Standort "startkLahr"
Logistik der Zukunft kommt ohne "fünften Verkehrsträger" nicht aus

Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut stellt sich "startkLahr" der Zukunft.

Lahr (ds). Als die kanadischen Streitkräfte ihr europäisches Hauptquartier in Lahr Anfang der 90er-Jahre auflösten, setzte bereits ein erster Masterplan für die Konversion des 600 Hektar großen Flugplatzgeländes einen Fokus auf die Logistikbranche. Die äußeren Rahmenbedingungen des Areals gaben eine logistische Nutzung geradezu vor aufgrund der Lage, der Flächenverfügbarkeit, der Anbindung an die A5 sowie den Rheinhafen Kehl und der festen Überzeugung der Verantwortlichen, dass die Logistikbranche ein wichtiger Kernbereich einer prosperierenden Wirtschaftsregion sei. Heute, 26 Jahre später, ist der "startkLahr Airport & Business Park Raum Lahr" einer der bedeutendsten Logistikstandorte der Metropolregion Oberrhein, dessen Bedeutung noch weiter wachsen soll.

Von den rund 5.100 auf dem Areal Beschäftigten sind mit rund 2.630 mehr als die Hälfte in der Logistikbranche tätig, so eine Erhebung der Industrie- und Gewerbezentrum Raum Lahr GmbH (IGZ), die sich seit 1995 um die Vermarktung der Flächen kümmert, aus dem vergangenen Jahr. Rund 100 Hektar freie Flächen stehen noch zur Verfügung. "startkLahr" soll ganzheitlich und koordiniert weiterentwickelt werden, mit den Verkehrsträgern Luft, Wasser, Straße und Schiene sowie dem "fünften Verkehrsträger", der digitalen Infrastruktur per Glasfaser oder 5G. "Denn mithilfe von digitalen Technologien werden uns Möglichkeiten eröffnet, Verkehrswege zu entlasten", ist sich Geschäftsführer Markus Ibert sicher.

Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation IAO stellt sich "startkLahr" der Zukunft und hat ein Rahmenkonzept 2030 erstellt. Nachhaltig und wertschöpfend soll die Standortpolitik sein, zum Nutzen des Areals, der Stadt, des Kreises und der ganzen Region. Zu den Leitprojekten gehören die Logistik der Zukunft, ein Kompetenz-Zentrum Digitalisierung, digitale und vernetzte Infrastruktur sowie zukunftsfähige Mobilität. Was das konkret bedeutet? "Durch ein Mobilitätssystem etwa könnte man den Pendlerverkehr optimieren und Verkehrsströme bündeln", erläutert Markus Ibert. Außerdem könne man sich auf dem Areal ein Experimentierfeld für die Logistik der Zukunft vorstellen.

"Eine optimale Steuerung der Logistikprozesse, die auch horizontale und vertikale Technologien berücksichtigen, würde Verkehrsprobleme am Standort lösen und lokale Unternehmen bei der Optimierung ihrer Logistikketten unterstützen", nennt Ibert einen zentralen Punkt des Rahmenkonzepts 2030. Das könnte neue und innovative Partner anziehen, meint Ibert und verweist auf das geplante Güterverkehrsterminal (GVT).

"Lahr liegt auf der Wirtschafts-achse Rotterdam – Genua. Der Warenumschlag auf der Schiene wird wachsen und das können wir nutzen", betont Markus Ibert. 2012 ist die Stadt gemeinsam mit "startkLahr" dem Netzwerk "Code24" beigetreten, einem von der Europäischen Union geförderten Projekt, das eine Machbarkeitsstudie für ein Güterverkehrsterminal in Auftrag gegeben hat. Mit dem Abschluss von "Code24" hat man sich entlang der Strecke 2016 zu einem Konsortium zusammengeschlossen und Überlegungen angestellt, wie ein GVT der Zukunft aussehen könnte.

Derzeit wird das EU-geförderte European Rail Freight Line System (ERFLS) erforscht. "Ich nenne es gern den Güter-ICE", sagt IGZ-Geschäftsführer Markus Ibert. Lahr könnte neben Rotterdam, Arnheim, Ludwigshafen, Basel oder Novara einer von mehreren leistungsfähigen und smarten Terminalstandorten sein. Bisher dauere es vier bis acht Stunden, bis ein Zug be- und entladen sei. "Im neuen Güterverkehrsterminal verkürzt sich die Zeit auf zwei bis drei Stunden", informiert er.

Allerdings sei ein solches GVT an den Bau des dritten und vierten Gleises der Rheintalbahn gebunden. Mit der Ansiedlung eines Güterverkehrsterminals werde der LKW-Verkehr zwar um bis zu fünf Prozent zunehmen, allerdings direkt auf die Autobahn abfließen. "Das bedeutet, dass wir den dreispurigen Ausbau der A5 brauchen", betont Ibert. Den GVT-Kritikern will er schon heute Wind aus den Segeln nehmen: "Ein Container, der etwa in Seelbach geladen wird, fährt durch Lahr, ob mit oder ohne Güterverkehrsterminal."

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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