Wallfahrt im Harmersbachtal
330 Jahre altes Versprechen

Mit Kreuz und Fahnen ziehen die Gläubigen zur Wallfahrtskirche.
  • Mit Kreuz und Fahnen ziehen die Gläubigen zur Wallfahrtskirche.
  • Foto: Lehmann-Archiv
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Harmersbachtal (kal). Alljährlich lädt die Seelsorgeeinheit Zell am Harmersbach Anfang September zur Gelöbniswallfahrt ein. Dieses Jahr treffen sich die Gläubigen aus den Pfarreien Zell, Biberach, Nordrach und Oberharmersbach am Samstag, 7. September, in der Wallfahrtskirche Maria zu den Ketten, um das vor 330 Jahren gegebene Versprechen einzulösen.
Damals drohte dem Harmersbachtal nur wenige Jahrzehnte nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg erneut Tod und Verderben. Französische Truppen hatten im Pfälzischen Erbfolgekrieg den Rhein überschritten. Burgen wurden geschleift und Städte in Schutt und Asche gelegt, so auch Offenburg und am 7. September 1689 Gengenbach. Die Truppen zogen weiter talaufwärts, dem Tal Harmersbach schien dasselbe Schicksal zu widerfahren wie seinen Nachbarstädten. Doch die Talgemeinden wurden „wunderbahrlichen undt ohne zweiffel von der gnadenreichen güethigkeit der allerseligsten Mutter Gottes“ davor verschont.

Frucht für die Armen

So haben die Gemeinden und Landstäbe Zell, Harmersbach, Nordrach, Biberach, Ober- und Unterentersbach gelobt, „von nunahn undt zue ewigen Zeiten, daß ißt solange das Zellische wesen undt die gnadenreiche Capellen stehen wirt, alljährlich auff Hl. Kreuzerhöhungs Tag“ – also am 14. September – mit Kreuz und Fahnen nach Zell zu pilgern. Verbunden war dieses Gelöbnis mit der Zelebration eines Amtes und vier heiligen Messen. Für die Armen sollten drei Viertel Frucht sowie eine Kerze gespendet werden, die dann während der Gottesdienste in der Wallfahrtskirche brennen sollte.

Spanischer Erbfolgekrieg

Nur wenige Jahre später standen während des Spanischen Erbfolgekrieges erneut französische Truppen in der Ortenau, wiederum waren Leib und Leben der Talbevölkerung bedroht. Am 23. Februar 1703 kam es zu einem kleinen Scharmützel bei Biberach, als Leutnant Schoch mit rund 60 Mann „auff die feindlichen Trouppen dapffer außgefeuwert“. Der Rückzug der feindlichen Soldaten schien nur ein taktisches Manöver, denn bei Gengenbach war nur wenige Tage später eine erdrückende Übermacht zum Stehen gekommen. Um weiteres Blutvergießen und Raubzüge zu vermeiden, entschied man sich eine „Salveguard“, eine Schutztruppe anzunehmen, die zwar unterhalten werden musste, aber weitgehend Schutz vor Plünderungen gewährte.

Brief und Siegel

Feierlich und festlicher beschworen am 12. Mai 1703 die Stadt Zell, der Harmersbacher Vogt, Ratsherren und sämtliche Pfarrer ihr vor 14 Jahren gegebenes Versprechen. Man schien zu ahnen, dass in besseren Zeiten die Erinnerung getrübt werden könnte. Mit Brief und Siegel versehen, erhielten die weltlichen Archive und die Pfarreien sowie das Kloster Gengenbach jeweils eine Abschrift, damit durch Krieg, Brand oder sonstige Katastrophen das Versprechen „nimmer mehr in Vergessenheit kommen möge oder solle.“

Prozession

Deshalb treffen sich nun wieder am Samstag, 7. September, die Gläubigen um 9 Uhr beim Gasthaus „Sonne“ in Zell, um gemeinsam in einer kurzen Prozession zur Wallfahrtskirche Maria zu den Ketten zu ziehen. Die Ausrichtung liegt heuer in den Händen der Pfarrgemeinde St. Ulrich Nordrach, die für die religiöse Feier das Motiv „Zeit für Gott und Füreinander“ ausgewählt hat und während des Gottesdienstes die gestiftete Kerze übergeben wird. Im Anschluss daran sind alle Pilger zu einem Fest der Begegnung mit kleinem Umtrunk und Imbiss im Klostergarten eingeladen.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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