Lahrer Kultfigur Kreidlinger
Steffen Siefert ist für seine Skurrilität bekannt

Steffen Siefert ermittelt als Kommissar Kreidlinger in der Amtsstube von Märzenbach. Auch im wahren Leben ist er Polizist. | Foto: Michael Bode
  • Steffen Siefert ermittelt als Kommissar Kreidlinger in der Amtsstube von Märzenbach. Auch im wahren Leben ist er Polizist.
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Lahr. "Ich stelle mir schon lange die Frage, inwieweit die Kunstfigur doch mit der Realität übereinstimmt", gesteht Steffen Siefert, den die meisten Lahrer wohl besser als Kreidlinger kennen – jenen skurrilen Kommissar, der zusammen mit seinem nicht minder eigentümlichen Helfer Bäuerle alias Alexander Dupps echten Kultstatus genießt. Schon seit Jahren geht das fiktive Ermittler-Duo in Märzenbach – einer Kleinstadt zu Zeiten der Badischen Revolution und Lahr zum Verwechseln ähnlich – in Hörspielen und Filmen auf Verbrecher-Jagd. Der 39-Jährige ist auch im echten Leben Kriminalbeamter und schon seit einigen Jahren bei der Kripo tätig. "Meine Selbstwahrnehmung reicht aber nicht aus, um diese Frage abschließend zu beantworten", sagt Siefert, der sich dabei ein verschmitztes Grinsen nur schwerlich verkneifen kann. "Den Rückmeldungen zufolge müssen Gemeinsamkeiten aber schon vorhanden sein", räumt Steffen Siefert ein.

Wer genauer hinschaut, dem bleiben die Unterschiede zwischen beiden allerdings nicht verborgen. So ist Kreidlinger zum Beispiel eindeutig der Dienstältere: Schon während Sieferts Schulzeit ermittelten Kreidlinger & Bäuerle in ihrem ersten Fall – damals noch in einer Art Rollenspiel im Lahrer Jugendclub "Ramsch". "150 Jahre Badische Revolution beschäftigten uns zu der Zeit mit verschiedenen Projekten in der Schule", erinnert sich Siefert an die Anfänge. Alexander Dupps und er selbst waren damals schon das perfekte Duo, waren geschichtlich interessiert, mochten 60er-Jahre-Musik und waren im Jugendclub engagiert und bereits für ihre Skurrilität bekannt. Wenn sie im "Ramsch" an der Reihe waren, Musik aufzulegen, so kamen die anderen nicht, weil sie die veralteten Songs toll fanden, "sondern weil sie ihre Sensationslust befriedigen wollten". Und genauso war es auch bei der ersten Aufführung von Kreidlinger & Bäuerle im Club: "Man hat unseren Quatsch als Ereignis gesehen", so Siefert. 

Der lange Weg vom Hörspiel zum Film

Der erste Gedanke, das Rollenspiel auch zu verfilmen, scheiterte aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten. "Die schräge Idee, ein völlig aus der Mode gekommenes Hörspiel aufzunehmen, gefiel uns aber auch." Im Keller des ehemaligen Reichswaisenhauses nahmen Siefert und Dupps um die Jahrtausendwende schließlich ihr erstes Hörspiel auf, Premiere wurde natürlich im "Ramsch" gefeiert. "Wir haben extra drumherum eine Party veranstaltet, damit die Leute auch kamen", erzählt Steffen Siefert. Später wurden die Hörspiele mit Dias unterlegt. "2004 fragte der Kulturkreis Lahr bei uns an, ob wir nicht mal bei ihnen im Stiftsschaffneikeller aufführen wollen." Von Mal zu Mal war der Publikumsandrang größer, so dass man 2007 gern die Möglichkeit ergriff, in den Schlachthof umzuziehen. 2009 dann der nächste Schritte: Aus dem Hörspiel wurde der erste Film. "Bei einer Party hatte ich eine Schweizer Regisseurin kennengelernt. Zwei Jahre haben wir zusammengearbeitet, dann haben wir gemerkt, dass unser Skurrilitäts-Faktor besser rüberkommt, wenn wir alles selber machen." Mittlerweile ermitteln Kreidlinger & Bäuerle schon in ihrem sechsten Leinwand-Fall, der nach der traditionellen Premiere an Weihnachten im Schlachthof am kommenden Mittwoch, 9. Mai, um 20 Uhr im Stiftsschaffneikeller noch einmal zu sehen sein wird.

Ganz im Gegensatz zum realen Arbeitsleben von Steffen Siefert, entspringen die Kriminalfälle in Märzenbach der puren Fantasie. "Wir legen überhaupt keinen Wert auf eine realistische Darstellung, weswegen ich es für ausgeschlossen halte, dass irgendjemand einen Bezug zur Realität herstellt", betont er. Die Ideen fußen beispielsweise auf Sherlock Holmes, Edgar Wallace, dem Leben von Christian Wilhelm Jamm oder einer Novelle von Heinrich Hansjakob, immer vermischt mit aktueller Lahrer Politik. Dass Steffen Siefert der Kommissar und Alexander Dupps nur der Helfer ist, hat sich dabei einfach ergeben. "Wahrscheinlich war ich schon immer die etwas dominantere Person", stellt Siefert fest. Derzeit arbeitet er am Drehbuch für einen neuen Film. Wenn der Dreh dann wie geplant im Sommer ansteht, muss seine dreijährige Tochter eine Woche lang auf ihren Papa verzichten. Danach gehört seine Freizeit aber wieder ganz ihr.Daniela Santo

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