Sonntagsporträt
Martin Heuberger hat alle Seiten des Sports erlebt

Martin Heuberger hat in seiner Karriere schon alle Höhen und Tiefen des Handballsports erlebt. Momentan ist er Trainer der deutschen Nachwuchsnationalmannschaft.
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  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Sebastian Thomas

Schutterwald. Er schaut buchstäblich auf seinen Gegenüber herab. Kein Wunder, denn Martin Heuberger hat die Größe von 1,93 Meter und stand während seiner aktiven Zeit im Handball als Jugendlicher zuerst im Tor des Vereins TuS Schutterwald. "Bis zu meinem 17. Lebensjahr war ich Torwart", sagt er. Heute ist er Handballtrainer und coacht die deutsche Nachwuchsnationalmannschaft.

Karriere nimmt Fahrt auf

Danach wird er Kreisspieler: Diese Position ist mit der eines Stoßstürmers im Fußball vergleichbar. Seine Karriere nimmt Fahrt auf: Beim TuS Schutterwald absolviert er zahlreiche Bundesligaspiele.

Dazu gesellen sich Mitte und Ende der 80er-Jahre Länderspiele erst im Trikot der deutschen Junioren- später im Dress der Herrennationalmannschaft. Neben seiner Leidenschaft studiert er an der Hochschule Kehl und arbeitet dann hauptberuflich beim Kreisumweltamt.

Mannschaft spielt erstklassig

Nebenbei wird er Trainer für den Nachwuchs beim TuS Schutterwald. Es folgt die Position als Spielertrainer bei den Herren und später nach seiner aktiven Zeit wird er Bundesligatrainer bei seinem Heimatverein. Unter seiner Führung spielt die Mannschaft erstklassig.

Der Erfolg spricht sich rum: 2002 wird er Nachwuchstrainer beim Deutschen Handballbund (DHB). Martin Heuberger feiert mit seinem Team je zweimal den Europa- und Weltmeistertitel. Parallel arbeitet er als Co-Trainer von Heiner Brand für die deutsche Männer-Nationalmannschaft.

Höhepunkt seiner Karriere

2007 ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Deutschland wird mit ihm als Co-Trainer Weltmeister. Schließlich tritt er 2011 das schwere Erbe von Heiner Brand an: "Mein Auftrag war, den Umbruch in der Mannschaft einzuleiten", sagt er.

Die Erfolgsgeschichte sollte weitergehen – es kommt anders: Bei der Europameisterschaft 2012 in Serbien verpassen er und sein Team wegen einem Tor Unterschied das Halbfinale. Bei der Weltmeisterschaft in Spanien 2013 belegt er mit einer jungen deutschen Mannschaft den fünften Platz. Im Sommer 2014 bricht schließlich seine Welt zusammen: Als die deutsche Nationalmannschaft zwei entscheidende Spiele verliert und sich nicht für die WM 2015 qualifiziert, wird sein Vertrag beim DHB nicht verlängert.

Nach Rückschlägen ist die Familie sein Halt

"Man setzt sich Ziele und dann liegen Glück und Pech so eng zusammen", sagt Martin Heuberger über diese Zeit. Er sei ins Grübeln gekommen, habe Spiele und Turniere reflektiert. Dazu kommt: Sein Vater stirbt im Juli 2014 an Krebs. Seine Familie gibt ihm Halt.

Rückblickend sagt er heute, dass er als Bundestrainer viele schöne Momente hatte und im Nachhinein betrachtet so manches heute anders machen würde. Diese Zeit habe ihn sehr geprägt, weshalb er keine Sekunde missen möchte. Schlussendlich schließt der 54-Jährige nicht nur seinen Frieden mit den Ereignissen, sondern auch dieses Kapitel in seiner sportlichen Karriere. Außerdem "gibt es Wichtigeres im Leben", resümiert er.

Fast zwei Jahre kein Handball

Im Oktober 2014 kehrt er zurück zum Landratsamt und wird 2015 stellvertretender Personalamtsleiter. "Eine Tür geht zu, eine andere geht auf", sagt Martin Heuberger und lacht. Hier bleibt er vier Jahre. In der Zwischenzeit ist er fast zwei Jahre aus dem Handball raus.

Doch so ganz kann er von dem Sport nicht lassen: Er unterstützt den Nachwuchsbereich des TuS Schutterwald. In der Saison 2018/2019 qualifiziert sich die Nachwuchsmannschaft für die Jugendbundesliga. "Da hatte ich wieder vollends Feuer gefangen", sagt er.

2018 klingelt erneut das Telefon

Seine Leidenschaft scheint sich erneut herumgesprochen zu haben, denn Ende 2018 klingelt sein Telefon: Er wird wieder Trainer für den Nachwuchsbereich des DHB und erhält einen Vertrag bis 2023. Zu dieser Entscheidung wird DHB-Sportvorstand Axel Kromer später sagen: "Mit seiner Arbeit hat er auch die aktuelle Nationalmannschaft geprägt."

Kein Wunder, denn dreiviertel des derzeitigen Teams hat Martin Heuberger bereits in deren Zeit als Nachwuchspieler trainiert. "Die Entscheidung ist ein guter Beweis dafür, dass ich damals im Jugendbereich wohl nicht so schlecht war", sagt er und lacht wieder.

Nun ist er bis Oktober 2023 Trainer der U20/U21-Auswahl. Angesprochen auf die Frage, was er denn danach macht, sagt er: "Das lasse ich auf mich zukommen." Ihn überrasche so schnell nichts mehr.Sebastian Thomas

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