Ethan Bensinger aus Chicago besucht OB Britz
Verbundenheit mit Kehl

Ethan Bensinger (l.) bei OB Wolfram Britz

Kehl (st). Den wohl weitesten Weg, um Oberbürgermeister Wolfram Britz Glückwünsche zum Amtsantritt persönlich zu überbringen, hat Ethan Bensinger auf sich genommen: Der Nachfahre einer großen jüdischen Familie, die einst in Bodersweier und Kehl gelebt hat, ist aus Chicago angereist.

Ethan Bensinger hatte bei der Stolpersteinverlegung für seine Großtante am 12. November 2021 eine beeindruckende Rede gehalten und sich am 9. Mai zum Mittagessen nicht nur mit dem OB, sondern auch mit Bernadette Thomas von der Tulla-Realschule und Uli Hillenbrand vom Einstein-Gymnasium getroffen, die mit ihren Schülern die Stolpersteinverlegungen für seine Vorfahren begleitet hatten.

Britz-Buch "The Bensingers"

Die große Freude, Wolfram Britz zu seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister der Stadt Kehl gratulieren zu können, war Ethan Bensinger bei seinem Besuch im Rathaus deutlich anzumerken. Er ist der Familie Britz seit vielen Jahren verbunden und in enger Kooperation mit ihm hat Karl Britz ein Buch in englischer Sprache über seine Familie verfasst, das den bezeichnenden Titel „The Bensingers“ trägt.

Ethan Bensinger ging es bei seinem Kurzbesuch in Kehl auch darum, den Menschen zu danken, welche die Verlegung der Stolpersteine für seine Familienmitglieder in Kehl begleitet haben: So haben sich die Jungen und Mädchen der 9. Klasse an der Tulla-Realschule im Religionsunterricht ein halbes Jahr lang mit dem Leben und den Leidensstationen von Klara Wertheimer und Elsa Cheit auseinander gesetzt; beide Cousinen trugen den Mädchennamen Bensinger und mit beiden ist Ethan Bensinger verwandt. Er war es auch, der die Stolpersteine für die beiden Frauen angestoßen hatte.

Bei der Verlegung hatte er ein Hochzeitsbild dabei, das er von seiner Oma Ida bekommen hatte und das ihn seine Jugend über begleitet hat. Die Großmutter hatte ihm erklärt, wer auf dem Bild zu sehen ist. Die Stolpersteinverlegung für weitere Mitglieder der Familie Bensinger (Gertrud, Elsa, Louis, Karolina und Rosa) am 2. Mai 2017 in der Hauptstraße wurde von Schülern der Tulla-Realschule, des Einstein-Gymnasiums, der Wilhelm- und der Falkenhausenschule begleitet. Insgesamt 18 Stolpersteine wurden an diesem Tag ins Kehler Pflaster eingelassen – allein für die Familien Bensinger und Wertheimer, die eng miteinander verbunden sind: Elise Bensinger hatte Julius Wertheimer geheiratet.

Nur Elsa Bensinger überlebte den Nazi-Terror, konnte nach England und von dort in die USA fliehen. Fritz Wertheimer, sein Bruder Kurt sowie die Eltern Julius und Elise hatten ebenfalls Glück: Sie schafften es in Hamburg auf ein Schiff, das sie nach Argentinien brachte. Großmutter Mina wurde im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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