• 9. Februar 2018, 18:40 Uhr
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Fußnote – die Glosse im Guller
Unkorrekte Ehrlichkeit

Es gibt Themen, da müssen bei jedem rechtschaffenen Bürger die Nasenflügel vor Empörung beben. Das verlangt einfach unsere moderne Zivilgesellschaft und schließt auch Journalisten nicht aus.

Wenn also beispielsweise mal wieder ein Prominenter sein Geld auf Schweizer Schwarzgeldkonten geparkt hat, ist bei Kommentaren der Satz obligatorisch: Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt! Absolut tabu sind dagegen Gedanken wie: Mir stinkt es auch gewaltig, wie mich der Staat schröpft. Nein, so etwas geht gar nicht und würde mir deshalb niemals aus der Tastatur kommen.

Vor einigen Tagen wurde eine Studie der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht. Laut dieser steigt das Armutsrisiko von Familien mit jedem Kind. Das wissen wir eigentlich schon von der OECD. Die Bertelsmänner haben bei ihrer Untersuchung aber eine andere Methode angewandt und dabei kam heraus, dass die Armutsgefahr sogar noch viel größer ist als in der OECD-Studie steht.

Wer nicht gegen die gängigen Konventionen verstoßen möchte, muss bei den Schlagworten Familie, Kinder und Armut tief seufzen und sehr betroffen schauen. Da es hier aber um das gedruckte Wort geht, gehört es sich zu schreiben: Das ist schlimm! Nach dieser Demonstration von Sozialkompetenz könnte man einen Schritt weitergehen und sich überlegen, wie dieser gesellschaftliche Missstand gelöst werden kann. Hier meldete sich bereits die aktuelle Bundesfamilienministerin Katarina Barley zu Wort und forderte eine staatliche Kindergrundsicherung.

Man könnte an dieser Stelle aber auch darauf hinweisen, dass es nicht der Klapperstorch ist, der Kinder nach dem Zufallsprinzip arglosen Menschen vor die Haustür legt. Ich selbst habe nie ausgerechnet, was mich meine Mutterschaft bis jetzt genau gekostet hat. Aber ich musste trotz Vollzeitberufstätigkeit auf manches verzichten, was für andere selbstverständlich zum Lebensstandard gehörte. Na und, trotzdem waren und sind wir eine glückliche Familie. Jedenfalls wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass die Allgemeinheit mir meinen Kinderwunsch finanzieren sollte.

Elternschaft bedeutet, Verantwortung für ein neues Leben zu übernehmen und ist eine sehr persönliche Entscheidung. Kann man den finanziellen Part da einfach non­cha­lant der Gesellschaft auf das Auge drücken?

Nun, es gibt Themen, da verbietet der Zeitgeist ehrliche Antworten.
Anne-Marie Glaser

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