Angedacht: Verena Sester
In Erschütterungen wichtigen Halt finden

Verena Sester

In den vergangenen Monaten habe ich die Erfahrung gemacht, wie sehr ich Sicherheit und Gewissheit, zumindest eine gewisse Planbarkeit brauche. Erfahren habe ich das dadurch, dass genau das, was ich so sehr brauche – Sicherheit und Gewissheit – immer wieder erschüttert wird. Und meine Beobachtung ist, dass es nicht nur mir, sondern vielen so geht: Dass ein kleiner Virus so lebensbedrohlich sein kann und trotz medizinischem Fortschritt nicht in den Griff zu bekommen ist.

Wer hätte sich vor einem Jahr vorstellen können, dass die ganze Welt Kopf steht, Menschen sterben, Existenzen zugrunde gehen und so viel unsichtbares Leid von vielen Einzelnen durchlitten werden muss, wegen eines kleinen Erregers. Die Erschütterungen, die wir alle – im Großen oder im Kleinen – erleben, kratzen nicht an der Oberfläche, sie sind existentiell.

Wie können wir in diesen Erschütterungen Halt finden? Ich habe kein Patentrezept, aber es gibt drei Dinge, die mir helfen: Klagen, um Hilfe bitten und mich festhalten.

"Klagen" bedeutet für mich, meine Unsicherheiten und mein Leid ernst zu nehmen und das auszusprechen. Es hilft schon manchmal, zu mir selbst ehrlich zu sein, mich innerlich über die Umstände beklagen zu dürfen. Mein Gegenüber der Klage ist kein anderer als Gott, an den ich glaube und der hält das aus.

"Um Hilfe bitten" richtet sich an Gott und andere Menschen. Diese Krise fordert Solidarität untereinander, wir können und wir müssen nicht alleine damit klarkommen, wir dürfen Hilfe brauchen.

Schließlich „mich festhalten“ bedeutet für mich, den Blick auf die Dinge richten, die nicht erschüttert sind, die gut sind – stabile Beziehungen, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, kleine schöne Momente, an denen ich mich freuen darf… Dazu gehört für mich auch, mir bewusst zu machen, was der Grund ist, auf dem ich mein Leben baue: Es ist mein Glaube an Gott und das Vertrauen, in seiner Hand letztlich gehalten zu sein.

Verena Sester, Pastoralreferentin Seelsorgeeinheit Schutterwald-Hohberg-Neuried

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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