Sonntagsportrait: Kurt Bildstein
Ein erfülltes Leben mit und für seine Malerei

Heute feiert der Maler Kurt Bildstein seinen 90. Geburtstag. Das Waldbild hat er für seine nächste Ausstellung in Kenzingen gemalt.
  • Heute feiert der Maler Kurt Bildstein seinen 90. Geburtstag. Das Waldbild hat er für seine nächste Ausstellung in Kenzingen gemalt.
  • Foto: Sandra Decoux-Kone
  • hochgeladen von Isabel Obleser

Ettenheim. Dienstagnachmittag 14 Uhr im Atelier in der Neumannstraße: Kurt Bildstein trägt die letzte Farbe auf ein Bild auf, das er für seine nächste Ausstellung gemalt hat. Dem Ettenheimer Maler und Träger des Kultur- und Sozialpreises der Stadt ist zu seinem 90. Geburtstag eine Ausstellung mit neuen großformatigen Bildern im Rathaus Ettenheim gewidmet. Jetzt bereitet er schon wieder die nächste Präsentation in Kenzingen vor. Der umtriebige 90-Jährige lebt seine große Leidenschaft für die Malerei täglich aus. „Ich male, so lange es geht und hoffe, dass es gesundheitlich noch lange möglich ist." Die Bandscheiben machen nicht mehr so recht mit, das Gehen fällt ihm schwer. Um weiterhin mobil zu sein, hat sich der Künstler einen elektrischen Rollstuhl angeschafft, mit dem er am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.
Auch bei Temperaturen um die 35 Grad sitzt Bildstein täglich in seinem Atelier an der Staffelei und ist produktiv. Über sein gerade fertig gewordenes Werk sagt er nicht viel. „Ich rede nicht gerne über meine Malerei, so wie ein Dichter auch nicht gerne über seine Gedichte spricht“, meint Bildstein. "Meine Bilder sind lediglich ein Angebot an den Betrachter." Ob er gegenständlich oder abstrakt male, komme immer auf seinen inneren Zustand an. Beim gegenständlichen Malen habe er meist einen Plan und lege gedanklich fest, was er aufs Papier bringen möchte. Bei der informellen Malerei setze er sich ohne Idee an die Staffelei, entwickele und experimentiere. Naturalismus und Abstraktion stellen für Bildstein keine Gegensätze dar. Auch wenn er abstrakt malt, ist seine Handschrift sofort zu erkennen, wenn er Farbe flächenhaft aneinander setzt. Zu seinen Besonderheiten innerhalb der figürlichen Malerei zählen seine Lackbilder, die er meist mit Gouachefarben gestaltet und die immer wieder abgeschliffenen Lackschichten neu übermalt. Damit zeigt er die Bewunderung für den italienischen Renaissancemaler Piero Della Francesca. Auch Aquarelle begleiten Bildsteins künstlerische Entwicklung schon immer. Reduktion, Konzentration und Spontanität zeichnen sie aus.

Nach dem Studium die Familie gegründet

Kurt Bildsteins Vita ist erstaunlich: Geboren wurde er in Konstanz. Am Tag, als der zweite Weltkrieg ausbrach, zog die Familie nach Ettenheim. Schon als junger Bub hatte er seine ersten Zeichnungen in der Rohanstraße erstellt: „Ich habe den Blick aus dem Fenster unserer Wohnung gezeichnet." Nach und nach dehnte er seinen Radius auf nahe gelegene Stadtteile und Hügel aus. Bildstein erzählt, wie er gerade 14-jährig zur Fliegerwache auf dem Rathaus eingeteilt wurde und sein Geschichtslehrer ihm dabei half, sich von den Ideen der Nazis zu lösen. Die SS habe ihn mehrmals einbestellt und immer wieder sei es ihm gelungen, sich zu verweigern: "Ich wusste damals schon, dass es eine umstrittene Truppe war." Stattdessen hat er die Wehrertüchtigung absolviert und wurde zur Wehrmacht eingezogen. Noch im Jahr 1945, als er aus der Gefangenschaft kam, begann er eine Lehre im Malerhandwerk. Ab 1950 war er Student an der staatlichen Kunstakademie in Freiburg, wo sein künstlerisches Talent gefördert wurde. „In dieser Zeit war ich sehr fleißig und malte viele Porträts", erzählt Bildstein. Sein Lebensabschnitt in den Jahren 1939 bis 1952 war eine Zeit der Katastrophen und des Hungers, aber auch der Kreativität für ihn. Trotz aller Schwierigkeiten empfindet Bildstein diese Zeit als lehrreichen Lebensabschnitt, der sein ganzes Denken und Handeln geprägt hat.
1953, als er seine Frau Margarete heiratete und eine Familie gründete, legte er den Künstlerpinsel zur Seite. Um seine Existenz zu sichern, gründete er in der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit einen Malerbetrieb. Als erfolgreicher Betriebsinhaber hatte er kaum Muse zu malen: "Ich konnte nicht zwei Herren dienen." Eine sehr glückliche Zeit begann für ihn 1986, als sein Sohn den Betrieb übernahm: „Endlich konnte ich zur Malerei zurückkehren und ohne zeitlichen Druck und ohne fremde Vorgaben malen und zeichnen." Er begann, mit Materialien zu experimentieren, die er aus seiner Restauratorentätigkeit schon meisterlich beherrschte. Seine neuen Werke sind derzeit im Rathaus Ettenheim unter dem Titel "Farbsinfonien und Strukturen" ausgestellt. Sandra Decoux-Kone

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