• 10. Juli 2018, 17:06 Uhr
  • 13× gelesen
  • 0

40 Jahre Nachbarschaftshilfe Lahr
Leiterin Silvia Bainczyk im Interview

Silvia Bainczyk
Silvia Bainczyk (Foto: privat)

Lahr (ds). Seit 40 Jahren unterstützt die Nachbarschaftshilfe Lahr als ökumenischer, gemeinnütziger Verein alte, kranke, einsame oder behinderte Menschen. Am Sonntag, 22. Juli, wird um 10.15 Uhr das Jubiläum mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche und einem anschließenden Empfang im benachbarten Denkmalhof gefeiert. Im Interview berichtet Leiterin Silvia Bainczyk von der Arbeit der Nachbarschaftshilfe, die derzeit mit mehr als 160 Helfern bei mehr als 300 Hilfeempfängern im Einsatz ist.

Wie kam es vor 40 Jahren zur Gründung der Nachbarschafthilfe?
Die Nachbraschaftshilfe Lahr wurde am 6. September 1978 federführend von Pfarrer Paul Schäufele,  Pfarrer Rüdiger Bohnenkamp und Helene von Heyl auf einer ökumenischen Basis unter dem Motto „Menschen helfen Menschen“ gegründet. Nachbarn im früheren Sinn gehörten schon damals der Vergangenheit an. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels waren Frauen vermehrt berufstätig, Kinder zogen aus dem Elternhaus aus. Ältere, alleinstehende sowie hilfebedürftige, kranke Menschen waren zunehmend isoliert. Hier Abhilfe zu schaffen und Vereinsamung entgegenzuwirken, war das Ziel der Gründungsmitglieder.

Wie hat sich seither die Arbeit verändert?
Grundlegend verändert hat sich die Anzahl der Hilfeanfragen und glücklicherweise auch die Anzahl der Helfer. Waren in der Anfangszeit nur wenige Personen bei wenigen Menschen im Einsatz, so bekommen wir heute mehr Anfragen als wir bewältigen können. Anfangs wurden die Aufwandsentschädigungen an die Helfer bar ausgezahlt. Bei der jetzigen Helferanzahl wäre das nicht mehr möglich. Als die damalige Leiterin Karin Ganter vor 15 Jahren die Kochgruppe der Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen hat, brachte dies eine große Veränderung mit sich. Größere Räumlichkeiten und Fahrzeuge mussten beschafft werden. Mit der Einführung der Pflegeversicherung wurden Leistungen der Nachbarschaftshilfe in geringem Umfang von den Pflegekassen übernommen. Dies hat sich seit Anfang des Jahres 2017 deutlich verändert, da mit der Einführung des sogenannten Entlastungsbetrags deutlich mehr Einsätze direkt mit der Pflegekasse abgerechnet werden. Damit einhergehend hat sich aber der Bürokratieaufwand massiv erhöht.

Wo liegen heute die Schwerpunkte?
Bei den meisten Hilfeanfragen steht der Bedarf an hauswirtschaftlicher Unterstützung im Vordergrund, meistens verbunden mit betreuenden Anteilen. Viele ältere Menschen leben allein. Wenn jemand kommt, um im Haushalt zu unterstützen, ist die Kommunikation der älteren Menschen mit den Helfern von zentraler Wichtigkeit. Da wird dann manchmal zuerst miteinander Kaffee getrunken und geredet, bevor die Hausarbeit beginnt. Oft angefragt werden zudem Begleitdienste, zum Arzt, zum Einkaufen oder Betreuungsdienste für demenzkranke ältere Menschen, wenn die Angehörigen einfach mal ein wenig Zeit für sich benötigen. Wir bieten auch stundenweise Besuchsdienste im Pflegeheim an.

Worin liegt hierbei die besondere Herausforderung?
Für die Helfer liegt die Herausforderung darin, sich auf ganz unterschiedliche Menschen mit ihren alters- und gesundheitsbedingten Einschränkungen und individuellen Bedürfnissen einzustellen.

Wenn die Nachbarschafshilfe Lahr einen Wunsch frei hätte, dann....
... würden wir uns eine Verringerung des bürokratischen Aufwands wünschen sowie noch mehr Menschen, die sich bei uns engagieren möchten.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt