Dollenberg Dialog
Günther Oettinger: "Wir brauchen einen Aufbruch"

Nicht oft ist eine mehrfache Weltmeisterin Gast beim Dialog Dollenberg. Diesmal sprach Anna-Lena Forster von ihrem Leben als Para-Spitzensportlerin, eingerahmt von Günther H. Oettinger, Ann-Cathrin Simon, Peter Reuss, Willi Stächele und Meinrad Schmiederer (von links). | Foto: Dollenberg
  • Nicht oft ist eine mehrfache Weltmeisterin Gast beim Dialog Dollenberg. Diesmal sprach Anna-Lena Forster von ihrem Leben als Para-Spitzensportlerin, eingerahmt von Günther H. Oettinger, Ann-Cathrin Simon, Peter Reuss, Willi Stächele und Meinrad Schmiederer (von links).
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Bad Peterstal-Griesbach (st) Es war ein Sonderdialog, der letzte Dialog Dollenberg vor den Sommerferien, und er hatte es in sich. Zwei Ereignisse prägten ihn. Drei Tage zuvor hatte Meinrad Schmiederer, Chef des Fünf-Sterne-Superior-Hotels Dollenberg, mit einem großen Fest seinen 75. gefeiert, zwei Tage zuvor hatte Dollenberg-Chef Willi Stächele sein erstes Buch unter dem Titel „Achterbahn des Lebens“ präsentiert. Inzwischen ein Politrentner, begrüßte Stächele zum Dialog auch seine Nachfolgerin im Landtag, Katrin Merkel, heißt es in einer Pressemitteilung.

Starke Referenten

Roland Burtsche, einflussreicher Gastronom und ehemals Chef im Freiburger „Colombi“, machte sich wohl zum Sprecher fast aller knapp 100 Dialog-Gäste, als er Meinrad Schmiederer als herausragende Hoteliers-Persönlichkeit würdigte, die mit dem Hotel Dollenberg ein auch für die Region wichtiges Lebenswerk geschaffen habe. Keine vier Stunden später machte Günther H. Oettinger, ehemals EU-Kommissar und Schirmherr des Dialogs, an gleicher Stelle weiter. Gastronomen wie Meinrad Schmiederer und seine Kollegen aus den Gourmettempeln von Baiersbronn, Baden-Baden und andernorts hätten den Schwarzwald und die Ortenau mit ihren Nachbarn aus dem Elsass und dem Burgund zu einer „herausragenden Region“ entwickelt und seien damit Vorbilder. „Wenn es in der Wirtschaft doch auch so wäre“, seufzte Oettinger. Denn spätestens da war es mit seinen Freundlichkeiten vorbei. Seinen bewusst provozierenden Redebeitrag verstand er als „Weckruf“, denn Deutschland und die EU „gehen den Bach runter, sind auf dem absteigenden Ast“. Oettinger forderte die Unternehmer im Spiegelsaal auf, in ihre Betriebe zu gehen, mit Gewerkschaftern und Betriebsräte über Arbeitszeiten zu sprechen. Oettinger: „Wir brauchen einen Aufbruch“. Er forderte querbeet mehr Fleiß, Einsatz und öffentliches, politisches Engagement. Die wirtschaftliche Lage sei so ernst wie seit 40 Jahren nicht mehr und gefährde letztlich die Demokratie.

Die Reihe der Referate hatte Ann-Cathrin Simon (29), stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union, eröffnet. Sie bestritt den pauschalen Vorwurf, dass „die Jugend“ durch die Bank wenig Engagement zeige. Vielmehr sollten „die Alten“ jungen Leuten mehr Verantwortung und dann auch die Möglichkeit geben, diese umzusetzen.

Einen starken Eindruck hinterließ Monoskibobfahrerin Anna-Lena Forster (31), die ein paar Exemplare ihrer über 30 Exemplare umfassende Sammlung aus weltmeisterlichen und olympischen Medaillen mitgebachte hatte, jede schwer wie ein Ziegelstein. „Sport kann mehr“, behauptete die sympathische Psychologin und erzählte, wie sie durch den Leistungssport gelernt habe, Ziele zu setzen, Strukturen und Disziplin auch für den Alltag einzuhalten. Sport bezeichnete sie als Mutmacher.

Ebenso charmant wie unterhaltend unternahm Peter Reuss (1964 in Freiburg geboren) eine hintergründige Reise durch sein Leben als Diplomat des Auswärtigen Amts. Es führte ihn um die halbe Welt und 2025 als deutschen Botschafter nach Prag. Dorthin lud er den Dialog zu einem Besuch ein. Kanzler Friedrich Merz bescheinigte er ein hohes außenpolitisches Talent, das grundsätzliche europäisch denke. Es sei von großem Vorteil, dass Kanzler und Außenminister eine gemeinsame Sprache sprächen.

Schließlich dankte Patron Meinrad Schmiederer allen Referenten. Auch er hatte ein Büchlein über Stationen seines Lebens geschrieben.

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