"HanseMerkur-Preis"
Unterstützung für Geschwisterkinderspielstube

Team der Geschwisterspielstube im Elternhaus Freiburg: Miriam Salm (v. l.), Anneka Haigis, Sabine Beißwenger
  • Team der Geschwisterspielstube im Elternhaus Freiburg: Miriam Salm (v. l.), Anneka Haigis, Sabine Beißwenger
  • Foto: Christina Dages/Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg e. V.
  • hochgeladen von Christina Großheim

Freiburg (st). Die Krebserkrankung eines Kindes ist ein tiefgreifender Eingriff in das Familienleben. Plötzlich stehen die Ungewissheit über den Verlauf der Krankheit und die Genesungschancen, der drohende Verlust, die oft massive Behandlung mit Chemotherapie und die alltägliche psychische Belastung beim Umgang mit dem erkrankten Kind im Mittelpunkt der elterlichen Sorge. Zu kurz kommen oft die Geschwister. Diese erfassen die dramatische Situation schnell und passen sich den Umständen an: stellen ihre Bedürfnisse zurück, funktionieren, um die Eltern nicht noch mehr „zu stressen“, helfen, wo sie können, und verpassen so oftmals ihre eigene Kindheit. Um die Familiensituation zu entlasten, schuf der Förderverein für krebskranke Kinder e.V. in Freiburg bereits vor 40 Jahren erste Wohnmöglichkeiten in der Nähe der Uniklinik und sorgt seither nicht nur dafür, dass erkrankte Kinder in hohem Maße durch ihre Eltern begleitet werden können, sondern hat auch die Bedürfnisse der Geschwisterkinder im Blick.

Bereits kurz nach der Anmietung erster Wohnräume richtete der Förderverein vor diesem Hintergrund die Geschwisterspielstube Regenbogen ein. Es folgte die Eröffnung des ersten Elternhauses im Jahr 1995. Das „Karl-Günther-Haus“ wurde weitere zehn Jahre später um einen Anbau, das „Haus Ortenau“, erweitert und verzeichnet pro Jahr rund 18.000 Übernachtungen. Die acht Vorstandsmitglieder des Vereins wissen, wovon sie reden, wenn sie über Rooming-In und die Geschwisterspielstube sprechen. Sechs von ihnen haben selbst Kinder, bei denen Krebs diagnostiziert wurde. „Die Diagnose reißt die Familien völlig unvorbereitet aus dem Alltag und stellt sie vor große emotionale, organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Gleichzeitig sind die Angehörigen eine unverzichtbare Stütze für das kranke Kind. Die familiäre Situation hat daher unmittelbare Auswirkung auf das Wohnbefinden des Kindes und den Behandlungserfolg“, sagt Johannes Bitsch, Vorstand des Vereins.

Im Elternhaus Freiburg werden jedes Jahr rund 1.000 Familien beherbergt. Einige bleiben nur wenige Tage, andere Wochen, manche sogar für Jahre. Das Angebot ist für die Eltern kostenlos, einen kleinen Teil übernehmen die Krankenkassen, der Rest wird aus Spenden finanziert. Das Elternhaus ist ein Ort der Geborgenheit, ein zweites Zuhause, in dem die Familien in ihren schwersten Stunden von einem erfahrenen, multiprofessionellen Team aufgefangen werden.

Die Geschwisterkinder begleiten die Eltern in der Regel. Doch das bedeutet den Wechsel der Schule oder des Kindergartens, den zeitweiligen Verlust von Freunden und Spielgefährten sowie Angst und Sorge um den erkrankten Bruder oder die Schwester. Umso bedeutsamer ist es für die Geschwister, dass sie ihre Freizeit in der Geschwisterspielstube Regenbogen verbringen dürfen. Hier betreuen Pädagoginnen und Kunsttherapeutinnen Geschwisterkinder im Alter von null bis 16 Jahren in täglich wechselnden Gruppen und unterstützen die Familien auch in Krisen- und Palliativsituationen.

Die Mitarbeiterinnen sind speziell für diese besondere Situation ausgebildet. Die Sorge um den kranken Bruder oder die Schwester, die überforderten Eltern in Verbindung mit der übermächtigen Angst, Bruder oder Schwester zu verlieren, belasten sehr. Die Geschwister möchten helfen und begreifen schnell, dass ihr einziger sinnvoller Beitrag sein kann, zu funktionieren, nicht zu einer zweiten Belastung zu werden und „lieb“ zu sein. Umstände, die viele Kinder verhaltensauffällig werden lassen. Genau dann ist die Betreuung durch das geschulte Personal in der Geschwisterspielstube „Regenbogen“ besonders wichtig. Durch intensive, achtsame, fürsorgliche und situationsbezogene Betreuung gelingt es, die seelischen Nöte der „gesunden“ Geschwister zu erkennen und gezielt aufzuarbeiten. Verhaltensbeobachtungen, Rollenspiele und individuelle Einzelbetreuungen gehören genauso zum Werkzeug der Pädagoginnen wie spiel- und kunsttherapeutische sowie erlebnispädagogische Angebote für die Kinder und Jugendlichen. Zudem bietet die Geschwisterspielstube regelmäßig Veranstaltungen für trauernde Geschwister an.

Anneka Haigis, Leiterin des Regenbogenteams, beschreibt den Alltag wie folgt: „Es ist tagtäglich eine Herausforderung, allen Kindern gerecht zu werden. Von der Versorgung der Kleinsten bis zur Hausaufgabenbetreuung, von der Organisation von Kinobesuchen bis zu vielen, vielen Gesprächen machen wir alles. Im Sommer veranstalten wir regelmäßig Ferienfreizeiten, um so viel Normalität wie möglich in das Leben der Geschwisterkinder zu bringen.“

Gleichzeitig schaut man in Freiburg nach vorne. Die Kinder- und Jugendklinik Freiburg wird neu gebaut, weshalb der Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Freiburg i.Br. auch ein neues Elternhaus baut – wieder nur wenige Schritte neben der Klinik, damit die Eltern auch in Zukunft wieder in unmittelbarer Nähe zu ihrem kranken Kind untergebracht sind. Der Rohbau des neuen Elternhauses feierte gerade Richtfest. Im Jahr 2023 soll der Umzug erfolgen, parallel mit dem Umzug der Klinik. Dann wird auch die Geschwisterspielstube „Regenbogen“ die Kinder in den neuen Räumen empfangen.

„Das Thema Rooming-In und eine Studie, die die HanseMerkur dazu bereits 1979 beauftragte, führten in der Folge nicht nur zur Entwicklung neuer Krankenversicherungsangebote, sondern legten auch den Grundstein für den 'HanseMerkur Preis' für Kinderschutz“, erläutert Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur, den besonderen Bezug zum Thema. „Dass der Förderverein mit seinem Ansatz einen Schritt darüber hinausgeht, ist sehr unterstützenswert.“

Der Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Freiburg i. Br. mit der Geschwisterspielstube „Regenbogen“ widmet sich einem Themenfeld, welches beim klassischen Rooming-In nicht berücksichtigt wird. Mit viel Engagement, Empathie und fachlichem Know-how hilft er den Geschwisterkindern der betroffenen Familien.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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