Busfahrplan für Kappelrodeck
Erstmals Direkt-Anbindung ins Höhengebiet

Bürgermeister Stefan Hattenbach freut sich über die neue Anbindung. | Foto: Gemeinde Kappelrodeck
  • Bürgermeister Stefan Hattenbach freut sich über die neue Anbindung.
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Kappelrodeck (st) „Alles neu macht der Mai.“ Das gilt auch für die Fahrpläne, und damit für den ÖPNV per Bus im Ortenaukreis. Im Acher- und Renchtal hagelte es zuletzt Kritik, insbesondere aus Ottenhöfen und Oppenau.

Für seine Gemeinde konnte Bürgermeister Stefan Hattenbach erreichen, dass sie durch neue, zusätzliche Verbindungen profitiert. Dennoch betrachtet Bürgermeister Stefan Hattenbach die Situation kritisch: „Wir bekommen erstmals eine Bus-Anbindung ins Höhengebiet. Werktags, samstags, sonntags und feiertags kommen wir nun um 8.40 und 13.40 Uhr ohne Umstieg innerhalb von 46 Minuten bis zum Hornisgrinde-Turm. Und um 12.05 und 18.05 Uhr gibt es täglich Direkt-Rückfahrmöglichkeiten vom höchsten Punkt der Ortenau zurück nach Kappelrodeck“, so der Bürgermeister, der selbst regelmäßig ÖPNV nutzt und auch die betreffende Linie 425 kennt. Diese Verschränkung der Buslinien mit der Achertalbahn hält er für sinnvoll und gut.

Die jetzt gefundene Struktur der Linienführung hält er für grundsätzlich stimmig, die Haupt-Verkehrsrichtung ist entlang der Tal-Achsen. Das habe nicht zuletzt auch die tälerübergreifende Verbindung mit unterdurchschnittlicher, sehr geringer Auslastung belegt. „Nichtsdestotrotz wäre neben der Stärkung der Acher- und Renchtallinien auch die Querverbindung weiter wünschenswert. Bei der Priorisierung fallen solche Linien hinten runter, und insgesamt ist die Taktung und damit das ÖPNV-Niveau im Ländlichen Raum an vielen Stellen schlichtweg mangelhaft. Auch bei der neuen Direktanbindung Kappelrodecks bleibt zu hoffe, dass man hier mit bloß zwei Fahrtenpaaren nicht viel zu kurz springt, weil die dünne Taktung die Attraktivität mindert“, so Hattenbach.

Finanzierungsmittel

Und das offenbare für ihn das eigentliche Problem und den Kern der aktuellen kreispolitischen Diskussion: Um die Ziele der Mobilitätswende zu realisieren, fehle es in Kreis und Kommunen an den erforderlichen Finanzierungsmitteln. Und bei der Verteilung der knappen Ressourcen herrsche ein Kampf: Einige kreispolitische Kräfte wollen damit die vergleichsweise wirtschaftlichen Linien weiter ausbauen, soll heißen: In urbanen Ballungsräumen die Taktung noch enger machen und mehr Busse dort auf den rentableren Strecken einsetzen, auch damit diese nicht zu voll sind. Hattenbach sieht es anders: „Mobilität ist Daseinsvorsorge. Und Aufgabe des Kreises ist es, für möglichst einheitliche Lebensverhältnisse in seinem Gebiet zu sorgen. Das heißt für mich auch: Zuerst den ÖPNV in den Gebieten ausbauen, wo er bislang nicht oder nur rudimentär vorhanden ist, und zwar mit einem annehmbaren Grund-Niveau. Und erst dann um die Sahnehäubchen kümmern. Gerade als ländliche geprägter Ortenaukreis muss das unser Credo sein. Und Bund und Land sind in der Pflicht, die Verkehrssysteme entsprechend mit Mitteln auszustatten, sonst sind System-Pannen vorherzusehen.“

Der „Modal Split“, sprich der Umstieg in Ottenhöfen, um von Kappelrodeck aus ins Höhengebiet zu kommen, war und ist für ihn übrigens ein echter Attraktivitäts-Killer für den ÖPNV. Insbesondere mit dem Fahrrad, und insbesondere durch eine „suboptimale“ Umsteigesituation.

Kritisch sieht er auch die neue Regelung zur Fahrradmitnahme: „Bislang konnten die Fahrräder auf dem Bus-Anhänger mitgenommen werden, der übrigens von den Kommunen finanziert wurde. Künftig wird es nur noch ein Gestell an der Rückwand des Busses geben, in das maximal fünf Fahrräder senkrecht hochgehoben und eingehängt werden müssen, E-Bikes müssen dazu den Akku abbauen. „Insgesamt nicht nur weniger Kapazität, sondern auch umständlicher und weniger nutzerfreundlich, ein Rückschritt in punkto Fahrradmitnahme“, so Hattenbach.

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