Caritasverbandes Vordere Ortenau
Interkulturelle Schulungen im Angebot

Die neuen Interkulturellen Trainerinnen des Caritasverbandes Vordere Ortenau: Sara Hamdi Al Najjar und Birgit Lipinski (von links) schulen die Mitarbeiterinnen der Caritas-Schulkindbetreuungen an 19 Standorten in der nördlichen Ortenau.  | Foto: Caritasverband/Michaela Gabriel
  • Die neuen Interkulturellen Trainerinnen des Caritasverbandes Vordere Ortenau: Sara Hamdi Al Najjar und Birgit Lipinski (von links) schulen die Mitarbeiterinnen der Caritas-Schulkindbetreuungen an 19 Standorten in der nördlichen Ortenau.
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  • hochgeladen von Matthias Kerber

Achern (st) Soziale Kompetenz ist ein Markenzeichen des Caritasverbandes Vordere Ortenau. Aber es ist längst nicht das einzige, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Interkulturelle Kompetenz ist ein weiteres, wichtiges Merkmal der Arbeit des Wohlfahrtsverbandes vor Ort. Drei Mitarbeiterinnen sind Interkulturelle Trainerinnen und geben ihr Wissen weiter.

Eine davon ist Sara Hamdi Al Najjar, sie ist selbst einen Migrationshintergrund. Dass sie anderen erklären soll, wie sie Ausländern am besten begegnen, kam ihr sehr seltsam vor. Doch die zweijährige Weiterbildung zur Interkulturellen Trainerin beim Diözesan-Caritasverband in Freiburg hat ihr gezeigt, dass es um etwas anderes geht. „Wir sagen nicht, so sind die Kulturen und so geht man richtig damit um“, erklärt die Pädagogin. Gemeinsam mit Sozialpädagogin Birgit Lipinski vermittelt sie vielmehr, wie sich die eigene kulturelle Prägung auswirkt, dass jede Kultur anders ist und dass vermeintliche Unterschiede oft gar keine sind. Was Menschen an anderen wahrnehmen, deuten sie meistens aus den eigenen Erfahrungen und bewerten es mit den eigenen Werten. Doch das kann zu Fehleinschätzungen und Missverständnissen führen.

Was ist typisch deutsch? Dieser Frage gingen zum Einstieg Fachkräfte des Caritasverbandes Vordere Ortenau der Kehler Falkenhausenschule bei einer ganztägigen interkulturellen Sensibilisierung nach. Dabei zählten sie zum Beispiel viele Merkmale eines deutschen Friedhofs auf und erfuhren danach: Im Herkunftsland von Sara Hamdi Al Najjar ist es ganz ähnlich. Sie schauten durch getönte Brillen und erkannten nicht, was auf Karten zu lesen war. Dazu mussten sie die Brillen erst abnehmen. Sie spielten ein Spiel und bekamen dafür unterschiedliche Regeln. Jeder dachte er wüsste, wie es geht und doch funktionierte es nicht.

Blick weiten

„Menschen handeln so, wie sie es gelernt haben und erklären nicht, warum sie das tun. Das nennt man Kultur“, arbeiten die Trainerinnen mit den Kursteilnehmern heraus. Was nicht in das eigene Wertesystem passe, werde oft negativ wahrgenommen. Den Blick zu weiten und sich bewusst zu machen, dass hinter dem Verhalten des anderen viel mehr steht als das, was er tut oder sagt, kann zu mehr Toleranz und gegenseitigem Verständnis beitragen.

„Es ist sehr wertvoll, das von einer deutschen und einer Kollegin mit Migrationshintergrund vermittelt zu bekommen“, sagte am Ende eine Teilnehmerin. Eine andere nahm die Erkenntnis mit: „Wir denken in Schubladen und haben Vorurteile.“ Besser verstehen könne man sich nicht erst, wenn der andere sich mehr anstrenge, sondern wenn man selbst weiterdenke.

Der Caritasverband Vordere Ortenau will künftig auch interkulturelle Sensibilisierungen für Vertreter von Kommunen, Unternehmen, Institutionen und andere Interessierte bieten. Er fördert den interkulturellen Austausch außerdem mit dem Angebot „Walk & Talk“ des Psychosozialen Zentrums für Menschen mit Fluchterfahrung. Das Cabrini-Center in Achern ist Anlaufstelle für Menschen aus dem ganzen Ortenaukreis. Dort arbeitet neben Sozialarbeitern, Sozialpädagogen und Therapeuten auch eine interkulturelle Trainerin. Fachbereichsleiter Andreas Hillebrandt ist davon überzeugt, dass das Thema in Zukunft immer wichtiger wird.

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