Holzschnitzer Hubert Schultis
Haslacher fertigte schon über 4.300 Masken

Auch mit 65 Jahren ist der Ruhestand für den Haslacher Holzschnitzer Hubert Schultis absolut noch kein Thema.
  • Auch mit 65 Jahren ist der Ruhestand für den Haslacher Holzschnitzer Hubert Schultis absolut noch kein Thema.
  • Foto: Rainer Henzel
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Haslach. Hubert Schultis kann sich so viele Schnitzer erlauben, wie er will – für ihn geht die Sache immer gut aus. "Ich bin Holzschnitzer aus Leidenschaft", sagt der 65-Jährige lachend, "und ich werde für meine Schnitzer sogar gut bezahlt." Ruhestand ist für ihn absolut kein Thema.
Der Haslacher bearbeitet zwar viel Holz mit seinen Schnitz-Eisen – bei Schreinern heißen sie Stechbeitel –, doch längst nicht jedes. "Bei mir kommt nur heimische Linde unters Messer", versichert Hubert Schultis Aug in Aug mit seinem neuesten Werkstück, einer Alpirsbacher Klosterhexe. Und wieder setzt der passionierte Schnitzer den Holzhammer an.

Die Späne fliegen, wenn das gerundete Stahl hineinfährt. Schultis, einer der wenigen seiner Zunft, hat sichtlichen Spaß daran, das noch unförmige Teil in Form zu bringen.
Am Ende wird er wieder eine Holz-Maske für eine der vielen Fastnachts-Zünfte präsentieren. "Das Stück kostet rund 300 Euro", erklärt der Haslacher und führt dann weiter aus: "Keine Maske ist wie die andere, jede hat einen eigenen Charakter – selbst wenn sich die Hexen, Wildsäue, Geister, Waldschrate oder was auch immer geringfügig ähneln."

Für viele Zünfte ist Schultis der "Maskenmann", der ihren Häs Gesichter verleiht – bekannt weit über das Kinzigtal. Umzüge mit Hästrägern ohne hölzerne Grimas(k)en, die von Schultis gefertig wurden, sind so gut wie undenkbar. Über 4.300 Masken hat der Kinzigtäler bisher geschnitzt. "In 38 Jahren kommt eine ganze Menge zusammen", peilt Schultis über den Schnitzer-Daumen, während er mit Gefühl die Linden-Späne von der Maske schippt, die langsam Gestalt annimmt.
Weil er nicht so viel Abfallholz produzieren will, verleimt der Schnitzer seine künftigen Masken immer wieder – ein oder manchmal auch mehrmals. Am Sau-Kopf – für die Wildsaue aus Durbach – demonstriert Hubert Schultis das Problem: "Ich muss das Werkstück aushöhlen, muss 25 Zentimeter tief in den enger werdenden Rüssel rein. Ausnahmsweise muss ich diese recht schwierige Arbeit einhändig machen."

Schweinisches Werkstück

Der Saukopf ist schwer: Das schweinische Werkstück wiegt rund fünf Kilo ohne die Höhlung, die Schultis jetzt vornimmt. "Wenn ich fertig bin mit dem Aushöhlen und Schnitzen, hat der Saukopf Dreiviertel seines Gewichts verloren", sagt Schultis. Das ist gut für die Häs-Träger – sonst würde das Gewicht ihnen den Kopf ordentlich nach unten ziehen. Jeder Eber hat seine Eigenheiten: Abgeschnittene Ohren, die Hauer werden nach Wunsch gefertigt, die Zunge hängt so raus, wie es der Hästräger wünscht.

Wieviel Festmeter – Holz wird nicht in Tonnen bemessen – Hubert Schultis schon unter dem Messer hatte, kann der Kinzigtäler beim besten Willen nicht sagen. "Es war auf jeden Fall eine ganze Menge Holz", sagt der Holzschnitzer lachend. Dem Stoff, aus dem die Holz-Gesichter sind, haftet etwas Sagenhaftes an: "Die Linden für meine Masken müssen bei abnehmendem Mond im November geschlagen werden", verrät Hubert Schultis, "dann haben sie weniger Saft und reißen auch weniger." Drei Jahre lagert das Holz dann in der Regel, bevor es der Schnitzer unter den Hammer nimmt.

In der Ortenau treiben an Fastnacht unter anderen die Oberwolfacher Schnitzpuber – dem Oberwolfacher Original Butter-Hans nachempfunden –, die Fischerbacher Waldsteinhexen, die Kirnbacher Rappensteinhexen, die Ruster Hanfrözi – Hanfgesichter – und die Offenburg-Albersböscher Waldwurze ihr Unwesen. "Die Waldwurz-Maske war mein Erstlingswerk", sagt Schultis stolz und zeigt auf den lachenden Albersböscher an der Wand. Der Waldwurz ist in guter Gesellschaft, denn wie Hubert Schultis nämlich verrät: "Von jeder Maske, die ich gefertigt habe, behalte ich die erste." Der "Maskenmann" ist ständig von Hexen, Teufeln, Wurzelseppen und anderen mehr oder weniger grausigen Gebilden umgeben.

Mit seinen 65 Jahren denkt Hubert Schultis noch lange nicht an das Aufhören und betont: "Das ist meine Leidenschaft. Nichtstun als Rentner ist nicht meine Sache!"
Rainer Henzel

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