Weinlese 2026
Baden und Württemberg ziehen eine Zwischenbilanz

Von links: der württembergische Weinbaupräsident Dietrich Rembold, Verbandsgeschäfstführer Holger Klein, Manuela Breitmayer, Weinprinzessin Württemberg, Ministerin Marion Gentges, Karina Roth, Ortenauer Weinprinzessin, Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden, und der badische Weinbaupräsident Rainer Zeller  | Foto: Badischer Weinbauverband e.V.
  • Von links: der württembergische Weinbaupräsident Dietrich Rembold, Verbandsgeschäfstführer Holger Klein, Manuela Breitmayer, Weinprinzessin Württemberg, Ministerin Marion Gentges, Karina Roth, Ortenauer Weinprinzessin, Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden, und der badische Weinbaupräsident Rainer Zeller
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Sasbachwalden (st) Die Weinbauverbände in Baden und Württemberg wollen angesichts der angespannten Situation auf dem deutschen Weinmarkt ihre Zusammenarbeit weiter intensivieren. Im Mittelpunkt stehen neben gemeinsamen politischen Anliegen insbesondere die Weiterentwicklung der Schutzgemeinschaften und die Frage, wie die Herkunftskommunikation für Baden und Württemberg künftig dauerhaft professionell und verlässlich finanziert werden kann. Gleichzeitig blicken die Verbände auf einen außergewöhnlich frühen und qualitativ vielversprechenden Weinjahrgang 2026, so eine Presseinformation.

Gemeinsame Lösung

„Im Anschluss an die letztjährige Herbst-Pressekonferenz, bei der eine parafiskalische Abgabe zur Finanzierung der Herkunftskommunikation ins Spiel gebracht wurde, haben sich die beiden Verbände zusammengesetzt, um eine gemeinsame, tragfähige und zukunftsorientierte Lösung für beide Anbaugebiete zu entwickeln“, erklärte der Präsident des Badischen Weinbauverbandes, Rainer Zeller, zum Auftakt der Herbst-Pressekonferenz der beiden Verbände in der Alde Gott Winzer eG in Sasbachwalden. Erstmals nahm daran auch die Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges, teil.
Die Zusammenarbeit gehe dabei deutlich über die Frage der Herkunftskommunikation hinaus. „Beide Verbände sind davon überzeugt, dass ein enger Austausch und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der aktuell herausfordernden Situation der Weinbranche von großer Bedeutung sind. Das gilt für Weinbaubetriebe genauso wie für Verbände“, so Zeller.
Neben der Weiterentwicklung der Schutzgemeinschaften wollen Baden und Württemberg deshalb auch ihre politischen Positionen enger abstimmen. Ein zentrales Anliegen sei dabei die Entlastung der Betriebe von Bürokratie und regulatorischen Vorgaben.
„Um auch in Zukunft erfolgreich wirtschaften zu können, brauchen wir die Unterstützung der Politik – insbesondere dann, wenn es darum geht, unseren Unternehmen wieder die notwendige unternehmerische Freiheit zu geben“, betonte Zeller. Die Branche brauche verlässliche Rahmenbedingungen und mehr Spielräume, damit die Betriebe wirtschaftlich arbeiten und Zukunftsperspektiven entwickeln könnten.

Ministerin Gentges stellt Landesprogramme vor

In ihrem Grußwort betonte Ministerin Marion Gentges, die Bedeutung der Kulturlandschaft Weinbau als wichtige Säule für den Tourismus und die Gastronomie im Land und stellte kurz-, sowie mittel- und langfristige Unterstützungsprogramme für den Weinbau vor. Hinsichtlich der Forderung der Verbände nach weniger Bürokratie sprach sie das geplante Effizienzgesetz der Landesregierung an. In Anbetracht der herausfordernden Situation für den Weinbau begrüßte Gentges ausdrücklich die Zusammenarbeit der beiden Verbände.

Jahrgang 2026: früh, gesund und qualitativ vielversprechend

Für die Winzer ist 2026 ein außergewöhnlicher Jahrgang. Die Vegetation und Reifeentwicklung liegen deutlich vor dem langjährigen Durchschnitt. In Baden wurden bereits am 10. August die ersten Solaris-Trauben für Federweißen gelesen. Vielerorts begann die Hauptlese bereits Ende August beziehungsweise in den ersten Septembertagen und damit rund zwei bis drei Wochen früher als im langjährigen Mittel. In einigen südbadischen Betrieben sei die Lese sogar bereits abgeschlossen.
„2026 ist nach heutigem Stand ein sehr früher und qualitativ vielversprechender Jahrgang – aber kein Jahr der großen Mengen", fasste Verbandsgeschäftsführer, Holger Klein, die aktuelle Situation zusammen.
Verantwortlich für die frühe Reifeentwicklung waren vor allem die warmen und trockenen Witterungsbedingungen. Die hohen Temperaturen haben die Reife deutlich beschleunigt. Gleichzeitig präsentieren sich die Trauben vielerorts außergewöhnlich gesund. Aufgrund der trockenen Witterung war der Krankheitsdruck 2026 absolut gering. Die witterungsbedingt eher klein ausgefallenen Beeren reduzieren zwar die Erträge, können zugleich aber Konzentration und Aromatik der späteren Weine fördern. Die Säurewerte bewegen sich derzeit in einem moderaten Bereich, während kühle Nächte aktuell die Aromenbildung unterstützen. Für eine abschließende Bewertung des Jahrgangs sei es allerdings noch zu früh. Die moderaten Niederschläge in den Tagen vor Lesebeginn hätten sich zudem deutlich vitalisierend auf die Reben ausgewirkt.
„Das Jahr 2026 war besonders trocken, doch die Trockenheit hat zwei Seiten. Sie sorgt einerseits für sehr gesundes Lesegut, begrenzt aber zunehmend die Erträge“, erklärte Klein.
Insbesondere auf leichten Böden und in jüngeren Anlagen war teilweise deutlicher Trockenstress zu beobachten. Ältere Reben mit tiefreichenden Wurzelsystemen kamen vielerorts besser mit den Bedingungen zurecht. Für Baden ist nach aktuellem Stand mit einer Erntemenge unterhalb des langjährigen Mittels zu rechnen. Erwartet wird ein Gesamtertrag von rund 100 Millionen Litern, was einem durchschnittlichen Hektarertrag von etwa 65 bis 70 Hektoliter entspricht. Insbesondere in Nordbaden, wo die Lese später begonnen wurde, sinken aktuell die Ertragserwartungen, da die anhaltend hohen Temperaturen in Kombination mit Trockenheit die Beeren schrumpfen lassen. Auch die Saftausbeute ist in dem trockenen Jahr 2026 etwas geringer als üblich, sie liegt bei rund 72 Prozent.
Letztlich dürfte sich die Ernte mengenmäßig etwa im Bereich der beiden vergangenen Jahre bewegen – 2026 wird also der dritte Jahrgang in Folge, der unter dem langjährigen Mittel liegt.

Vergleichbare Entwicklung in Württemberg

Auch die Württemberger Wengerter freuen sich auf einen guten, wenn auch mengenschwachen Jahrgang. Die Trauben präsentieren sich bis zum Lesebeginn in einem sehr guten Gesundheitszustand. Die Lese begann bei vielen Betrieben bereits Ende August mit der Ernte für Neuen Wein, Traubensaft und Sektgrundwein. Die Hauptlese startete im Weinbaugebiet Württemberg Anfang September. Aufgrund der Trockenheit der Sommermonate rechnen die Wengerter ebenfalls mit einem unterdurchschnittlichen Ertrag. Daraus ergibt sich eine Mostmenge von unter 70 Millionen Litern. Die Prognose bleibt aufgrund der noch ausstehenden Ernte der Leitrebsorten unter Vorbehalt. Ein positiver Nebeneffekt des warmen Sommers ist die sehr gute Aromatik der Trauben, aufgrund der natürlichen Aufkonzentrierung. Die Jungweine zeigen sich feinfruchtig und sortentypisch mit harmonischem Säurespiel.

Herkunft muss nicht nur geschützt, sondern auch kommuniziert werden

Die gute Qualität im Weinberg allein könne die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche leider nicht lösen, machte der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg, Dietrich Rembold, in seinem Statement zum Jahrgang deutlich.
„Ein gutes Weinjahr allein nutzt nichts, wenn es uns nicht gelingt, die Weine mindestens genauso gut zu vermarkten“, so Rembold. „Wir wollen deshalb gemeinsam den Wert der Herkünfte Baden und Württemberg stärken.“
Baden und Württemberg stehen jeweils für eigenständige, klar profilierte Weinherkünfte. Herkunft sei dabei weit mehr als eine geografische Angabe. Sie stehe für Qualität, Landschaft und Kultur, für typische Rebsorten, die Menschen hinter den Weinen und für eine über Generationen gewachsene Weinbautradition. Damit diese Herkunft auch wirtschaftlich einen entsprechenden Wert entwickeln könne, müsse sie bei Verbrauchern bekannt, verständlich und begehrenswert sein. „Herkunft muss geschützt, aber auch erzählt werden“, betonte Rembold.
Die beiden Weinbauverbände wollen deshalb gemeinsam daran arbeiten, die Kommunikation der Herkünfte langfristig professionell aufzustellen und verlässlich zu finanzieren. Ziel dieser Herkunftskommunikation sei es, den übergeordneten Wert und die Bekanntheit der Herkünfte Baden beziehungsweise Württemberg zu stärken.

Schutzgemeinschaften als möglicher organisatorischer Rahmen

Ein wesentlicher Baustein der Initiative ist die Weiterentwicklung der Schutzgemeinschaften beziehungsweise anerkannten Erzeugervereinigungen. Sie sind aus Sicht der Verbände ein naheliegender organisatorischer Ansatzpunkt, da sie für die geschützten Herkünfte stehen und die Interessen der Erzeuger in den jeweiligen Anbaugebieten bündeln.
Die Verbände setzen sich auf Bundesebene für geeignete rechtliche Rahmenbedingungen ein. Gleichzeitig sollen die bereits bestehenden Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft werden. Die konkrete Ausgestaltung befindet sich allerdings noch in der Erarbeitung. Ein von den Verbänden in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten soll die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.
„Wir präsentieren heute kein fertiges Modell, sondern einen gemeinsamen Weg: klare Aufgaben, faire Finanzierung, schlanke Strukturen und eine rechtssichere Umsetzung“, erklärte Klein. „Wir wollten nicht warten, bis in Berlin die letzten Details im Geoschutzrecht zur Finanzierung der Schutzgemeinschaften geklärt sind, sondern mit dem gemeinsamen Rechtsgutachten zeitnah Entwicklungsmöglichkeiten identifizieren“, so Klein. Er dankte dem MLR für die Unterstützung bei der Finanzierung des Gutachtens, mit dessen Ergebnissen noch in diesem Jahr zu rechnen ist.

Gemeinsam stärker – bei klar eigenständigen Profilen

Die engere Zusammenarbeit zwischen den Verbänden soll ausdrücklich nicht zu einer Vermischung der beiden Weinbaugebiete führen. Baden und Württemberg werden auch künftig mit ihren jeweils eigenständigen Profilen am Markt auftreten.
Gemeinsam entwickelt werden sollen vor allem Strukturen, Finanzierungsmechanismen und organisatorische Grundlagen. Bestehende Strukturen sollen dabei möglichst effizient genutzt werden. Mit ihrer verstärkten Zusammenarbeit wollen die beiden Verbände damit zugleich eine Antwort auf die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Weinbaubetriebe geben: durch eine stärkere gemeinsame Interessenvertretung gegenüber Politik und Verwaltung, effizientere Strukturen und eine langfristige Stärkung des wirtschaftlichen Werts der Herkünfte Baden und Württemberg.

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