Glasfaser in Willstätt
Geförderter Ausbau für 1.257 Adressen geplant
- Glasfaserausbau
- Foto: Symbolbild Großheim
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Willstätt (st) Der Glasfaserausbau in der Gemeinde Willstätt soll neu geordnet werden: Nachdem die Deutsche Glasfaser ihre bislang gemeldeten Ausbauabsichten deutlich reduziert hat, soll die Breitband Ortenau GmbH & Co. KG (BOKG) den geförderten Ausbau der verbleibenden unterversorgten Bereiche übernehmen. Über die weitere Vorgehensweise und die geplante Umsetzung hat der Gemeinderat am 21. Oktober 2026 beraten. Für den Ergänzungsausbau liegt bereits eine Förderzusage vor, die an die veränderte Versorgungssituation angepasst werden soll, informiert eine Pressemitteilung der BOKG.
Versorgungslücken schließen
Ursprünglich hatte die Deutsche Glasfaser für Willstätt den Ausbau von 2.916 Gebäuden gemeldet. Im ersten Halbjahr 2026 wurde ein neues Markterkundungsverfahren durchgeführt. Danach umfasst die aktuelle Ausbaumeldung noch 1.865 Anschlüsse. Nach Angaben der Breitband Ortenau sind davon 1.772 Adressen bereits ausgebaut; weitere 93 Gebäude sollen noch folgen.
Von den Änderungen betroffen sind insbesondere Legelshurst und Hesselhurst sowie Bereiche von Willstätt und Eckartsweier. Die Breitband Ortenau hat die nicht mehr berücksichtigten Bereiche geprüft. Nach dem aktuellen Planungsstand können insgesamt 1.257 unterversorgte und förderfähige Adressen in den Ausbau aufgenommen werden.
Ziel ist, die verbleibenden Versorgungslücken sowohl innerhalb der Ortslagen als auch in den Außenbereichen zu schließen. Nach einem positiven Beschluss des Gemeinderats soll die BOKG beim Fördermittelgeber einen Änderungsantrag stellen. Anschließend würde sie die Netzplanung und den Netzbau umsetzen sowie das Fördermittelmanagement und die geplante Verpachtung koordinieren.
„Durch die veränderte Situation haben wir jetzt die Möglichkeit, den Glasfaserausbau in Willstätt wesentlich umfassender über das Förderprogramm voranzubringen“, sagt Josef Glöckl-Frohnholzer, Geschäftsführer der Breitband Ortenau. „Unser Ziel ist es, die bislang unterversorgten Adressen flächendeckend zu erschließen und gleichzeitig schon heute die Voraussetzungen für einen späteren vollständigen Glasfaserausbau zu schaffen.“
Das sagt Bürgermeister Tobias Polley
Bürgermeister Tobias Polley freut sich über die Neuordnung: „Der Glasfaserausbau ist eine wichtige Investition. Umso bedauerlicher ist es, dass der bisherige Prozess zu lange gedauert hat und der bisherige Projektpartner den Ausbau nicht fortführt. Wir begrüßen das Engagement der BOKG sehr und sind zuversichtlich, dass der Ausbau nun flächendeckend und zeitlich planbar in allen Ortsteilen erfolgen kann. Damit machen wir die Gemeinde Willstätt bei dieser wichtigen Zukunftstechnologie fit für die kommenden Jahre.“
Das Investitionsvolumen für den vorgesehenen geförderten Ausbau liegt nach der aktuellen Kalkulation bei rund 14,1 Millionen Euro. Der Bund soll 50 Prozent der förderfähigen Kosten übernehmen, das Land Baden-Württemberg im Rahmen der Kofinanzierung weitere 40 Prozent. Für die Gemeinde Willstätt ist ein kommunaler Eigenanteil von rund 1,8 Millionen Euro vorgesehen.
Bei der Förderberechnung werden die geplanten Pachteinnahmen berücksichtigt. Langfristig sollen die Einnahmen aus der Verpachtung der Glasfaserinfrastruktur zur Refinanzierung des kommunalen Eigenanteils beitragen. Wie hoch die Einnahmen tatsächlich ausfallen, hängt unter anderem von der künftigen Nutzung des Netzes und den Ergebnissen der Netzbetreiberausschreibung ab. Die Finanzmittel für den kommunalen Anteil müssen nach der Sitzungsvorlage in den Haushaltsjahren 2027 bis 2029 eingeplant werden. Vor dem Abruf weiterer Fördermittel muss die Gemeinde zunächst ihren vollen Eigenanteil aufbringen.
Planungsvorbehalt
Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die Maßnahme in den Jahren 2027 bis 2029 umgesetzt werden. Die Projektplanung sieht vor, die Dienste im dritten Quartal 2029 bereitzustellen. Bis dahin folgen nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss die Anpassung des Förderbescheids, die Netzplanung, die Vergabe der Bauleistungen und der anschließende Netzausbau.
Für die Bevölkerung eröffnet der geplante Ergänzungsausbau die Perspektive, dass auch bislang unterversorgte Adressen, die in den geänderten Ausbauplänen der Deutschen Glasfaser nicht mehr berücksichtigt werden, einen Glasfaseranschluss erhalten können. Alle Angaben stehen bis zur Entscheidung des Gemeinderats und der Zustimmung des Fördermittelgebers unter Planungsvorbehalt.
Der Glasfaserausbau ist das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte des Ortenaukreises. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren ungefähr 121.200 Gebäude im Landkreis an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Ziel ist es, durch die Kombination aus gefördertem und eigenwirtschaftlichem Ausbau eine möglichst flächendeckende Versorgung mit gigabitfähiger Infrastruktur zu erreichen. Der Ausbau in der Ortenau macht laut BOKG gute Fortschritte: Die sogenannte Homes-Passed-Quote liegt bereits bei 52 Prozent. Das bedeutet, dass bei mehr als der Hälfte aller Gebäude das Glasfaserkabel bereits in der Straße liegt und ein Anschluss ans Netz technisch kurzfristig möglich wäre. Bis 2027 soll eine Homes-Passed-Quote von 70 Prozent erreicht werden, der vollständige Ausbau aller bislang unterversorgten Gebäude soll bis 2031 abgeschlossen sein..







Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.