John Görmann im Porträt
"Die Hälfte meiner Seele ist japanisch"

Der gebürtige Renchener John Görmann hat erst mit fast 30 Jahren mit Karate und Iaidô angefangen. Heute gilt der 60-Jährige als einer der höchstgraduierten Iaidôka in Europa und gibt sein Wissen als Trainer weiter.  | Foto: Michael Bode
2Bilder
  • Der gebürtige Renchener John Görmann hat erst mit fast 30 Jahren mit Karate und Iaidô angefangen. Heute gilt der 60-Jährige als einer der höchstgraduierten Iaidôka in Europa und gibt sein Wissen als Trainer weiter.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Renchen Eigentlich ist John Görmann ein Spätberufener. Erst mit Ende 20 hat er mit Karate und Iaidô, der Kunst des Schwertziehens, angefangen. "Fasziniert haben mich Karate und Iaidô eigentlich schon sehr früh, ebenso die Begeisterung für Japan", erzählt er. Aber mit dem Training startet er erst mit fast 30 Jahren durch. Dafür aber umso intensiver und mit voller Hingabe. Das sieht man auch bei ihm zu Hause, wo er mit seiner Frau und den beiden Söhnen, die ebenfalls aktive Karateka sind, lebt. Im Keller hat er sich ein echtes japanisches Dôjô eingerichtet – mit einem kleinen Schrein, Tatamimatten und Kakejiku, den traditionellen Rollbildern mit japanischer Kalligraphie. Dort findet er Ruhe und die perfekte Atmosphäre für sein Training.

Alles aufgesaugt wie ein Schwamm

"Als ich mit dem Training angefangen habe, habe ich alles über Karate, Iaidô und Japan aufgesaugt wie ein Schwamm", erzählt er begeistert. 1998 reist er zum ersten Mal ins Land der aufgehenden Sonne. "Da hat für mich alles zusammengepasst", schwärmt er noch heute. "Mich haben vor allem die philosophische Komponente, die Hintergründe und Gedanken hinter der Kampfkunst interessiert", erzählt er. Für ihn sind Karate und Iaidô genau das – Kampfkunst, weniger Kampfsport.
Vor allem beim Iaidô habe ihn die Beständigkeit und die Pflege der Tradition dieser rund 450 Jahre alten Kampfkunst fasziniert. "Es war eigentlich genau das, was ich gesucht habe", erzählt er. Beim Iaidô komme es nicht nur auf eine starke Physis an, sondern auch die mentale Herausforderung sei enorm, betont er. Zwar gehe es beim Iaidô technisch gesehen um die Beherrschung des Samurai-Schwertes mit verschiedenen Zieh- und Schnitttechniken, die mentale Komponente beruhe allerdings auf der Konzentration auf sich selbst. "Das Training ist eine Kraftquelle für mich", erzählt er.

Diese nutzt der studierte Betriebswirt nicht nur in seinem beruflichen Alltag als selbstständiger Unternehmer, sondern seine Begeisterung gibt er seit 26 Jahren auch als Trainer weiter. Den Karateverein, den er 2009 gründet, nennt er "Mukinshôri", was so viel wie "Der Weg zum Erfolg hat keine Abkürzung" bedeutet. Für John Görmann ist das eine Lebenseinstellung.

Großer Erfolg beim Treffen in Kyoto

Dass sich Selbstdisziplin und hartes Training auszahlen, erlebt Görmann im Mai in Kyoto beim großen Iaidô-Treffen des Alljapanischen Iaidô-Verbands ZNIR mit 560 Teilnehmern, von denen er einer von drei Nicht-Japanern ist. Dort legt er erfolgreich die Prüfung zum 7. Dan Kyôshi ab. Er gehört damit zu den höchstgraduierten Iaidôka in Europa.

Für Görmann ist die Reise im Mai sein zehnter Japanbesuch. "Mittlerweile kann ich mich auf Japanisch ganz gut verständigen", erzählt er. Neben Kursen hat er sich die Sprache vor allem im Selbststudium und mithilfe eines japanischen Freundes aus Zunsweier beigebracht.

An Japan und den Japanern fasziniere ihn neben der Kultur und Philosophie vor allem das Traditionsbewusstsein und die Hingabe, mit der sie sich etwas widmen. Auch der respektvolle Umgang im Alltag und die Wertmaßstäbe hätten ihn nachhaltig beeindruckt. "Die Hälfte meiner Seele ist japanisch", sagt er.

Dauerhaft in Japan zu leben, kommt für Görmann aber nicht in Frage. "Dafür bin ich dann doch zu heimatverbunden und hier lebt meine Familie", so der gebürtige Renchener mit einem Lächeln. Und Familie ist ihm wichtig. Die Söhne sind ebenfalls begeisterte Kampfkünstler und seine Frau unterstützt tatkräftig seine Leidenschaft. "Den schwarzen Gürtel hätte eigentlich meine Frau verdient", sagt er mit einem Lächeln abschließend.

Der gebürtige Renchener John Görmann hat erst mit fast 30 Jahren mit Karate und Iaidô angefangen. Heute gilt der 60-Jährige als einer der höchstgraduierten Iaidôka in Europa und gibt sein Wissen als Trainer weiter.  | Foto: Michael Bode
Foto: Michael Bode

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.