„Charly“ ist seit 27 Jahren eine feste Institution im Europa-Park

Wenn nicht als Charly Chaplin im Europa-Parkt, ist er unter dem Künstlernamen „Albert de Paris“ in Deutschland, Frankreich oder der Schweiz unterwegs.
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  • Foto: Foto: Michael Bode
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Ein Koffer und zehn Francs, das war alles, was Albert de Paris – Europa-Park-Besucher kennen ihn als Charly Chaplin – bei sich hatte, als er 1977 am Pariser Hauptbahnhof Gare de l‘Est
ankam. Albert hatte gerade die Schule beendet, als er in Paris eintraf,
um sich seinen Traum zu erfüllen: Als Artist oder Schauspieler auf einer
Bühne zu stehen. Ein Vorhaben, mit dem er sich den Vorstellungen seiner
Eltern widersetzte: „Sie sahen in mir eher einen Ingenieur oder Arzt.
So wie mein älterer Bruder, der heute Kardiologe ist“, erklärt Albert.

Dabei war es gerade jener Bruder, der bei dem kleinen Albert den Wunsch
auslöste, auf der Bühne zu stehen. „Als ich ihn im Schultheater als
erfolgreichen Amateur gesehen und den Applaus des Publikums mitbekommen
habe, dachte ich: Wow! Das will ich auch machen.“ Einige Jahre später
war er alt genug und zog vom elterlichen Heimatort im Schweizer Kanton
Wallis in die Großstadt Paris. Sein Ziel: die renommierte Zirkusschule
„École Nationale du Cirque“ von Annie Fratellini.

Die erste Nacht verbrachte Albert wartend vor verschlossener Schultüre. Als diese
morgens öffnete, meldete er sich gleich an. Tagsüber lernte Albert und
nachts arbeitete er, um das Schulgeld zu verdienen. Es war eine
anstrengende Zeit: „Um zwei Uhr war ich auf dem Großmarkt in Rungis, um
den Händlern zu helfen“, erinnert er sich. Mit einer Fläche, die größer
ist als Monaco, zählt er zu den größten Märkten der Welt. „Ich verlud
die Lebensmittel. Neben meinem Lohn bekam ich etwas Gemüse, mein Essen
für den Tag an der Schule. Training macht hungrig“, sagt Albert lachend.
Doch dann zog er sich bei einer Trapezübung eine Wirbelsäulenverletzung
zu. Von da an war Schluss mit den akrobatischen Übungen.

Den Traum vor Publikum zu stehen und Applaus zu bekommen, wollte er aber
nicht aufgeben. Er begann an der „École au Carré“ Theater und Pantomime
zu lernen. Gerne erinnert sich Albert zurück an die Zeit im Pariser
Künstlerviertel Beaubourg, wo er als Straßenkünstler als Charly Chaplin
auftrat. „Mein Lehrer fand, dass ich eine gewisse Ähnlichkeit mit
Chaplin hätte und ein Talent, das man auf keiner Schule lernen kann.“ So
entstand die Idee zur Figur und es folgten Engagements als freier
Künstler.

Im Europa-Park ist er als Charly Chaplin mittlerweile eine feste Institution. Angefangen hat alles vor 27 Jahren. Albert arbeitete gerade in Montreux, als er auf Roland Mack traf. Mack
engagierte ihn zunächst für einen einzigen Auftritt als Charly im Park:
die Kommunion seines Sohns Michael. „Im Anschluss an das Fest gingen wir
noch eine Runde“, erinnert sich Albert. „Ich war durch den Auftritt
noch verkleidet und begann mit dem Publikum herumzualbern. Mack war
begeistert und bat mich zu bleiben – so wurden aus einem Tag 27 Jahre.“

Albert ist an 120 Tagen im Europa-Park zu sehen. Es ist ihm wichtig, mit den
Besuchern in Kontakt zu kommen und durch seine Improvisationskunst für
Überraschungsmomente zu sorgen. „Ich habe ein Interesse an den Menschen.
Wenn ich sehe, dass es jemandem schlecht geht, helfe ich.“

Wie bei dieser Frau, die er eines Abends auf dem Parkplatz des Parks
getroffen hat. Sie war alleine, hatte nur einen Koffer bei sich und
weinte. „In so einem Moment kann ich nicht einfach weitergehen und den
Feierabend genießen.“ Mit ihrem Freund war sie aus der Schweiz gekommen,
um einen schönen Tag im Park zu verbringen. Nach einem Streit fuhr der
Mann einfach weg und ließ sie mit ihrem Gepäck allein zurück. Albert
brach es das Herz und er fuhr die Frau nach Hause: „An diesem Abend bin
ich 400 Kilometer gefahren, 200 hin und 200 wieder zurück“, erzählt er.

Wenn Albert nicht in Rust als Charly Chaplin auftritt, trifft man ihn auf
Veranstaltungen in der Schweiz, Deutschland oder Frankreich. Albert
bringt die Menschen zum Lachen oder hört ihnen einfach zu, das hat eine
gewisse Ähnlichkeit zu der Arbeit seines Bruders: Beide helfen und
berühren die Herzen – der eine als Arzt, der andere durch seinen Humor.

Autor: Laura Bosselmann

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