Historischer Auftakt des "Kätterlismärkts"
Beim Katharinenmarkt geht's auch um die Wurst

17 Ellen lang ist die berühmte Seelbacher Katharinenwurst.

Seelbach (krö). Seit über 560 Jahren hat die Gemeinde Seelbach das Marktrecht, das Kaiser Friedericus in Wien anno 1455 dem Hohengeroldsecker Diebold I. zu ewigen Zeiten verliehen hat. An dieses geschichtsträchtige Ereignis erinnert die Stadt Seelbach jedes Jahr beim Katharinenmarkt. Das Marktgeschehen lockt Jahr für Jahr bis zu 20.000 Besucher an den drei Markttagen nach Seelbach. Insbesondere die Buden der Vereine und Organisationen Seelbachs sorgen für das besondere Flair beim "Kätterlismärkt“.

Namenspatronin für den Markt ist die heilige Katharina, die etwa 310 n. Chr. in Alexandrien gelebt haben soll. Der Legende nach soll die junge und gebildete Katharina während einer Christenverfolgung in einem Glaubens-Disput 50 Philosophen widerstanden haben. Daraufhin habe sie der Kaiser rädern und enthaupten lassen. Ihr Jahrestag ist der 25. November. Mit dem Katharinentag begann im Mittelalter die Zeit des Advents.

Zum Katharinenmarkt in Seelbach gehört neben dem traditionellen Umzug, der alle zwei Jahre stattfindet, natürlich auch der historische Auftakt am Samstagabend. Dann wird im Klostergarten mit Laienschauspielern, darunter Gaukler und Fakire, in drei Szenen daran erinnert, wie die Marktrechte verliehen wurden. So treten Jahr für Jahr Kaiser und Gefolge zu Wien auf die Freilichtbühne. Rund 200 Laiendarsteller, Schüler, Männer und Frauen aus Seelbach und Umgebung, schlüpfen dafür in größtenteils selbst genähte Kostüme und Gewänder.

Imposant ist dabei immer auch das Aufgebot an Rittern auf ihren Pferden. An manchen Szenen wurden Änderungen vorgenommen, manche Rollen erhielten mehr Gewicht, doch natürlich dreht sich alles um die Fehden und Erbhändel zwischen Diebold I. von Hohengeroldseck und den Erben der Herrschaft Geroldseck Lahr. Damals verbot Diebold seinen Untertanen im Schuttertal, auf die Märkte nach Lahr zu gehen. Eine bittere Entscheidung für die Menschen, denn die Märkte waren damals die einzigen Orte, um Waren und Lebensmittel zu tauschen oder zu kaufen.

Diebold richtete dann eigene Märkte ein – illegal aus heutiger Sicht. Erst nach vielen Bitten erhielt der Ort im Jahre 1455 das legitime Recht zur Abhaltung der Jahrmärkte. Am Ende des Spiels ist das Glück perfekt, wenn der Graf die 17 zum Tode verurteilten Bauernburschen für eine 17 Ellen lange Wurst freilässt.

Klar, dass es beim Katharinenmarkt deshalb auch um die Wurst geht. Für die Seelbacher und für viele auswärtige Besucher gehört die Katharinenwurst zum Katharinenmarkt genauso dazu wie das Marktgeschehen und der historische Auftakt. So entstand denn auch das traditionelle Katharinenwurstessen für die Seelbacher Bürger immer am Katharinenmarkt-Montag im Bürgerhaus – ein Brauch, der natürlich auch in diesem Jahr fortgesetzt wird.

Der Katharninenmarkt mit seinem aufwändigen Auftakt ist heute noch im Schuttertal das Volksfest schlechthin. Vom 24. bis 26. November ist es wieder soweit. Dann heißt es wieder "Vorhang auf" zum Auftakt im Klostergarten. Das Schauspiel, wie der Ort das Marktrecht erhielt, zieht jedes Jahr aufs Neue viele Besucher in seinen Bann. So darf man sich auch in diesem Jahr erneut auf das Spektakel in den Außenanlagen des ehemaligen Klostergebäudes freuen.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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