IHK Südlicher Oberrhein
IHK drängt auf Planung des A5-Ausbaus

Ortenau (st) Die Wirtschaft am südlichen Oberrhein fordert seit Jahren den sechsstreifigen Ausbau der A5 zwischen Offenburg und Freiburg. In einem Brief an den Bundesverkehrsminister haben IHK-Präsidentin Brigitta Schrempp und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Salomon die Dringlichkeit betont. Die langjährige Diskussion müsse endlich in eine konkrete Planung übergehen. Angesichts der weiter steigenden Verkehrsbelastung, des anhaltenden Wachstums der Region und der bevorstehenden Einschränkungen auf der Rheintalbahn bestünde dringender Handlungsbedarf beim Bund, heißt es in der Pressemitteilung.

Verkehrsentwicklung

„Wir reden über den Ausbau der A5 nicht erst seit heute. Die Forderung der Wirtschaft ist seit Jahren bekannt. Was jetzt fehlt, ist endlich Bewegung bei der Umsetzung“, sagt Brigitta Schrempp, Präsidentin der IHK Südlicher Oberrhein und Unternehmerin in Lahr. „Die Verkehrsentwicklung hat sich weiter verschärft, während die A5 nach wie vor nicht die Priorität erhält, die sie angesichts ihrer Bedeutung für unsere Region braucht.“ Im geltenden Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der sechsstreifige Ausbau zwischen Offenburg und Freiburg lediglich als „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ eingestuft. Die IHK hält diese Einordnung angesichts der tatsächlichen Verkehrsentwicklung für nicht mehr nachvollziehbar. Bereits 2003 war zumindest der Abschnitt Freiburg–Teningen als vordringlich einzustufendes Ausbauprojekt vorgesehen. Zu einer Realisierung kam es bislang dennoch nicht. Dabei ist die Verkehrsbelastung auf der A5 weiter gestiegen. An der Dauerzählstelle auf Höhe Nimburg wurden 2003 bereits rund 65.600 Fahrzeuge täglich registriert. Nach der Straßenverkehrszählung des Landes Baden-Württemberg waren es 2024 rund 74.600 Fahrzeuge pro Tag. Damit liegt die Belastung in einem Bereich, für den die einschlägigen Richtlinien bereits einen sechsstreifigen Ausbau empfehlen. „Die Entwicklung ist eindeutig: Die Verkehrsbelastung ist hoch und sie steigt weiter. Trotzdem ist bei Planung und Ausbau seit Jahren kaum Bewegung zu erkennen“, sagt Dr. Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. „Wir können nicht darauf warten, dass die Engpässe noch größer werden. Gerade mit Blick auf die kommenden Jahre muss das Projekt jetzt entschiedener vorangetrieben werden.“

Region wächst

Dass sich die Verkehrssituation nicht von selbst entspannen wird, zeigen auch die Entwicklungen in der Region. Die Bevölkerung am südlichen Oberrhein ist innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 7,6 Prozent gewachsen, die Zahl der Beschäftigten sogar um 21,4 Prozent. Gleichzeitig stieg der Kraftfahrzeugbestand zwischen 2008 und 2024 um 27 Prozent auf mehr als 818.000 Fahrzeuge. „Für die Unternehmen ist eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur keine Frage des Komforts, sondern eine Voraussetzung für funktionierende Wertschöpfung“, betont Schrempp. „Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder Waren immer häufiger im Stau stehen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft. Wir brauchen deshalb eine Infrastruktur, die mit der Entwicklung der Region Schritt hält.“

Rheintalbahn erhöht Handlungsdruck

Zusätzliche Bedeutung gewinnt der A5-Ausbau durch die anstehenden Arbeiten an der Rheintalbahn. Die Deutsche Bahn plant, die Bestandsstrecke zwischen Riegel und Offenburg ab 2036 für mehrere Jahre zu sperren. Trotz geplanter Ersatzangebote auf der Schiene ist mit einer erheblichen zusätzlichen Belastung des Straßennetzes zu rechnen. „Wir wissen, dass die Verkehrsbelastung auf der Straße zunehmen wird. Gleichzeitig stößt die A5 bereits heute regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenze“, erklärt Salomon. „Das ist absehbar und damit auch planbar. Umso weniger verständlich wäre es, wenn wir erst reagieren, wenn die zusätzlichen Verkehrsströme tatsächlich auf der Autobahn stehen.“ Zugleich sieht die IHK die laufenden und kommenden Arbeiten an der Rheintalbahn als Chance, die Planungen für Schiene und Straße frühzeitig aufeinander abzustimmen. Da die neuen Gleise zunächst autobahnparallel entstehen, könnten bei einer rechtzeitigen Planung Synergien genutzt und spätere zusätzliche Belastungen vermieden werden. „Es wäre ein Fehler, die Verkehrsinfrastrukturprojekte unabhängig voneinander zu betrachten“, so Schrempp. „Wenn jetzt an der Rheintalbahn gebaut und geplant wird, muss gleichzeitig der Blick auf die A5 gerichtet werden. Wir brauchen endlich eine abgestimmte Perspektive für die gesamte Verkehrsinfrastruktur der Region.“

IHK fordert Planungsschritte

Die IHK Südlicher Oberrhein erwartet deshalb vom Bund, die bisherige Einstufung des A5-Ausbaus kritisch zu überprüfen und die notwendigen Planungskapazitäten bei der Autobahn GmbH zu schaffen. Mit Blick auf die kommenden Arbeiten am nächsten Bundesverkehrswegeplan müsse der Ausbau zwischen Offenburg und Freiburg angemessen berücksichtigt werden. „Die Wirtschaft am südlichen Oberrhein hat ihre Position seit Jahren klar formuliert. Jetzt geht es nicht mehr darum, die Notwendigkeit des Ausbaus immer wieder zu beschreiben, sondern darum, endlich die nächsten konkreten Schritte einzuleiten“, macht Salomon deutlich. „Die Fakten liegen auf dem Tisch. Jetzt muss Bewegung in die Sache kommen.“

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