Gengenbach-Fußbach bietet die Möglichkeit für Friedwald
Letzte Ruhe in der Natur unter Bäumen

Baum 104 im Friedwald: Kurt Weber, Thorsten Erny, Jutta Uhl und Wilhelm Schrempp (v.l.) stellen den Friedwald vor.
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  • Foto: Foto: Dagmar Jäger
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Gengenbach-Fußbach. Die Vögel zwitschern. An den Bäumen zeigt sich das erste Grün. Es ist ein
milder Apriltag mit Sonne und grauen Wolken im Wechsel beim Ortstermin
am Donnerstag in Gengenbach-Fußbach. Hier im Wald, direkt neben dem fast
100-jährigen Waldfriedhof des Pflege- und Betreuungsheims, ist der
Ruhewald Bildtann entstanden.

In einem Ruhe- oder Friedwald können Verstorbene in einem naturbelassenen Waldgebiet unter einem Baum
ihre letzte Ruhe finden. Immer mehr Menschen interessieren sich für
diese Bestattungsform. Sie entscheiden sich bewusst für ein schlichtes
Grab in der Stille des Waldes, für sich selbst, als Familiengrab oder
auch gemeinsam mit Freunden. Die Grabpflege für die Hinterbliebenen
entfällt, die Natur übernimmt diese und bietet dabei einen würdigen und
angenehmen Ort für die Trauernden. „Bereits bei der Planung wurde die
Bevölkerung eingebunden. Die Beschäftigung mit dem Tod ist ein oft
verdrängtes Thema. In Fußbach stieß das Projekt auf viel Zustimmung.
Zahlreiche freiwillige Helferstunden wurden geleistet“, berichtet
Gengenbachs Bürgermeister Thorsten Erny.

Auf kleinen, mit Rindenmulch bestreuten Wegen geht es bergan in den Wald. 450
Bestattungsbäume wurden im ersten Abschnitt der insgesamt rund 14 Hektar
großen Anlage mit GPS-Daten eingemessen, mit Nummern versehen und auf
einer Faltkarte vermerkt. So können die Ruhestätten entweder mit dem
Handy oder auf Papier gefunden werden. 700 Bäume werden es insgesamt
sein, wenn der zweite Abschnitt fertig ist. Bevor das Waldstück als
Ruhewald dienen konnte, musste es verkehrssicher gemacht werden. Dazu
wurden Bäume geschnitten und Unterholz entfernt. Blickachsen wurden
geschaffen. Dann wurden die Bestattungsbäume ausgesucht. „Wir haben ganz
verschiedene Bäume ausgesucht, junge und ältere, gerade und knorrige,
verwachsene, Nadel- und Laubbäume. Sogar eine Stechpalme, eine Thuja und
eine Sauerkirsche sind dabei“, erzählt Jutta Uhl vom Wald-Service
Ortenau (WSO).

„Die Idee für einen Friedwald entstand vor Jahren. Bermersbachs damaliger Ortsvorsteher Stefan Grimm trieb das
Projekt voran, suchte einen Standort und brachte die Idee in Gremien.
Leider verstarb Grimm im August überraschend mit 49 Jahren“, erzählt
Wilhelm Schrempp, Grimms Nachfolger im Amt. Stefan Grimm wurde als
Erster im Bildtann beerdigt. Das Gelände wird von der Stadt Gengenbach
zur Verfügung gestellt. Die Stadt hat auf die forstwirtschaftliche
Nutzung verzichtet und stattdessen einen Pachtvertrag mit dem WSO für
100 Jahre abgeschlossen.

Der Wald-Service wird den Ruhewald betreiben. Der Wald-Service wurde als Modellprojekt für interkommunale Zusammenarbeit nach der
Sturmholzproblematik gegründet und übernimmt kommunale Waldarbeiten.
„Ein Friedwald war für uns Neuland. Ich bin beeindruckt von dem Einsatz
der Einheimischen. Auch das Forstwirtschaftliche Ausbildungszentrum
Mattenhof hat das Projekt unterstützt. Im Sommer werden die Azubis noch
einen Übergang schaffen zur nahen Kapelle“, erklärt Kurt Weber (WSO).
Diese Kapelle wurde 1975 errichtet. Eine ältere Dame hatte in der ganzen
Region Spenden für den Bau gesammelt. Nun bietet sich die Kapelle an
als Ort der Kontemplation auch für den Ruhewald. Auf dem Gelände des
Waldfriedhofs soll später eine kleine Andachtshalle gebaut werden.

Bestattungen im Ruhewald Bildtann können frei nach den Wünschen der Verstorbenen und
Angehörigen gestaltet werden. Religiös begleitete Trauerfeiern sind
ebenso möglich wie die Wahl eines freien Trauerredners. Eine
Baumbestattung ist immer eine Urnenbestattung. Jeder Baum ist mit einem
kleinen, nach Norden ausgerichteten Schild nummeriert. Im Abstand von
2,50 Meter sind im Uhrzeigersinn zwölf Urnenplätze rund um den Stamm
verteilt. Die Asche der Verstorbenen wird in einer speziell für den
Ruhewald ausgesuchten Urne in einer Tiefe von mindestens 70 Zentimetern
bestattet. Diese Urnen sind aus biologisch abbaubarem Zellstoff – so
wird vermieden, dass Waldtiere wie Wildschweine dort graben. Auf Wunsch
kann eine kleine Tafel mit dem Namen des Verstorbenen angebracht werden.
Drei weitere Zeilen für einen beliebigen Text oder Spruch sind möglich.
Ein farbiges Etikett am Baum zeigt die Kategorie an. Rot bedeutet
Gemeinschaftsbaum, gelb Familienbaum.

Noch laufen die Vorbereitungen, damit bei der feierlichen Eröffnung am Samstag, 23.
April, 17 Uhr, (die Zufahrt ist ausgeschildert) auch alles fertig ist.
Sitzbänke und die Infotafeln müssen noch aufgestellt werden und die
Faltkarten sind noch nicht vollständig. Die zwitschernden Vögel, die
Bäume und das Aprilwetter bleiben davon ungerührt.

Autor: djä

Autor:

dtp01 dtp01 aus Achern

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