Drachenflieger Roland Wöhrle
Mit dem Storchen-Geschwader im Aufwind

Der Gutacher Roland Wöhrle mit seinem Drachenflieger
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  • Foto: Rainer Heinzel
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Gutach (henz) Der Gutacher Spitzen-Drachenflieger Roland Wöhrle (59) hat das erfolgreichste Jahr seiner Karriere hinter sich. Neben der Deutschen Meisterschaft am heimischen Kandel, hat der Kinzigtäler 2018 drei weitere Titel gewonnen. "Ein Hattrick", schwärmt Wöhrle, "und ich bin der erste, der das geschafft hat." Der leidenschaftliche Flieger ist immer wieder begeistert von seinen fliegenden Begleitern – den Störchen. Jetzt kommt aber erstmal die Winterpause.

Außer dem DM-Titel sicherte sich Wöhrle 2018 die "Deutsche Drachenflugwertung", die "Deutsche Flachlandwertung" und den "Deutschlandpokal". Alle drei Wertungen sind dezentrale Meisterschaften, die über die ganze Flugsaison dauern. Jeder Teilnehmer darf seinen Startort und seine Flugroute frei wählen. Grundlage von Wöhrles Hattrick war sicherlich sein 280-Kilometer-Rekord-Dreiecksflug vom 27. Juli. Noch zwei weitere Dreiecksflüge mit deutlich über 200 Kilometern hat Wöhrle vom Kandel aus unternommen. Diese drei sehr guten Flugtage mit kräftiger Thermik, wenig Wind, und Flughöhe bis 3000 Meter boten optimale Bedingungen.

"Bei diesen drei Flügen, die alle um die acht Stunden dauerten, hatte ich das Glück, immer rechtzeitig den nächsten Aufwind zu finden. Oft helfen Vögel bei der Thermiksuche, besonders interessant sind neuerdings Störche", erzählt Wöhrle voller Freude. Diese eleganten Flieger sind selten alleine unterwegs. Meist treffe man ein Pärchen im Aufwind, so Wöhrle. Aber auch die ganze Familie bis hin zur "Verwandtschaft mit Freunden" (Wöhrle) sind in der Luft unterwegs, so dass Drachenflieger des öfteren ganzen Storchenpulks begegnen.

"Die lassen sich von uns motorlosen Kollegen, im Gegensatz zu noch vor ein paar Jahren, meistens nicht mehr stören. Liegt es daran, dass wir weniger und die Störche mehr werden?", lacht der Gutacher. Witzig findet Wöhrle das Flugbild der Adebare. "Da wo bei den anderen Vögeln die Schwanzfedern den Körper abrunden, streckt der Storch seine langen Beine weit nach hinten raus."

Wöhrles Fliegerei ist trotz aller phantastischer Erlebnisse nicht nur das reine Zuckerschlecken. "Acht Stunden über Land zu gleiten und dabei über dreißig mal in der Thermik auf zu kreisen, mit all dem Risiko, unterwegs irgendwo landen zu müssen um dann irgendwie umständlich wieder nach Hause zu kommen, verlangen dir natürlich auch einiges ab", versichert er. Zwei bis drei Liter Wasser im Trinkrucksack, Müsliriegel im Gepäck und die ungebrochene Faszination Drachenfliegen, gepaart mit dem unbedingten Willen, wieder am Ausgangsort ein zu schweben, "wirken allerdings der aufkommenden Müdigkeit bisweilen entgegen", lacht Wöhrle.

Dann wird der Routinier nachdenklich: "Wenn die nächste Saison beginnt, werde ich 60 Jahre alt sein. Da fragt man nach der Landung nicht mehr: Wo ist die nächste Party?" Auch nach 35 Jahren, "in denen ich diesen mich begeisternden Sport ausübe, lernt man bei jedem Flug noch etwas dazu", versichert er, "die Kunst ist sicherlich, möglichst wenig von diesen Erfahrungen – positiv wie negativ – wieder zu vergessen."

Ziele hat der Spitzen-Drachenflieger immer noch: "Der Traum des 300-Kilometer-Dreiecks über Schwarzwald und Schwäbischer Alb wirken wie die Wurst vor der Nase beim Windhund-Rennen. Oder mit Rückenwind vom Kandel nach Regensburg und dann noch möglichst weiter dem Donautal entlang Richtung Österreich fliegen", sprudelt es aus dem agilen Oldie heraus. Im nächsten Jahr findet die Weltmeisterschaft in Italien statt, da möchte Wöhrle wieder dabei sein.

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