• 13. Dezember 2017, 16:40 Uhr
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Erster Preis für Tobias Stadelmann beim "BioValley College Award" in Basel
Der rheumatoiden Arthritis mit Forschung auf der Spur

Sie freuen sich über den Erfolg (v. l.): Dr. Stephan Elge, Preisträger Tobias Stadelmann und Daniel Heid
Sie freuen sich über den Erfolg (v. l.): Dr. Stephan Elge, Preisträger Tobias Stadelmann und Daniel Heid (Foto: FRO)

Ohlsbach/Basel (djä). "Don't shoot the messenger" – so  wird in der englischen Sprache gemahnt, einen Boten nicht für die schlechte Nachricht zur Verantwortung zu ziehen. Das mag für einen ritterlichen Kodex gelten, aber nicht für die rheumatoide Arthritis. Wer daran erkrankt, leidet unter chronischen, meist an beiden Körperhälften gleichzeitig auftretenden Gelenkentzündungen. Das ist nicht nur sehr schmerzhaft.

Die Entzündungen zerstören allmählich die Gelenke und schränken die Beweglichkeit ein. Aber was hat das mit einem "messenger" zu tun? Sehr viel: Bei einer verbreiteten Form der Erkrankung wirkt die zu hohe Dosis einer bestimmten "messenger RNA" (mRNA) wie ein Gift. Dabei steht RNA für die englische Bezeichnung einer Ribonukleinsäure. Die "Boten-RNA" ist der zu einem Gen gehörige Teilabschnitt der Erbinformation und beeinflusst die Proteinbildung in den Körperzellen. Produziert der menschliche Körper zuviel davon, führt die Veränderung zu einer Fehlfunktion der Immunzellen. Die fatale Folge: sie greifen daraufhin die körpereigenen Zellen an.

Zu dieser Problematik forscht Tobias Stadelmann. Der Abiturient aus Biberach hat ein innovatives Konzept entwickelt, um diese Messenger zu attackieren und damit eine neue Möglichkeit zu schaffen, der Krankheit Herr zu werden. Einen geeigneten Platz für seine Arbeit fand er im Schülerforschungslabor des Vereins "Forscher/innen für die Region Ortenau" (FRO). Hier arbeitete Stadelmann an speziellen molekularen "Scheren", die als Wirkstoff die mRNA zerschneiden können. Dazu untersuchte er DNAzyme, künstlich hergestelltes Erbgut. Aus diesem Erbgutmolekül identifizierte er in einem systematischen Testverfahren vielversprechende Kandidaten. Die Experimente zeigten, dass die Methode geeignet ist, die Zahl der "messenger" deutlich zu reduzieren. Damit hat er einen Ansatz gefunden, die Fehlfunktion der Immunzellen zu minimieren.

Im nächsten Schritt sollen nun die vielversprechendsten Varianten in einer Zellkultur getestet werden. So soll herausgefunden werden, ob sie als Therapiemöglichkeit in Frage kommen.
Eine erste Anerkennung hat Tobias Stadelmann bereits erhalten. Sein Projekt wurde von der Jury des trinationalen "BioValley College Award" in Basel mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

"Entwicklung eines DNAzym-basierten PAD4-Inhibitors" heißt sein Projekt – für Laien eine kryptische Bezeichnung, die leicht vergessen lässt, dass diese Forschung erkrankten Menschen helfen will. "Tobias setzt sich bereits für die nächste Generation ein und übernimmt wichtige Aufgaben in der Labororganisation. Er hat ein komplexes Verständnis molekularer Prozesse, Durchhaltevermögen und enormen Ehrgeiz für sein Forschungsprojekt", findet Daniel Heid, Stellvertretender Vorstand des Vereins. Zusammen mit Dr. Stephan Elge, Lehrer am Marta-Schanzenbach-Gymnasium Gengenbach, betreut und unterstützt er das Projekt wissenschaftlich.

Der Erfolg beim BioValley College Award unterstreicht die Bedeutung des künftigen Schülerforschungszentrums "Xenoplex", dessen Grundstein am 22. November am Gengenbacher Bildungscampus gelegt wurde. Dort können Schüler aus der Region in Zukunft forschen. "Mit "Xenoplex" kommen wir unserem großen Ziel einen Quantensprung näher. Wer möchte nicht neue Entdeckungen machen und aufregende Versuche gestalten", fragt Heid. Am 16. Dezember können sich interessierte Schüler über das Life Sciences-Labor informieren. Informationen gibt es unter www.fro-ev.de oder per Mail an daniel.heid@fro-ev.de.

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