Angedacht: Andreas Moll
Leid, Qual, Hohn und grausame Hinrichtung

Andreas Moll | Foto: privat

Palmsonntag – Jesus zieht in Jerusalem ein. Eine vertraute Geschichte, obwohl oder gerade weil sie so skurril daherkommt. Wie ein König wird Jesus in der Stadt empfangen. Doch welcher König zieht den Esel der Kutsche vor und lässt sich zerschlissene Kleider statt einem roten Teppich auslegen? Fähnchen zum Winken werden durch Zweige der Palmbäume ersetzt, die wiederum dem Sonntag seinen Namen gaben. Die scheinbar so freudige Szenerie nimmt damit schon etwas von dem vorweg, was in den folgenden Tagen passieren sollte: Leid, Qual, Hohn, Verurteilung und schließlich die grausame Hinrichtung am Kreuz.

Palmsonntag: Auftakt in die Karwoche

Palmsonntag ist der Auftakt in die Karwoche. Jesus selbst spricht in diesen Tagen mit den Seinen über den bevorstehenden Tod. Er nennt ihn seine Verherrlichung. Doch wie passen Leid, Tod und Herrlichkeit zusammen? Das ist wohl eine der schwersten Fragen des christlichen Glaubens.

Eine Antwort darauf fällt doppelt schwer angesichts der unfassbaren Bilder aus der Ukraine, wo offensichtlich arglose und wehrlose Passanten und Zivilisten zu Hunderten regelrecht abgeschlachtet wurden. Nicht einmal mehr ein Funken an Zivilisation und Emotion ist bei den dafür Verantwortlichen vorhanden. Es ist jedem Menschen zu wünschen, vor solchem Leid bewahrt zu bleiben. Doch ganz ohne Leid und vor allem ohne Tod ist kein Menschenleben denkbar.

Am 9. April jährte sich der Todestag Dietrich Bonhoeffers zum 77. Mal. Er starb als Märtyrer, unschuldig hingerichtet. Einige Monate zuvor hatte er seinem Freund Eberhard Bethge geschrieben: „Auch das Leiden ist ein Weg zur Freiheit. Die Befreiung liegt im Leiden darin, dass man seine Sache ganz aus den eigenen Händen geben und in die Hände Gottes legen darf.“
Vielleicht gelingt es mit dieser Sichtweise, den Tod Jesu am Kreuz als seine Verherrlichung zu begreifen. 
Andreas Moll, evangelischer Pfarrer, Renchen

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