Fußnote, die Glosse im Guller
Das Geschäft mit dem Glück

Auch ich träume heimlich davon, Lotto-Millionärin zu werden. Damit das Glück eine Chance hat, an meine Tür zu klopfen, fülle ich deshalb manchmal einen Spielschein aus. Genauer gesagt: Immer für die Samstagsziehung, wenn der Jackpot mit über zehn Millionen Euro gefüllt ist.

Negativzinsen

Dabei fehlt mir eigentlich jede Idee, was ich mit so viel Geld anfangen sollte. Da mir mein Job Spaß macht, würde ich trotzdem brav weiter zur Arbeit gehen und Glossen im Guller schreiben. Auch sonst sind meine Träume eher bescheidener Natur. Zum Beispiel ein Eisbecher am Sonntag – den kann ich mir aber glücklicherweise ohnehin leisten. Wahrscheinlich würde mein Millionengewinn auf der Bank liegen, bis dass Negativzinsen und Inflation ihn aufgefressen haben.

Erdbeerbecher oder Spagetti-Eis?

Da der Gewinn vom Verlust aber bei mir bislang nie zehn Euro überschritten hat, musste ich mir über die Verwendung von Millionen noch keine ernsthaft Gedanken machen. Die Frage beschränkte sich in der Vergangenheit lediglich auf: Kaufe ich mir von meiner Lottoausbeute einen Erdbeerbecher oder lieber ein Spagetti-Eis?

Staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaften

Abgesehen von kleinen Lotto-Einsätzen hin und wieder ist mir mein Geld aber eigentlich zu schade, um es beim reinen Glücksspiel zu verzocken. Nie wanderte ein Geldstück von mir in einen Spielautomaten. Genauso wenig kenne ich mich mit Glücksspielen im Internet aus. Gerade Letzteres soll aber immer mehr boomen. Das beobachtet mit wachem Blick Vater Staat. Noch dürfen die Staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaften den Anbietern dort keine Konkurrenz machen. Das ändert sich aber nächstes Jahr. Dann können sie ebenfalls im Online-Geschäft mitspielen. Tatsächlich gibt es sogar schon konkrete Ideen dazu.
Natürlich werden hehre Ziele genannt: Die Menschen sollen im Internet legal der Spiellust frönen dürfen – staatlich kontrolliert und sozialverträglich, mit limitiertem Einsatz sowie entsprechenden Warnhinweisen vor Suchtgefahren.

Stuttgart 21

Bei so viel Fürsorge wird mir ganz warm ums Herz. Dass der Staat damit eine weitere dicke Einnahmequelle bekommt, ist da sicher nur ein netter Nebeneffekt. Außerdem tut er doch so viel Gutes mit dem Geld. Ein kleiner Teil fließt beispielsweise in die Sportförderung sowie andere guten Werke. Und mit den zusätzlichen Steuern kann er sich großzügig Projekte wie Stuttgart 21 leisten.

Zigaretten

So gesehen wäre es keinesfalls Geldverschwendung, würde ich nächstes Jahr den einen oder anderen Euro im Online-Glücksspiel verlieren. Die freundlichen Damen im Lotto-Geschäft sehe ich trotzdem noch beim Zigarettenkauf. Da fällt mir gerade eine Parallele auf: Nikotinsüchtige werden auch aus purer Fürsorglichkeit von Vater Staat abgezockt.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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