Die Ihringer Ölstampfe
Einblicke in Oberkirchs prämierte Bauwerke

Die Mannschaft des Vereins „Oberkirch-Alte Stadt e.V.“: Stephan Zillgith (v. l.), Günther Sauer, Ludwig Schweiger, Franz Dengler, Rudolf Hans Zillgith, Hermann Braun, Lorenz Kimmig und Florian Braun  | Foto: Denise Burkart/Stadt Oberkirch
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  • Die Mannschaft des Vereins „Oberkirch-Alte Stadt e.V.“: Stephan Zillgith (v. l.), Günther Sauer, Ludwig Schweiger, Franz Dengler, Rudolf Hans Zillgith, Hermann Braun, Lorenz Kimmig und Florian Braun
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Oberkirch (st) Mit dem Ziel, die regionale Baukultur Einwohnern wie Touristen gleichermaßen näherzubringen, rief der Verein Bauwerk Schwarzwald mehrere Architekturrouten durch das gesamte Schwarzwaldgebiet ins Leben. Alle 95 ausgezeichneten Bauwerke verbindet eine Gemeinsamkeit: Das harmonische Zusammenspiel von Tradition und Moderne. In Oberkirch wurden für diese beispiellose Kulturarbeit insgesamt sechs Gebäude ausgezeichnet. 

Geschichte entlang des Mühlbachpfades

In sanften Kurven schlängelt sich der Oberkircher Mühlbach durch Oberkirch und prägt vom Schwimmbad bis zur Ölmühle Walz das Gesicht der Großen Kreisstadt. Als wichtige Lebensader siedelten über die Jahrhunderte zahlreiche Gewerbe an seinen Ufern. Darunter auch die Vorgänger der heutigen Ihringer Ölstampfe, mit der dank des engagierten Einsatzes vieler ehrenamtlicher Helfer entlang des Lohmühlpfades ein Stück Geschichte und Handwerkskunst bewahrt blieb. Bis in das Jahr 1830 reichen die Ursprünge des Grundstücks zurück, welches damals noch für die Bleicherei von Augustin Schappacher genutzt wurde. Im Jahr 1883 erbaute der Bleicher August Ihringer auf diesem Gelände eine Ölmühle und damit den Vorgänger der heutigen Ölstampfe. Über viele Jahre trieben das traditionelle Wasserrad und ab 1924 ein Motor den Mühlbetrieb an, der neben klassischem Tafelöl auch Mohn-, Raps, Nuss- und andere Öle produzierte. Bis zum Erwerb des gesamten Grundstücks durch die Firma Koehler Paper im Jahr 2003, blieb es im Besitz der Familie Ihringer. Im Zuge des Kaufs sowie des Baus der Fußgängerverbindung von der Bismarckstraße zum Lohmühlweg wurden die alten Bleichereigebäude schließlich abgerissen und die flussabwärts entstandene Fläche samt Ölmühlgebäude 2014 dem Verein „Oberkirch – Alte Stadt e.V.“ geschenkt.

Alte Tradition zum Leben erwecken

Dieser machte es sich zur engagierten Aufgabe, das historische bedeutsame Ölmühlgebäude wieder instand zu setzen. Während die marode Fachwerkaußenhülle und das Dach des Gebäudes auf Grund mangelnder Tragfähigkeit entfernt werden mussten, konnte das Herzstück, die historische Holzstampftechnik zu Teilen gerettet werden. Mit der finanziellen Unterstützung der Stadt Oberkirch und der Sparkassenförderung, der technischen Instandsetzung des Motors durch die Stadtwerke Oberkirch GmbH, der Expertise von Architekt Lorenz Kimmig und zahlreichen fachkundigen Handwerkern, die unter anderem auf den Vogtsbauernhöfen Erfahrungen gesammelt haben, wurde das Gebäude schließlich als großes Gemeinschaftswerk wiederaufgebaut. Dabei war dem Verein eines besonders wichtig: Die ursprüngliche Handwerkskunst so genau wie möglich nachzustellen. Innerhalb von vier Jahren wurde das Mühlgebäude mit Holznägeln, Zapfen und Lehmwänden in traditioneller Zimmermannstechnik zum Leben erweckt. „Die Bauweise des Gebäudes ist faszinierend. Mit einfachen Dingen wurde früher Großes geleistet“, schwärmt Zimmermeister Florian Braun der den Umbau gemeinsam mit seinem Vater Hermann Braun federführend durchführte. Seit 2018 erstrahlt das Gebäude in neuem, altem Glanz und wurde zu einem unverzichtbaren und mittlerweile viel besuchten Teil des touristischen Mühlbachpfades. Heute produziert der Verein „Oberkirch – Alte Stadt e.V.“ mit der nahezu 150 Jahre alten Holzstampftechnik wieder in traditioneller Weise Öl aus Walnüssen. Die Stampfe ist an allen Tagen für Besucher kostenfrei geöffnet. Spenden sind herzlich willkommen.

Weitere Informationen zu den Bauwerken sowie den Architekturrouten sind auf der Homepage des Bauwerk Schwarzwalds unter www.bauwerk-schwarzwald.de abrufbar.

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