Long-Covid-Patient berichtet
Vom langen Weg zurück ins Leben

Prof. Dr. med. Jürgen Wagner, Chefarzt der Staufenburg-Klinik, mit Werner Hawes, der auf seinem Weg der Genesung Unterstützung findet.
  • Prof. Dr. med. Jürgen Wagner, Chefarzt der Staufenburg-Klinik, mit Werner Hawes, der auf seinem Weg der Genesung Unterstützung findet.
  • Foto: gro
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Durbach (gro). Bis zum 15. April dieses Jahres führte Walter Hawes ein ganz normales Leben. Der 74-Jährige aus Tübingen war fit, arbeitete sogar noch als Kraftfahrer. "Ich war immer gesund", erzählt er in der Staufenburg Klinik in Durbach, wo er vier Wochen in Reha-Behandlung war. Seine Diagnose: Long-Covid.

Mit dem Notarzt ins Krankenhaus

Mitte April veränderte sich dann alles: Walter Hawes fühlte sich unwohl, meldete sich bei seinem Disponenten ab. Schnell ging es ihm schlechter, seine Frau rief den Notarzt. Dass er an Covid-19 erkrankt sein könnte, schien ihm unwahrscheinlich. "Mein Gedanke war: ich doch nicht", berichtet er. Im Krankenhaus wurde er zunächst negativ getestet, doch angesichts seiner Symptome erfolgte ein zweiter Test, der dann die Diagnose bestätigte. "Ich hatte noch Glück", erinnert er sich an seinen ersten Klinikaufenthalt: "Ich wurde nicht intubiert wie so viele andere." Aber auf zusätzlichen Sauerstoff war aber auch er angewiesen. 20 Tage war er auf verschiedenen Stationen im Krankenhaus, am 10. Mai wurde er entlassen. Doch die Freude währte nur kurz: "Ich bekam keine Luft mehr und wir mussten wieder den Notarzt rufen", so Hawes. Dieses Mal wurde er ins Koma gelegt, Corona hatte seine Lungenbläschen angegriffen, er hatte Wasser in der Lunge.

Seitdem auf den Rollstuhl angewiesen

Seitdem ist der zuvor agile Mann auf den Rollstuhl angewiesen und braucht Sauerstoff. "20 Kilo habe ich abgenommen. Ich hatte nie Probleme mit der Lunge, meine regelmäßigen Check-ups waren immer positiv", macht der 74-Jährige deutlich, dass er keine Vorerkrankungen hatte.

Chefarzt: Auswirkungen bei jedem anders

"Die Auszehrung durch die lange Bettlägerigkeit ist typisch", stellt Chefarzt Prof. Dr. Jürgen Wagner fest, ebenso die Schwächung der Lungenfunktion. Die Post-Covid-Auswirkungen seien je nach Patient unterschiedlich. "Manche leiden an einer Gefäßentzündung des ganzen Körpers, die noch lange nach der akuten Corona-Erkrankung wirksam sein kann", erklärt der Arzt. Auch Fatigue, ein Erschöpfungszustand sei typisch. Viele Patienten hätten auch Probleme mit ihrer Gedächtnisleistung. Bei anderen würden sich Vernarbungen auf der Lunge bilden. "Long Covid kann sich bei jedem anders auswirken", so Wagner und warnt davor, dies zu unterschätzen.

Die Reha in Durbach wurde genutzt, um Werner Hawes' Bewegungsapparat wieder aufzubauen. "Mir wurde auch das richtige Atmen beigebracht", erzählt er einen Tag vor seiner Entlassung aus der Klinik. Kurze Strecken – 90 Meter beim Gehtest in der Klinik – kann der 74-Jährige bereits wieder auf seinen eigenen Beinen zurücklegen – doch auf den Rollstuhl kann er nach wie vor nicht verzichten. Ein Zustand, den Werner Hawes nicht hinnehmen möchte: "Ich will mich wieder ohne Rollstuhl bewegen können und vor allen Dingen hoffe ich, dass ich irgendwann auf den Sauerstoff verzichten kann." Die Besserung gehe allerdings nur langsam vonstatten. "Sie brauchen viel Geduld", macht Prof. Wagner deutlich, dass Werner Hawes noch einen weiten Weg vor sich hat. "Die Erholung kann sich über viele Monate hinziehen." Den Unterschied zu seinem Leben vor und nach Corona schildert der Patient so: "Vorher habe ich beim Abladen vom LKW mitgeholfen, als ich nach Durbach kam, konnte ich noch nicht einmal eine Spraydose mit der linken Hand benutzen."

Die einmal begonnene Therapie will Hawes nach Möglichkeit ambulant zu Hause fortsetzen: "Ich wünsche mir, dass es mir langsam besser geht. Ich erwarte keine Wunder, ich glaube nicht, dass ich meine alte Leistungsfähigkeit wieder zurückbekomme."

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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