausschließlich Gerstensaft und Hopfentee.
  • Foto: Foto: Gerd Birsner
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Renchen-Ulm. Eigentlich müsste er Brauhöfer heißen, der Bauhöfer Gustav, den alle hier nur Guschdl nennen – mit einem langen, vorgebirgig-scharfem Ulmer „schhhh“. Den Bauhöfer, ja, den kennt jeder hier im Bierdorf, denn er ist ein Tausendsassa, ein Gassen-Hansdampf, ein "uff-em Bodde-Gebliebener“. Ein ganz bescheidener, einer, dessen Wurzeln „fescht im Ulmer Bodde“ haften.

Er liebt sein Ulm, und die Ulmer lieben ihn. Und das, was er fast sein ganzes Leben lang gemacht hat: Er hat sich und anderen was zusammengebraut, und das, was er gebraut hatte, das war mehr als oft äußerst preiswürdig. Und ist bis heute einer der besten Exportschlager des Renchener Stadtteils, der im kommenden Juni 950 Jahre erste Erwähnung feiert. Hier kennt er jeden, und jeder kennt ihn. Und hier begegnet ihm viel Respekt, denn „er isch halt einer vun uns“.

Und er? Er winkt ab: Lobhudeln ist nix für ihn, und lobgehudelt werden schon zweimal nicht. Er ist eine ehrliche Haut, der leibhaftige Ärmelhochkrempler, der helfende Zupacker, einer, dem selbst mit seinen über 80 Jahren das Rentnerbänkel noch mehr als fremd ist. Er ist einer, bei dem niemals Hopfen und Malz verloren ist, aber einer mit Bier im Blut, mit festem Willen, vielleicht doch noch mal im betagten Alter etwas Neues anzupacken – getreu seinem Lebens-Credo: "Des, was ma mache, mache ma rächt!" Recht hat er. Hand und Fuß hatte alles, was er gemacht hat.

Musik ist für ihn neben Hefe, Gerste, Hopfen und Malz ein großes Stück Lebensqualität. Und er könnte sich heute noch in den Hintern beißen, dass er jenes Schifferklavier, das sein Papa damals in Urloffen bei einer Tombola gewonnen hatte, nicht spielen gelernt hatte. Auch für das Trompetelernen war sein Lippenwuchs nicht sonderlich geeignet, und so sollte er laut Musikvereinsdirigent auf Posaune ausweichen. Hatte er denn auch getan – mit allenfalls mäßigem Erfolg.

Großes Faible für das deutsche Volksliedgut

Erfolgreicher war der Guschdl im Umgang mit seinen Stimmbändern. Noch heute singt er zusammen mit mehr als 30 weiteren Ulmern im bestens aufgestellten Männergesangsverein "Concordia". Es sind die alten Volkslieder, die ihm ans Herz gewachsen sind: "Oh Täler weit, oh Höhen" – der passionierte Wanderer und Gerne-Skifahrer hatte dies auf dem Internat in Sankt Blasien kennengelernt, und er empfindet es noch heute als "e wunderschönes Lied, des mir au immer e Gefühl vun Heimat gebe het". Oder "Am Brunnen vor dem Tore", aus dem "wahrlich kein Bier sprudeln muss". Doch in die Rinde des darin besungenen Lindenbaums hatte er ein Herz und ein "liebes Wort" geritzt: "Dietlinde" – wahrlich kein hiesiger Name. Die hatte er damals in Weihenstephan kennengelernt, ins Badische importiert und 1966 geehelicht: "Des passt bis hit!"

Gustav Bauhöfer ist inzwischen längst in der Altersmilde angekommen. Sich die Mühe geben, alle gleich zu behandeln, seinen ausgeprägten Gemeinsinn und Latein hatte er auf dem Internat in Sankt Blasien bei den Jesuiten gelernt, in Italien in der Bierbrauer-Ausbildung die Leichtigkeit des Seins, in Weihenstephan seine Frau und – klar! – wie man ein hervorragendes Bier braut. In Ulm und um Ulm herum hat er gelernt, was Heimat ist und wie man mit beiden Beinen fest im prallen Leben steht. Ein Bierbrauer also, für den sein Beruf sogar noch mehr als nur Berufung ist. Wie promilleresistent muss der sein? „Ich könnte, ohne umzufallen, 'nen ganzer Eimer Export trinke, aber wehe, ich trinke zwei Maibock!“

Und er weiß, dass man nicht singen kann, "wenn man wütend isch. Und wenn du dann singscht, dann fallt des ab, dann bisch du jemand andersch", sagt er. Sein Singen bei Concordia ist also auch ein Stück weit seine Trutzburg. Da ist er daheim, und beim Notenlesen fallen alle Nöte von ihm ab, dann ist er wieder er.

Wenn einer über 80 ist, ist der Blick zurück wohl etwas intensiver als bei den Jungspunden. Aber sein Blick ist auch geschärft für das, was noch kommt. So einer wie er strotzt nur so vor Lebenswillen und -freude: morgens Tee, mittags Tee und am Abend Hopfentee. Seit Freitag, dem 13. März, ist Gustav Bauhöfer 81 Jahre alt. Da bleibt nur noch zu sagen: "Happy Bier-sday"! Gerd Birsner

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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