Internationalität wird auch zu Hause gelebt
Markus Juchheim ist Geschäftsführer von Julabo

2015 hat Markus Juchheim die Geschäftsführung von seinem Vater übernommen. | Foto: Michael Bode
  • 2015 hat Markus Juchheim die Geschäftsführung von seinem Vater übernommen.
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Seelbach. Markus Juchheim gehört nicht zu den Menschen, die wirklich gern im Rampenlicht stehen. Unumgänglich ist das für den Geschäftsführer des auf Temperiertechnik spezialisierten Maschinenbau-Unternehmens Julabo in Seelbach hin und wieder trotzdem nicht. So nimmt er sich auch die Zeit für ein sehr persönliches Gespräch und gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

"Es war schon früh klar, dass mein Vater, der das Unternehmen 1967 gegründet hat, mich in seiner Nachfolge sieht", erinnert sich Markus Juchheim. Einen Zwang sah der heute 43-Jährige darin aber nicht, ganz im Gegenteil: "Ich selbst hatte auch großes Interesse daran, allerdings erst nach Studium und Berufserfahrung in anderen Unternehmen." Anfangs brachte Vater Gerhard den damals neuen Studiengang Mikrosystemtechnik in Freiburg ins Spiel, Markus Juchheim wollte jedoch im Ausland studieren, was sein Vater auch unterstützte. "Schon während des Abiturs habe ich mich für die USA entschieden." So ging er 1997 nach Allentown in Pennsylvania, wo sich heute noch einer der elf Auslands-standorte von Julabo befindet. "Die Business-School hat sich aber schnell als zu einfach herausgestellt", berichtet Markus Juchheim. Und so beendete er das Studium, folgte schließlich dem Einberufungsbefehl der Bundeswehr und trat den zehnmonatigen Wehrdienst an. "Ich wollte danach aber sofort wieder zurück in die USA", so Juchheim, der sogar eine Woche Sonderurlaub von der Bundeswehr bekommen hatte, um sich eine neue Universität zu suchen. "In dieser Zeit habe ich von West nach Ost alle Unis abgeflogen und mich schließlich für ein Bachelor-Studium an der University of Colorado in Boulder entschieden."

Familienunternehmen im Mittelpunkt

Schweren Herzens kam Juchheim 2002 wieder zurück nach Deutschland und trat im Hochschwarzwald eine Stelle im Produktmanagement, Marketing und Vertrieb an. "Für diese Firma bin ich dann wiederum in den USA gelandet und war dort eineinhalb Jahre als Marketingmanager tätig." Schließlich kündigte er den Job, mit dem Ziel Master of Business Administration. "Ich wollte einfach noch nicht in die Firma meines Vaters einsteigen und belegte in Malibu einen Studiengang, der auf Family-Business spezialisiert war."

Zwei Jahre später trat Markus Juchheim als 29-Jähriger dann mit in die Geschäftsführung in Seelbach ein, Ende 2015 übernahm er mit dem offiziellen Ausscheiden seines Vaters die alleinige Geschäftsführung. "Ich hatte großen Respekt vor der Sache", gibt er zu. "Ich war zu Beginn mehr der Schatten meines Vaters, versuchte, alles zu verstehen und natürlich trafen dabei auch generationenbedingte unterschiedliche Ansichten aufeinander, jedoch haben wir uns stets vorzüglich verstanden." Mit Leib und Seele führt Markus Juchheim nun die Tradition des Familienunternehmens weiter, entwickelt sie weiter und hebt den Hidden Champion auf das nächste Level. Dabei bietet er nicht nur rund 400 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz in einem hochtechnisierten, globalen Umfeld, sondern kommt vor allem auch mit der Julabo-Stiftung, die in diesem Jahr eine fünfstellige Summe ausschüttet, einer gesellschaftlichen Verantwortung nach. "Für uns ist es sehr wichtig, auch etwas zurückzugeben", erklärt er.

Diese Haltung will er auch an seine drei fünf-, vier- und zweijährigen Kinder weitergeben. "Das dauert aber noch eine Weile", so Juchheim schmunzelnd, der in seiner Freizeit gern Sport treibt und häufig seiner Leidenschaft für den SC Freiburg nachkommt. "Wann immer es geht, bin ich bei den Spielen dabei, zu Hause und früher auch oft auswärts." Seine Frau Jennifer lernte er während des gemeinsamen Studiums in Malibu kennen. Die Amerikanerin wagte nach einem knappen Jahr Fernbeziehung 2008 den Schritt nach Deutschland, 2009 gaben sie sich das Ja-Wort. Etwas Amerika ist beiden dennoch geblieben: "Wir pflegen weiter sehr enge Kontakte in die USA und sprechen zu Hause nur Englisch", erzählt Markus Juchheim. Seine Kinder wachsen allerdings sogar dreisprachig auf: Neben Englisch zu Hause sprechen sie Deutsch in der Kita und Spanisch mit den Betreuerinnen, die bisher aus Spanisch sprechenden Ländern zu den Juchheims kamen. Daniela Santo

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