Ethikberatung Pallimed Ortenau e.V.
Hilfe bei schwieriger Entscheidung
- Oliver Herrmann und Petra Brandt von Pallimed Ortenau e. V.
- Foto: gro
- hochgeladen von Christina Großheim
Offenburg Keine Entscheidung ist so schwerwiegend, wie die über Leben und Tod. Und doch muss sie manchmal von Menschen getroffen werden. "In Krankenhäusern gibt es Ethikkomitees, die zu Rate gezogen werden", schildert Dr. Oliver Herrmann, Internist und Palliativmediziner sowie niedergelassener Hausarzt in Offenburg. Doch auch im ambulanten Bereich gebe es immer wieder schwierige Situationen.
Den Verein Pallimed Ortenau e. V. gibt es bereits seit 2006. Ziel der Gründung war es, ein Netzwerk im Bereich Palliativ- und Hospizwesen zu schaffen. Unter diesem Dach wird seit drei Jahren eine außerklinische Ethikberatung angeboten. Nicht nur Ärzte gehören dem Team an: Unter den 14 Mitarbeitern sind Seelsorger, Sozialarbeiter, Rechtspfleger, Hospizmitarbeiter und Pflegekräfte. "Alle bringen entsprechende Vorkenntnisse mit, wir haben zusätzliche Schulungen an der Akademie für Ethikberatung in der Medizin absolviert", erklärt Dr. Petra Brandt, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Medizinjournalistin.
"Wir werden von Hausärzten angefragt, aber auch von gerichtlichen Betreuern", sagt Dr. Herrmann. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Patient weitere lebenserhaltende Maßnahmen erhalten soll oder nicht. "Dabei handelt es sich um schwere Konfliktsituationen in der Familie. Angehörige können oft nicht über Leben oder Tod eines geliebten Menschen entscheiden", erklärt Dr. Brandt.
Das Team der Ethikberatung bietet für solche Fälle eine objektive Beratung und Empfehlung – ohne eine emotionale Bindung zu den Betroffenen zu haben. "Auch Ärzte oder Pflegepersonal bauen solche Bindungen auf", stellt Dr. Herrmann fest. Die Empfehlung, die ausgesprochen wird, ist nicht bindend. "Oftmals sind die Betroffenen dankbar und froh für unsere Beratung", sagt Petra Brandt. Bislang seien alle ausgesprochenen Empfehlungen auch angenommen worden.
Die Beratung ist ehrenamtlich und die Berater unterliegen der Schweigepflicht. Wenn eine Empfehlung gewünscht wird, wird der Fall geschildert. Innerhalb der Ethikberatung wird der Fall vorbesprochen. "Es entscheidet nie einer allein. Wir arbeiten im Team von drei bis vier Personen", beschreibt Oliver Herrmann die Vorgehensweise.
Konflikte klären
"In diesen Vorbesprechungen geht es darum, den eigentlichen ethischen Konflikt zu erkennen", so Hermann. Dabei werden folgende Fragen gestellt: Wie kann den Beteiligten am besten wohlgetan und nicht geschadet werden? Was will der Betroffene? Wie sehen die berechtigten Interessen Dritter – beispielsweise des Pflegeteams oder der Angehörigen aus – aus? "Wir beziehen alle ein, um zu einer Empfehlung zu kommen", schildert Petra Brandt. Zudem werde ein Protokoll erstellt. "Die Betroffenen sagen uns oft, es sei gut gewesen, alles auszusprechen", zieht Petra Brandt ein positives Fazit.
Die Fälle, wann eine Ethikberatung sinnvoll ist, sind vielfältig: am Ende einer langen schweren Krankheit, nach einem schweren Unfall, aber auch am Beginn eines Lebens. "Es gibt Fälle, in denen schon vor der Geburt klar ist, dass das Kind nicht lange leben wird", erläutert die Gynäkologin. Für Eltern eine sehr belastende Situation. GRO






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