Geschäftsführer Agentur für Arbeit
Verunsicherung in Ausbildungsfragen

Horst Sahrbacher gibt eine Zwischenbilanz zur aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt.
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Ortenau. Die Vermittlung zwischen Betrieben und Unternehmen als Anbieter von Ausbildungsstellen und den Schulabgängern fungiert vielfach die Agentur für Arbeit. Rembert Graf Kerssenbrock sprach mit Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Wie schätzen Sie angesichts der Corona-Pandemie die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt ein?
Der Ausbildungsmarkt ist zum jetzigen Zeitpunkt von den Auswirkungen der Corona-Krise auf das Wirtschaftsleben insofern geprägt, als mit dem Shutdown natürlich auch die Aktivitäten in diesem Bereich auf Eis liegen. So konnten zum Beispiel Vorstellungsgespräche oft nicht stattfinden, Bewerbungsschreiben blieben oft unbeantwortet, Einstellungszusagen wurden zurückgehalten. Einige Unternehmen sind zudem verunsichert und warten mit einer Entscheidung, ob sie dieses Jahr Auszubildende einstellen, noch ab. Wünschenswert wäre, wenn die Unternehmen, sobald sie dazu in der Lage sind, den Jugendlichen eine Rückmeldung geben. Aber es wird auch eine Zeit nach den derzeitigen Einschränkungen geben. Und wir wissen alle, dass viele Unternehmen gut ausgebildeten Nachwuchs benötigen – auch nach Covid-19. Unternehmen haben jetzt die Chance mit dem Abschließen von Ausbildungsverträgen den Jugendlichen Zukunftsperspektiven zu geben.

Wie sieht die Zwischenbilanz der bisher gemeldeten offenen Lehrstellen aus?
Da die vorliegenden Daten die Ausbildungsmarktlage bis zum Stichtag 12. März widerspiegeln, können wir zum jetzigen Zeitpunkt die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Nachfrage nach Auszubildenden noch nicht zuverlässig abbilden. Seit Beginn des Berufsberatungsjahrs im Oktober 2019 wurden über den Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Offenburg bis 12. März 2020 insgesamt 2.739 freie Ausbildungsplätze akquiriert. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 1.819 Berufsausbildungsstellen unbesetzt. Am häufigsten waren Ausbildungsstellen gemeldet für angehende Kaufleute im Einzelhandel (160) sowie Industriekaufleute (116) und Industriemechaniker mit 113 Ausbildungsangeboten

Welche Auswirkungen hat die weit verbreitete Kurzarbeit auf das kommende Ausbildungsjahr?
Eine Prognose und ein Ausblick für das aktuelle Ausbildungsjahr ist aufgrund der Einflüsse der Pandemie und den dadurch veränderten Rahmenbedingungen sehr schwer. Unser Arbeitgeber-Service kontaktiert aktuell die Firmen, um zu klären, welche Ausbildungsstellen im Betrieb noch zu besetzen sind. Aufgrund der absehbaren demografischen Entwicklung sind die Firmen nach meiner Einschätzung auch weiterhin gut beraten, auf die Ausbildung zu setzen.

Sind Azubis auch von Kurzarbeit betroffen?
Die Einbeziehung von Auszubildenden in die Kurzarbeit ist nach geltender Rechtslage möglich. Allerdings sollte im Betrieb alles Zumutbare versucht werden, um die Ausbildung nicht zu unterbrechen. Ist dennoch die Kurzarbeit für Auszubildende unvermeidbar, hat der Auszubildende zunächst für die Dauer von sechs Wochen Anspruch auf Fortzahlung der Vergütung. Im Anschluss daran kann Kurzarbeitergeld bezahlt werden. Wie viele Betriebe am Ende tatsächlich Kurzarbeit realisieren und in welchem Umfang Auszubildende betroffen sind, können wir erst genau sagen, wenn die Kurzarbeit abgerechnet wird. Unsere Aktivitäten sind zurzeit darauf ausgerichtet, die Firmen zu beraten, die Anträge mit den Abrechnungslisten einzureichen, damit eine schnelle Auszahlung des Kurzarbeitergelds erfolgen kann.

Erwarten Sie, dass der Berufsstart mit dem Ausbildungsjahr wie üblich starten kann?
Wir gehen nicht davon aus, dass sich der reguläre Beginn der Ausbildung verschieben wird.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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