Bürgermeister geht in Ruhestand – Erfolge und Rückschläge
Valentin Doll ist ein echter „Saschwaller“

Valentin Doll wollte Sasbachwalden nie verwalten, sondern gestalten.
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Sasbachwalden. Fast drei Jahre lang musste Valentin Doll nach dem verheerenden Brand die
Amtsgeschäfte aus einem Bürocontainer heraus führen. Sein neues
Dienstzimmer im sanierten Sasbachwaldener Rathaus kann der Bürgermeister
allerdings nur wenige Wochen genießen, denn nach 24 Jahren endet die
Ära Doll am kommenden Freitag. Vergangene Woche wurde der 63-Jährige
bereits offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

„Ich versuche noch aufzuarbeiten, was aufzuarbeiten geht“, sagt Doll. Seine
Nachfolgerin Sonja Schuchter hat er schon in einige Entscheidungen mit
eingebunden, schließlich soll sie ein wohl sortiertes Haus übernehmen.
Bestens vorbereitet ist beispielsweise die Ansiedlung der Anima Tierwelt
auf dem Breitenbrunnen. „Das wird Sasbachwalden in eine gute Zukunft
führen“, ist sich Doll sicher. Er hinterlässt nicht nur eine
komplettierte Infrastruktur, viel Wert legte er auch auf regenerative
Energien, die in fast allen gemeindeeigenen Gebäuden zum Einsatz kommen.
Eine intakte Vereinsarbeit, die Förderung des Ehrenamts und die
Ortskernsanierung sind weitere Meilensteine seiner Amtszeit.

Besonders stolz ist Valentin Doll auf zwei Auszeichnungen, die Sasbachwalden 2000
und 2009 erhielt: eine Goldmedaille in den Bundeswettbewerben „Entente
florale“ und „Unser Dorf hat Zukunft“. Aber auch Rückschläge musste
Sasbachwalden – und damit auch der Bürgermeister – erleiden. So mussten
Ende der 90er-Jahre nicht nur die Wagner-Kliniken schließen, parallel
dazu ging auch der Breitenbrunnen insolvent. „Mit einem Schlag haben wir
mit 314000 über die Hälfte  aller Übernachtungen verloren, ebenso über
die Hälfte aller Arbeitsplätze“, so Doll.

Sasbachwalden musste sich touristisch neu positionieren und so griff Valentin Doll 1998 gern
die Idee einer Entwicklerin auf, am Breitenbrunnen eine Skihalle zu
bauen und wurde dafür heftigst kritisiert. „Die Auseinandersetzungen und
Beschimpfungen, die teilweise auch Risse im Dorf hinterlassen haben,
haben mich damals persönlich gekennzeichnet. Tatsächlich habe ich sogar
überlegt, nicht mehr zu kandidieren“, berichtet er. Die Freude an der
Arbeit aber sei es letztlich gewesen, die ihn von diesem Schritt
abgehalten habe.

2006 sorgte der angebliche Baron Michael Georg Friedrich Czap für Furore im Blumen- und Weindorf. Zwar brachte der
falsche Adlige Geld für soziale Zwecke nach Sasbachwalden, doch Valentin
Doll betont, schwer enttäuscht gewesen zu sein „vom Hauptmann von
Köpenick“ und seinen Lügen. 2013 dann der nächste Rückschlag: Der 2005
erbaute Hochseilpark in der Ortsmitte musste abgebrochen werden, nachdem
der Betreiber Insolvenz anmeldete und die Gemeinde keine weitere
Verwendung dafür fand.

Valentin Doll ist ein waschechter „Saschwaller“. Seine väterliche Linie ist bis ins Jahr 1648 in
Sasbachwalden zurückzuverfolgen. Er ist hier aufgewachsen und zur Schule
gegangen. „Während meiner Zeit bei der Bereitschaftspolizei habe ich
allerdings fünf Jahre lang in Lahr gewohnt“, gibt er schmunzelnd zu.
Neun Jahre lang war er dort Ausbilder. Als Vorsitzender des Sportvereins
setzte er sich Ende der 70er-Jahre für den Bau eines Sportplatzes ein.
„Ich habe sogar Hauswurfsendungen verteilt“, erinnert er sich.

Dieses Engagement war ausschlaggebend für seine Kandidatur als Gemeinderat.
1980 wurde er in das Gremium gewählt. Vier Jahre später kandidierte Doll
bereits gegen den amtierenden Bürgermeister und verlor. „Ich hätte das
nicht tun sollen, es war einfach zu früh.“ Seine Polizeilaufbahn ging
indes weiter und Valentin Doll wechselte ins Revier nach Achern. Dort
war er im Streifendienst tätig, nach seinem Wechsel nach Oberkirch dann
Leiter des Streifendiensts. 1992 bewarb er sich als Revierleiter in
Achern, kam in die Endauswahl, wurde als zu jung aber abgelehnt.

„Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, mich nochmals als
Bürgermeister zu bewerben. In der Sekunde der Ablehnung habe ich mich
dann dafür entschieden.“ Gesagt, getan, gewann Valentin Doll im ersten
Wahlgang gegen zwei ernstzunehmende Kandidaten mit über 54 Prozent. Das
war an seinem 39. Geburtstag. Dolls erste Amtshandlung war die Eröffnung
des kulinarischen Sommerfests. Seine letzte Amtshandlung wird die
Übergabe seines Teams an Sonja Schuchter sein.

Autor: Daniela Santo

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