Umfrage zum Fachkräftemangel
Wenn der Termin beim Arzt zu einem Lotteriespiel wird

Ortenau (an). Eine gute qualifizierte Beratung ist der große Vorteil im Einzelhandel. Damit punktet er besonders. Dies setzt aber auch entsprechendes Fachpersonal voraus. Und das fehlt manchmal ebenso wie in sehr vielen anderen Bereichen – beispielsweise auch im Gesundheitswesen. Wie unsere Umfrage ergab, kann da ein Facharzttermin unter Umständen regelrecht zum Lottospiel werden.

Irmtraud Bertsch, Gengenbach-Schwaibach:
Mich stört es ungemein, wenn ich mir beispielsweise einen größeren Elektroartikel oder ein neues Handy kaufen möchte und dabei das Gefühl habe, mein Gegenüber im Elektronik-Fachmarkt weiß selbst nicht genau, wovon er spricht oder versucht, mir einen Artikel schmackhaft zu machen, der aus dem Lager muss. Ich denke es gibt eigentlich ausreichend Fachpersonal. Vielleicht sollte man diese Arbeitnehmer nur anständig bezahlen. Die Arbeitgeber sollten erkennen, dass es schwer ist, qualifiziertes Personal zum Tarif eines ungelernten Arbeiters zu finden.
Sigi Reetzmann, Offenburg: Nachdem mein Hautarzt aus Altersgründen seine Praxis aufgab und er leider keinen Nachfolger fand, musste ich mir einen neuen Hautarzt suchen. Dies gestaltete sich recht schwierig. Entweder bekam ich zur Antwort, dass ich mit einer Wartezeit von mindestens einem halben Jahr rechnen müsste, oder aber "tut uns leid, neue Patienten werden nicht angenommen." Nach längerem Suchen bekam ich doch noch kurzfristig einen Termin bei einem Hautarzt. Es fehlen immer mehr Fachärzte, die bereit sind, im ländlichen Raum eine Praxis zu eröffnen.
Auch die Service-Leistungen in der Gastronomie werden bedingt durch den Fachkräftemangel immer schlechter. In einem Café mussten meine Freundinnen und ich erst einmal 20 Minuten warten, bis eine Servicekraft uns nach unseren Wünschen fragte. Nachdem die Bestellung aufgenommen war und wir weitere 30 Minuten warteten, machte ich eine Bedienung darauf aufmerksam. Diese hat mir dann in einem sehr unfreundlichen Ton gesagt, dass sie nur zwei Hände hätte, denn es würde leider Personal fehlen, außerdem wäre sie nur eine Aushilfe. Nachdem wir unsere Bestellung bekamen, aber danach getrennt bezahlen wollten, mussten wir der Bedienung noch dabei behilflich sein, wer was zu bezahlen hatte. Einer Fachkraft wäre das bestimmt nicht passiert.
Michael Nehrbauer, Renchen: Aus meiner Sicht ist der Fachkräftemangel in Deutschland ein hausgemachtes Problem. Wer beim „Fußvolk“ am meisten einsparen kann, der hat das größte Ansehen bei seinesgleichen, habe ich den Eindruck.
Wer beispielsweise Junglehrer regelmäßig zu Ferienbeginn an die frische Luft setzt, um sie ein paar Wochen später wieder einzustellen – bis zu den nächsten Ferien –, der braucht sich nicht zu beschweren, wenn dieser Fachkräfte notgedrungen in die freie Wirtschaft abwandern. Doch in der Wirtschaft ist es ähnlich. Geiz ist eben geil ...und dann wenn es schiefläuft – jammern auch!

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