Angst vor dem Terror
Der Psychologe erklärt

Polizisten kontrollieren am Hauptbahnhof in Kehl die Tram aus Richtung Straßburg.
  • Polizisten kontrollieren am Hauptbahnhof in Kehl die Tram aus Richtung Straßburg.
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Ortenau (set). Der Attentäter von Straßburg ist tot. Die reale Gefahr ist weg. Die Angst, sie wird bleiben. Wie 2016 in Berlin war auch in Straßburg ein Weihnachtsmarkt der Ort einer Tragödie. "Viele besuchen sehr gerne die Weihnachtsmärkte", sagt Michael Karle, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle in Achern. Die Weihnachtsmarktkultur stehe für viele für eine offene Gesellschaft und den Eindruck: Mir und uns geht es gut. "Durch solche einschneidenden, katastrophalen Ereignisse wird das Gefühl der instinktiven Sicherheit ganz schlagartig in Frage gestellt", erklärt er.

Die Angst ist nicht schlimm. Im Gegenteil: "Die Angst bringt unsere Überlebensreflexe in Schwung", erklärt Michael Karle. Dieser Vorgang werde körperlich und nicht durch Willen gesteuert. "Ohne diese Schutzreflexe hätte die Menschheit nicht lange überlebt", betont er. Dennoch: "Wenn die Angst gewissermaßen zum inneren Dauerbrenner wird, kann es sehr schwierig werden", sagt Karle. Doch was dagegen unternehmen? "Um seelisch in Bewegung zu bleiben, sind Familie und Freunde wichtig", erklärt er. "Eltern sollten sich die Zeit nehmen, um mit ihren Kindern darüber zu reden." Natürlich, so Karle, sollten Erwachsene sich auch mit ihren eigenen Ängste auseinandersetzen. Wenn die seelische Gesundheit dennoch weiterhin leidet, dann rät Michael Karle, eine neutrale, fachlich ausgebildete Person zu Rate zu ziehen.

Wut, dass Terror nicht aufhört

Viele verfolgten die Ereignisse am Dienstag geschockt. "Die ersten Nachrichten habe ich aus dem Internet erfahren. Danach habe ich versucht, aus TV und Radio weitere Informationen zu erhalten", sagt Christian Eggersglüß, der im Ortenau Klinikum in Offenburg arbeitet, aber in Straßburg wohnt. Auch Anna Beul arbeitet in Offenburg und wohnt in Straßburg. Auf die Frage, ob sie jetzt in der Stadt vorsichtiger unterwegs ist, antwortet sie: "So lange der Täter nicht gefasst war, fühlte ich mich nicht richtig sicher." Doch zu dem Zeitpunkt des Anschlags war da auch ein anderes Gefühl: Eine Wut, "dass es einfach nicht aufhört und so ein Anschlag überall und aus dem Nichts passieren kann", sagt Anna Beul. Als sie schließlich hört, dass die Gefahr gebannt ist, war sie erleichtert: "Die Ungewissheit ist weg, sodass man sich keine Sorgen mehr machen muss, dass der Täter einem über dem Weg läuft." Dann fügt sie hinzu: "Was allerdings bleibt, ist die Angst vor Nachahmern."  

Wie also nun nach dem Anschlag weiterleben? "Wir brauchen wieder Zugang zur 'inneren Gegenposition' gegen Verbrechen, die guten Werte der freiheitlichen und rechtsstaatlichen Demokratie", sagt Karle. "Dennoch dürfen wir nicht grundlegend anders leben, weil es Terroranschläge gibt." Ähnlich sagt es auch Anna Beul: "Man sollte aufmerksam sein, allerdings nicht seinen Alltag vom Terror bestimmen lassen."

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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