"Villa Europa" in Kehl wurde offiziell eingeweiht
Ein grenzüberschreitendes Abenteuer

Zerschneiden das symbolische Absperrband (von rechts): Baubürgermeister Harald Krapp, Syamak Agha Babaei (Vizepräsident der Eurométropole de Strasbourg), OB Toni Vetrano, der Straßburger OB Roland Ries und Philippe Bies (Verwaltungsratsvorsitzender der Habitation Moderne)
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  • Zerschneiden das symbolische Absperrband (von rechts): Baubürgermeister Harald Krapp, Syamak Agha Babaei (Vizepräsident der Eurométropole de Strasbourg), OB Toni Vetrano, der Straßburger OB Roland Ries und Philippe Bies (Verwaltungsratsvorsitzender der Habitation Moderne)
  • Foto: Stadt Kehl
  • hochgeladen von Christina Großheim

Kehl (st). Sie ist das erste grenzüberschreitende Wohnungsbauprojekt auf Kehler Gemarkung – und ein Stück gelebtes Europa: In der Villa Europa wohnen Franzosen und Deutsche; das Bauvorhaben wurde von der französischen Wohnungsbaugesellschaft Habitation Moderne nach deutschen Vorschriften realisiert. Im Beisein von zahlreichen Journalisten haben Vertreter der Habitation Moderne, der Eurométropole de Strasbourg und der Stadt Kehl das Gebäude am Freitag, 15. September, offiziell eingeweiht.
 
Nicht nur für die Stadt Kehl, auch für die Habitation Moderne war das Projekt „Villa Europa“ eine Premiere: Es ist das erste Bauvorhaben, das die Wohnungsbaugesellschaft auf deutschem Boden realisiert hat. Im April 2017 wurde der Bau fertiggestellt, die Gesamtkosten belaufen sich auf 12,5 Millionen Euro. Finanziert wurde das Vorhaben durch die Habitation Moderne, die Sparkasse und die französische Caisse d’Épargne.

Mit Stolz blicken Philippe Bies, Verwaltungsratsvorsitzender der Habitation Moderne, und der Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano auf das Ergebnis ihrer Kooperation: Das gemeinsame Projekt sei auch eine politische Geste, sagte Philippe Bies bei der Einweihungsfeier, es stehe für ein „konkretes, gelebtes Europa der Bürgerinnen und Bürger“. „Junge deutsche und französische Familien wohnen hier Tür an Tür und leben vor, was wir uns an diesem besonderen Ort wünschen: dass sich hier unsere Kulturen treffen und in einer Weise mischen, dass wir nicht nur die Sprache des Nachbarn verstehen und sprechen, sondern auch sein Denken nachvollziehen können“, freute sich OB Toni Vetrano. Die Villa Europa leiste „einen Beitrag zum Abbau der Grenzen in unseren Köpfen“.  Das Gebäude befindet sich in bester Lage, unweit der Kehler Innenstadt und in unmittelbarer Nähe zur Haltestelle der Tramlinie D, die bis ins Straßburger Stadtzentrum fährt.

Die Villa Europa besteht aus 48 Mietwohnungen mit zwei bis fünf Zimmern; 47 Wohnungen wurden bereits bezogen – von zwölf französischen, 20 deutschen und 15 gemischten Haushalten. Eine der bereits bezogenen Apartments konnten die Teilnehmer der Einweihungsfeier besichtigen: Der Mieter, ein Professor der Straßburger Universität, zeigte ihnen sein Zuhause, in dem er seit drei Monaten lebt. Neben den Mietwohnungen beherbergt die Villa RiWa im Erdgeschoss zwei Geschäfte, die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung e.V. sowie eine Sparkassen-Filiale. 

Der Weg bis zur Fertigstellung des Bauvorhabens sei nicht immer leicht gewesen, betonten die  Projektverantwortlichen: Die rechtlichen Normen und technischen Vorgaben in Deutschland, die sich teilweise stark von den französischen Regelungen unterscheiden, hätten der Habitation Moderne einige Male Kopfzerbrechen bereitet, erzählten  Philippe Bies und Virginie Jacob, die Generaldirektorin der Wohnungsbaugesellschaft. Als ein „ganz besonderes Vorhaben, ein grenzüberschreitendes Abenteuer“ beschrieb die Generaldirektorin das Projekt. OB Toni Vetrano erinnerte sich an die „unerwarteten Schwierigkeiten, die während der Bauphase aufgetreten sind“. „Wie so oft bei grenzüberschreitenden Projekten lagen die Tücken im Detail“, fasste er zusammen. Die Tücken, das waren etwa Unterschiede zwischen den französischen und den deutschen Normen bezüglich der Wärmedämmung, der Lärmschutzbestimmungen oder gar der Türgrößen und der Ausführung der Steckdosen. 

Trotz aller Schwierigkeiten könne man aber sicherlich behaupten, „dass wir bei der Realisierung dieses Projektes viel gelernt habe“, betonte der Kehler Oberbürgermeister, und auch der Verwaltungsratsvorsitzende der Habitation Moderne beschrieb die Zusammenarbeit als eine „bereichernde Erfahrung“. Beide Projektbeteiligten bekundeten ihr Interesse daran, weitere gemeinsame Vorhaben zu realisieren. Entsprechende Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und der Wohnungsbaugesellschaft seien bereits terminiert. Vor allem von den Erfahrungen der Habitation Moderne im sozialen Wohnungsbau könne die Kehler Stadtverwaltung profitieren, unterstrich OB Vetrano.

Für die Planung weiterer gemeinsamer Vorhaben sprach sich auch der Vizepräsident der Eurométropole de Strasbourg, Syamak Agha Babaei, aus: „Wir brauchen solche Projekte, um Europa für unsere Mitbürger greifbar zu machen“, sagte er.

Wer mehr über die Villa Europa erfahren möchte, kann sich auf der Internetseite der Stadt Kehl, www.kehl.de, ein kurzes Video anschauen, welches das Team von Stras TV im Rahmen des französischen Wettbewerbs „Trophée 2017 des Entreprises Publiques Locales (EPL)“ gedreht hat. In dem Wettbewerb hat es die Villa Europa in die Endauswahl geschafft. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 11. Oktober, in Bordeaux statt.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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