Pfeifenmacher Steffen Müller
Rauchzeichen aus der etwas anderen Form

Steffen Müller stellt in seiner Werkstatt zwischen 40 und 60 Pfeifen einzigartige Pfeifen pro Jahr her und verkauft diese in der ganzen Welt.
  • Steffen Müller stellt in seiner Werkstatt zwischen 40 und 60 Pfeifen einzigartige Pfeifen pro Jahr her und verkauft diese in der ganzen Welt.
  • Foto: Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Hohberg. "Am nächsten Morgen hat das geschmeckt, als hätte ich mit einem Turnschuh im Mund geschlafen", erzählt Steffen Müller über seine ersten Erfahrungen mit dem Pfeiferauchen, mit dem er bereits als Jugendlicher angefangen hat. "Damals war Rauchen halt cool, aber mit Zigaretten konnte ich nichts anfangen, deshalb habe ich mir dann an einem schweizerischen Bahnhofskiosk meine erste Pfeife gekauft." Dass Steffen Müller seinen eigenen Weg geht und sich gerne auch von der Masse oder Konvention abhebt, ist sein Markenzeichen geworden, denn Steffen Müller raucht nicht nur gerne Pfeife, mittlerweile baut er auch ganz außergewöhnliche Pfeifen – außergewöhnlich in Form, Farben und Design. Was anfangs nur ein Hobby war, ist mittlerweile sein Beruf geworden. 40 bis 60 Pfeifen stellt er in seiner Werkstatt jedes Jahr her und verkauft sie in der ganzen Welt.

"Auf die Idee, selber Pfeifen zu bauen, bin ich gekommen als ich mit dem Pfeiferauchen wieder angefangen habe." Während des Biologie-Studiums sei dies ein wenig in Vergessenheit geraten, erzählt der sympathische Familienvater. "Zum Jahreswechsel 2003/04 war mein Neujahrsvorsatz wieder mit dem Pfeiferauchen anzufangen", erzählt er lachend. Und weiter: "In dieser Zeit habe ich mich in einem Internetforum mit anderen Pfeifenrauchern ausgetauscht und gesehen, dass einige ihre Pfeifen selber bauen." 2009 hat er sich Holz und ein Mundstück besorgt und innerhalb von 14 Tagen in der Werkstatt eines Freundes seine erste Pfeife gebaut. "Jedes Hobby hat so seine Eigenart. Bei den Pfeifenrauchern ist es das einmalige Anzünden und Durchrauchen der Pfeife. Das ist mir das erste Mal mit meinem Premierenstück gelungen", erzählt er stolz. Seine Pfeifen sorgten schnell für großes Raunen im Forum.

Teilnahme an Messe ist ein echter Ritterschlag

Roger Wallenstein, einer der bekanntesten Pfeifenmacher, schrieb ihn an und bot seine Hilfe an. "Er hat mir vor allem einen Tipp gegeben: 'Mach dein Ding'." Und dass Müller damit Erfolg haben sollte, zeigte sich schnell. 2010 hat er seine erste Pfeife verkauft, 2011 war er bei der weltgrößten privaten Pfeifenmesse in Chicago dabei. "Das war ein Ritterschlag. Ich hatte 18 Pfeifen dabei und habe dort alle verkauft." Seine Preise haben sich über Nacht verdreifacht.

Die optische Illusion bei seinen Pfeifen ist sein Markenzeichen. "Die meisten Ideen stammen aus der Natur." Er sei ein kreativer Mensch, sagt er über sich selbst. Das zeigt sich auch in Form und Design seiner Stücke – da gibt es springende Fische, eine Krabbe oder den Salto mortale. "Die Idee ist es, etwas anders zu machen als die Konvention. Ich möchte Dinge machen, die vorher noch niemand gemacht hat." Jede seiner Pfeifen ist ein Unikat.

Dass er erst sehr spät sein Hobby zum Beruf gemacht hat – er war rund 20 Jahre in der Verwaltung des Landratsamtes tätig –, erklärt der 55-Jährige so: "Ich war schon immer sehr designaffin, habe zum Beispiel unser Haus entworfen und den Innenausbau selbst gemacht. Diese Faszination hätte ich früher erkennen können, habe mir aber erst später die Erlaubnis gegeben, etwas anderes zu machen."

Und bei dem was er macht, verknüpft er immer auch die unterschiedlichen Ebenen. "Ich bin Synästhetiker. Jede Linie ist für mich auch ein Ton. Immer wenn ich eine Pfeife im Kopf habe, habe ich auch Musik im Kopf. Jede Pfeife hat ihren eigenen Soundtrack", erzählt er. Das Empfinden von Farben, Tönen und Formen sei ein umfassender Ansatz, um an Ästhetik ranzugehen, so Müller.

Auch bei seiner zweiten kreativen Leidenschaft, der Porträtfotografie, geht es ihm um das Besondere. "In der Fotografie will ich das Wesen des Menschen zum Vorschein bringen. Wenn Menschen in einer Tätigkeit versunken sind, die sie gerne machen, fangen sie von innen an zu leuchten. Diesen Moment will ich einfangen", erklärt er. Das hat er vor allem auf Pipeshows gemacht, woraus ein Buch entstanden ist, das reißenden Absatz in der Pfeifen-Community fand.
Auch wenn er sein Hobby bereits zum Beruf gemacht hat, hat Müller noch einen Traum, nämlich dass er seine Pfeifen einmal in einem Museum oder Galerie ausstellen kann. Den künstlerischen Anspruch erfüllen sie in jedem Fall. Matthias Kerber

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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