Die Ortenau ist vorbereitet
Angst vor Afrikanischer Schweinepest

Schweinezüchterin Judith Wohlfarth hätte bei einem Ausbruch mehrere Maßnahmen parat, um ihre Tiere zu schützen.
  • Schweinezüchterin Judith Wohlfarth hätte bei einem Ausbruch mehrere Maßnahmen parat, um ihre Tiere zu schützen.
  • Foto: Sebastian Thomas
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Ortenau (set). Schweinezüchterin Judith Wohlfarth vom Hofgut Silva in Hesselbach tritt auf eine Lichtung tief im Wald. Sie pfeift, erst passiert nichts. Dann erhebt sich ein lautes hörbares Grunzen, Hufgetrappel durch das Laub und da sind sie auch schon: englische Zuchtschweine der Rasse Berkshire. Neugierig kommen sie näher und beschnüffeln die beiden Zweibeiner ausgiebig.
So zutraulich die Schweine, so ernst der Hintergrund des Besuchs: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist laut einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg wenige hundert Kilometer von Deutschland entfernt in Belgien ausgebrochen.

Keine Gefahr für Menschen

Auf die Frage, ob Judith Wohlfarth beunruhigt ist, antwortet sie: "Man denkt darüber stärker nach. Immerhin ist die Krankheit hoch ansteckend und die Gefahr da." Wie der Name der Krankheit schon sagt, sind Schweine die Leidtragenden: "Das ASP-Virus ist ausschließlich für Wild- und Hausschweine – auch sogenannte Minipigs oder Hängebauchschweine – gefährlich", erklärt Jürgen Wippel, stellvertretender Pressesprecher des Verbraucherschutzministeriums Baden-Württemberg. Keine Gefahr hingegen bestehe für den Menschen und andere Tierarten.

Dennoch, eine Sorge bleibt: Besonders die wilde Entsorgung virushaltiger Lebensmittel, wie Salami oder Rohschinken, entlang der Fernstraßen oder das Verfüttern von Speiseabfällen an Hausschweine bergen laut Jürgen Wippel ein großes Risiko, dass der Erreger nach Deutschland eingeschleppt werden kann.

Infiziertes Wildschein

Um zu verhindern, dass die ASP auch in Deutschland ausbricht, hat das Land nun den Ernstfall geprobt. In der Ortenau waren neben Experten aus den Bereichen Veterinärwesen, Jagd und Forst, auch Vertreter der Landwirtschaft sowie des Katastrophenschutzes an einer Übung beteiligt. Das Szenario war denkbar einfach: Was ist zu tun, wenn ein verendetes infiziertes Wildschein von Menschen gefunden wird? Dieser Fall würde laut Mitteilung der RP unter anderem ein generelles Jagd- und auch Ernteverbot in der Kernzone des Fundes nach sich ziehen. Von einem Verbot für Spaziergänge am und um den Fundort herum ganz zu schweigen.

Das Ergebnis der Übung fasst Padraig Elsner, Pressesprecher des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, folgendermaßen zusammen: "Das Land ist auf den Ernstfall gut vorbereitet." Den Landwirten empfiehlt Padraig Elsner, klassische Maßnahmen der Stallhygiene zur Vorbeugung: "In die Ställe darf kein unautorisiertes Personal gelangen." Außerdem sollten die Bauern ihre Fütterungsstätten vor Wildschweinen schützen. "Darüber hinaus ist ein hohes Maß an Hygiene wichtig", sagt er. Angesprochen auf den Ernstfall, antwortet er: "Der wirtschaftliche, finanzielle Schaden für den betroffenen Landwirt wäre immens." Jürgen Wippel präzisiert: "In dem Betrieb müssten alle Schweine getötet und deren Körper unschädlich beseitigt werden."

Desinfektionsbecken

Wenn die Seuche dennoch in der Ortenau ausbricht, ist Judith Wohlfarth vorbereitet: "Am Eingang des Hofes haben wir ein Desinfektionsbecken. Da müsste jedes Fahrzeug durchfahren", erklärt sie. "Wir würden den Hof komplett absperren und die Schweine würden in den Stall kommen." Doch solange bleiben sie draußen im Wald und das soll, nach dem Wunsch der Schweinezüchterin, auch so bleiben.

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