Das persönliche L‘Alpe d‘Huez-Gefühl in der Sommerhitze der Ortenau
Mit Wein und Mountainbike in den Rebbergen auf Tour

Aus dem Boden beim Lydia-Bänkle holt Daniel Hengst eine Flasche Wein.
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  • Aus dem Boden beim Lydia-Bänkle holt Daniel Hengst eine Flasche Wein.
  • Foto: Foto: Eugen Oberle
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Sasbachwalden. Der Sommer ist die Jahreszeit, in der es wohl jeden hinauszieht. Aktivitäten sind
gerade jetzt in der Urlaubszeit gefragt. Die Unternehmungslust packt
jeden. Was Redakteur Daniel Hengst alles entdeckt und erkundet, darüber
schreibt er in der Serie „Erlebte Ortenau“.

Was hat mich da nur geritten? Diese Frage stellt sich mir am Ende des Tages. Die Idee ist,
eine Tour mit dem E-Bike zu unternehmen. Im Gespräch mit Sandra Bequier,
Tourismusbeauftragte beim Landratsamt Ortenaukreis, fällt die
Entscheidung für eine der 30 magischen E-Bike- und Tourenrad-Strecken in
der Karte „Sagen und Mythen der Ortenau“. Bei der Weinsagentour geht es
um Wein sowie um Sagen. Sasbachwaldens Tourist-Info-Chef Alexander
Trauthwein vermittelt mir ein E-Bike und hat gleich noch eine
Überraschung für mich: „Der Hotelier vom Naturparkhotel Holzwurm bietet
Weincaching-Touren an.“ 

Die Spannung ist groß, als ich bei Eugen Oberle in Sasbachwalden vorfahre und das Auto abstelle. Das
Mountainbike steht bereit, und Eugen Oberle hat für mich zudem einen
kleinen Umhänge-Brustbeutel mit einem Weinglas darin. Letzteres ist ein
Teil der Ausstattung für das Weincaching. „Die Idee für das Weincaching
ist entstanden, nachdem ich immer häufiger Menschen traf, die auf der
Suche nach Verstecken waren, die sie beim Geocaching finden mussten. In
den Weinbergen verstecke ich für das Weincaching Wein und
Mineralwasser“, sagt Eugen Oberle. Die Teilnehmer stattet er mit einem
GPS-Empfänger aus, der die Himmelsrichtung und die Entfernung zum
nächsten Punkt anzeigt. „Über Wege und Straßen gilt es, zu diesem Punkt
zu kommen.

An fünf Wegpunkten ist eine Flasche Wein und eine Flasche Mineralwasser versteckt, wenn es die Gruppengröße erfordert,
entsprechend mehr. Die Flaschen sind in abschließbaren Hülsen im Boden
versteckt“, so Oberle. Die Hülsen ersetzt er derzeit durch kleine
Häuschen mit drei abschließbaren Fächern: „Durch die Größe der Fächer
kann ich den Wein, der aus Sasbachwalden ist, mit Kühlakkus zusätzlich
kühlen.“ Es ist ein heißer Tag, die Temperatur steigt stetig. Eugen
Oberle erklärt mir das Prinzip und wir fahren einige Verstecke mit
seinem E-Quad an. Am Lydia-Bänkle gibt es noch Bodenhülsen, der Ausblick
in die Rheinebene ist faszinierend und der Platz bezaubernd schön. Am
Kirschenberg, dort ist ein Weinhäuschen installiert, gibt es eine sehr
gute Rastmöglichkeit und eine wunderbare Aussicht, unter anderem auf
Büchelbach und Eichwald. Den guten Tropfen hebt Oberle für mich auf, bis
ich von der Radtour zurückkomme. 

Eugen Oberle hat mir die Strecke der Weinsagentour auf den GPS-Empfänger heruntergeladen, damit
ich mich zurechtfinde. Gleich hinter dem „Holzwurm“ geht es mit dem
E-Mountainbike steil den Berg hinauf. Für einen Flachland-Radfahrer, der
das Rad sonst nicht als Sportgerät nutzt, ist der Anstieg heftig.
Anfangs wünsche ich mir eine bessere Kondition, dann einen stärkeren
Elektromotor am Fahrrad und letztlich hätte ich gerne das E-Quad. Das
ist mein persönliches L’Alpe d’Huez! Der Anstieg von Le Bourg-d’Oisans
zum französischen Wintersport-ort L’Alpe d’Huez ist bei der Tour de
France weltweit bekannt. Meine Strecke verläuft aber in den Weinbergen
von Sasbachwalden. Nichts ist besser als ein etwas ebeneres Stück, für
das ich jetzt wieder aufs Rad steige. Die Temperatur liegt bei über 32
Grad Celsius. Der Ausblick auf die Rebhänge und das Rheintal ist
unvergleichlich.

Die Strecke führt über Kappelrodeck, den eigentlichen Startpunkt, Oberkirch, Stadelhofen, Renchen, Önsbach und
Achern zurück nach Sasbachwalden. Diese 40 Kilometer, hinzu kommen der
Höhenunterschied und die Temperaturen, sind für mich an diesem Tag nicht
zu machen. Deshalb wird die Strecke von mir spontan verkürzt. In
Kappelrodeck, dort wo sich einst die Tochter eines Burgherrn in einen
Bauernburschen verliebte, verstoßen wurde, sich in eine Höhle beim
Dasenstein zurückzog, nachdem sie von dem Burschen verlassen worden war
und nach ihrem Tode als „Hex vom Dasenstein“ umging, gönne ich mir ein
Eis.

Auch bei der Sage vom „Alde Gott“ geht es um eine Liebe, wie Oberle berichtet: „Als nach dem Dreißigjährigen Krieg und Seuchen
nur noch ein Mann hier lebte, glaubt dieser nicht mehr an Gott. Für ihn
würde Gott dies sonst niemals zulassen. Er geht Richtung Obersasbach und
von dort steigt die letzte überlebende Obersasbacherin den Berg hinauf.
Beide finden sich, und so sagt der Mann: ,Der alde Gott lebt noch.‘ Was
damals mit einem ,D‘ geschrieben wurde. So ist nach der Sage, der Name
für die Weinlage und die Winzergenossenschaft entstanden.“ Das ist genau
der richtige Zeitpunkt, um bei ihm das versprochene Glas Wein zu
trinken. Für mich macht er eine Ausnahme, denn sein Service steht sonst
nur Übernachtungsgästen zur Verfügung.

Autor: Daniel Hengst

Aus dem Boden beim Lydia-Bänkle holt Daniel Hengst eine Flasche Wein.
Wie der Elektromotor diese Mountainbikes funktioniert, erklärt Eugen Oberle (links) Daniel Hengst.
Autor:

dtp01 dtp01 aus Achern

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