Unfallbilanz der Polizei
Außergewöhnlich hohe Zahl an Verkehrstoten

Foto: gro

Ortenau Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg sind in diesem Jahr bereits mehr Menschen im Straßenverkehr gestorben als in jedem gesamten Jahr seit 2022. Bis zum 31. August 2026 zählte die Polizei 30 tödliche Verkehrsunfälle mit 33 Todesopfern – nach nur acht Monaten. Zum Vergleich: 2022 waren es 28 Verkehrstote im ganzen Jahr, 2023 waren es 25, 2024 waren es 21 und 2025 waren es 28. Die aktuelle Entwicklung nimmt das Polizeipräsidium Offenburg zum Anlass, die bereits umfassenden bestehenden Maßnahmen konsequent weiter zu verstärken und an aktuellen Unfallschwerpunkten weiter zu intensivieren, heißt es in einer Pressenotiz.

Von den bislang 33 Verkehrstoten waren zwölf Motorradfahrer. Damit stellen sie mehr als ein Drittel der Todesopfer. Ebenfalls zwölf Menschen kamen als Insassen eines PKW ums Leben. Weitere fünf Menschen waren mit dem Fahrrad beziehungsweise Pedelec unterwegs, vier Getötete waren Fußgänger. Motorradfahrer gehören aufgrund der fehlenden schützenden Fahrzeugkarosserie zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Fehler oder eine nicht angepasste Geschwindigkeit können insbesondere auf kurvenreichen Strecken schnell schwerwiegende Folgen haben. Das Polizeipräsidium Offenburg hat deshalb den Motorradverkehr seit Jahren besonders im Blick.

Unvernunft und Fahren am Limit

Leitender Polizeidirektor Martin Plate, Leiter der Schutzpolizeidirektion des Polizeipräsidiums Offenburg: "Wir stellen leider fest, dass teilweise sehr viel Unvernunft und Fahren am Limit mit dem Leben bezahlt wird. Das macht traurig, betroffen und lässt einen sprachlos zurück. Für rücksichtsloses Fahren im Grenzbereich fehlt uns jedes Verständnis."

Die tödlichen Unfälle verteilen sich über den gesamten Zuständigkeitsbereich – häufig auf Bundes- und Landesstraßen, an Kreuzungen sowie auf der A5 und der B500. Die Polizei wertet die Unfallorte laufend aus und passt ihre Kontrollen entsprechend an.

Nicht angepasste Geschwindigkeit war in acht Fällen die Unfallursache, in sechs weiteren wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten. Dabei geht es nicht nur ums Tempolimit: Entscheidend ist, ob das Tempo zu Straße, Verkehr, Sicht und Wetter passt. Auch der Abstand spielt eine Rolle – als Faustregel gilt die Zwei-Sekunden-Regel zum Vorausfahrenden.

In elf Fällen wurden Fahrfehler als Ursache festgestellt, etwa falsches Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. In fünf Fällen war Ablenkung im Spiel: Schon wenige Sekunden ohne Blick auf die Straße können entscheidend sein. Auch Alkohol am Steuer war bei mehreren tödlichen Unfällen die Ursache.

In den vergangenen Jahren hat das Polizeipräsidium Offenburg bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um Motorradunfälle zu reduzieren. Kernelement ist die Motorradkonzeption der Verkehrspolizeiinspektion, die anhand der Schwerpunktstrecken – insbesondere auch der B500 – und der dortigen Unfalllage fortlaufend weiterentwickelt wird.

An den aktuellen Unfallschwerpunkten werden zu unterschiedlichen Zeiten stationäre Kontrollstellen eingerichtet. Dabei kommen neben den Kräften der Verkehrspolizei auch unterstützende Kräfte der Polizeireviere, des Polizeipräsidiums Einsatz, benachbarter Polizeipräsidien und des Kompetenzteams Motorrad zum Einsatz. Auch die Motorradstaffel der französischen Gendarmerie beteiligt sich an den Maßnahmen. Die örtlich zuständigen Polizeireviere führen darüber hinaus eigenständige Kontrollen durch.

Neben der Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit werden die Motorräder einer ganzheitlichen Kontrolle unterzogen. Dies beinhaltet vor allem technische Überprüfungen sowie auch die Verkehrstüchtigkeit der jeweiligen Motorradnutzer.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung werden an den kommenden Wochenenden zusätzliche Kontrollmaßnahmen auf der B500 und weiteren Motorradstrecken durchgeführt.

Was jeder selbst tun kann

Kontrollen allein reichen nicht. Verkehrssicherheit beginnt beim eigenen Fahrverhalten:

  • Tempo anpassen: nicht nur ans Limit halten, sondern ans tatsächliche Wetter, die Sicht und das eigene Können.
  • Ablenkung vermeiden: Handy während der Fahrt weglegen, auch Navigation oder Essen kosten Aufmerksamkeit.
  • Abstand halten: die Zwei-Sekunden-Regel als Orientierung. Merken Sie sich einen festen Punkt, den das vorausfahrende Fahrzeug
  • passiert, und fahren Sie erst dann an diesem Punkt vorbei, wenn mindestens zwei Sekunden vergangen sind.
  • Defensiv fahren: mit Fehlern anderer rechnen, besonders an Kreuzungen und Einmündungen Tempo rausnehmen.
  • Nüchtern bleiben: Alkohol und Drogen haben am Steuer nichts verloren.
  • Und ein Klassiker bleibt einer der wirksamsten Lebensretter: der Sicherheitsgurt – auf jedem Sitzplatz, bei jeder Fahrt.

Für Motorradfahrer kommt hinzu: in Kurven so fahren, dass der Körper bei Schräglage nicht in den Gegenverkehr ragt; mit Licht fahren und den toten Winkel meiden; einen zertifizierten Helm (idealerweise Integralhelm) sowie vollständige Schutzkleidung mit Handschuhen, abriebfester Kleidung und Motorradstiefeln tragen – auch auf kurzen Strecken. Eine Airbagweste kann zusätzlichen Schutz für Brustkorb und Wirbelsäule bieten, helle oder reflektierende Kleidung erhöht die Sichtbarkeit.

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