Gottesdienst bei Open-Air-Festival
Ökumenische Ausrichtung fortführen

Pfarrerin Katrin Bessler-Koch, Oberbürgermeister Klaus Muttach und Pfarrer Christof Scherer in der früheren ökumenisch genutzten Anstaltskirche, die ab Mai im Kulturforum als neuer Festsaal mit 300 Plätzen genutzt werden wird
 | Foto: Helga Sauer/Stadt Achern
  • Pfarrerin Katrin Bessler-Koch, Oberbürgermeister Klaus Muttach und Pfarrer Christof Scherer in der früheren ökumenisch genutzten Anstaltskirche, die ab Mai im Kulturforum als neuer Festsaal mit 300 Plätzen genutzt werden wird
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Achern (st) Die Illenau stand in der Zeit als Großherzogliche Heil- und Pflegeanstalt für eine für die damalige Zeit außerordentlich progressive ökumenische Ausrichtung. An diese knüpfen die katholische und evangelische Kirchengemeinde beim Open-Air-Festival Kulturforum Illenau mit einem Gottesdienst am Samstag, 23. September, um 11.45 Uhr im Serenadenhof an.

Der erste Anstaltsleiter der Illenau Christian Roller wird zitiert: „Für die religiösen Verrichtungen in der Irrenanstalt ist die Anstellung eines eigenen Geistlichen unumgänglich nötig. Er bedarf einer genauen Kenntnis der psychischen Zustände, muss es gelernt haben, mit Irren umzugehen.“ Folgerichtig richtete Großherzog Leopold von Baden in der Illenau zwei Pfarrstellen ein, eine für die römisch-katholische und eine für die evangelische Konfession. Damit war der Grundstein für eine ökumenische Zusammenarbeit und für gemeinsame Gottesdienste in ein und demselben Kirchensaal gelegt. Die simultangenutzte Anschlusskirche wurde am 19. Februar 1834 nach evangelischer und am 14. Juli 1844 nach römisch-katholischer Weise eingeweiht.

Christlichen Glauben leben

Die Geistlichen hielten Gottesdienste, gehörten zum ärztlichen Kollegium und nahmen an den Visiten und Konferenzen teil. Sie wirkten als Krankenseelsorger, wobei sie der ärztlichen Weisungsbefugnis unterstanden und organisierten für die Kranken unterhaltende Veranstaltungen. Ihnen oblag die Verwaltung der Anstaltsbibliothek und sie führten auf Anweisung des Direktors einen Teil der Korrespondenz mit den Angehörigen der Pfleglinge und übernahmen die Bestattungen auf dem Illenauer Friedhof.

„Auch in der Gegenwart wollen wir es ermöglichen, dass christlicher Glaube in der Öffentlichkeit gezeigt und gelebt werden kann. Christliche Werte bereichern unsere Gesellschaft. Ein ökumenischer Gottesdienst als Bestandteil des Open-Air-Festivals Kulturforum Illenau steht für diese Überzeugung“, so Oberbürgermeister Klaus Muttach. Er freue sich, dass der frühere Kirchenraum mit Fertigstellung des Kulturforums wieder einer guten Nutzung zugeführt werden wird. Dabei habe die Stadt darauf geachtet, dass Elemente des Kirchenraums wie die Kirchenfenster grundlegend saniert werden, sichtbar erhalten bleiben und damit an die frühere Nutzung als Anstaltskirche erinnern. Kirche und Staat organisatorisch zu trennen sei richtig, trotzdem müsse in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung christlicher Glaube seinen Platz im öffentlichen Leben haben können, so Oberbürgermeister Klaus Muttach.

„In unserem Gottesdienst wollen wir auch darüber nachdenken, was es heißt, miteinander – als Christen und als Bürger unserer Stadt – füreinander da zu sein, gerade auch für die, die unsere Hilfe brauchen“, so Pfarrerin Katrin Bessler-Koch.

Auf diesen ökumenischen Gottesdienst an besonderer Stätte freue ich mich besonders. Für uns als Acherner ist es wichtig, diese durchaus ambivalente Geschichte der Illenau in den Blick zu nehmen und auch die christlichen Wurzeln dieser Heilanstalt zu beleuchten. Für uns als Christinnen und Christen ist es wichtig, auch unsere Gottesdienste immer wieder in der Stadtlandschaft zu verankern und uns damit verändern zu lassen“, so Pfarrer Christof Scherer.

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