Die Leiterin des Acherner Stadtarchivs über Geschichte und moderne Technik
"Daten von vor 1900 sind eine echte Herausforderung"

Andrea Rumpf mit einer Landkarte Baden-Elsass von 1663 auf der Achern fehlt, da es im 30-jährigen Krieg zerstört wurde.
  • Andrea Rumpf mit einer Landkarte Baden-Elsass von 1663 auf der Achern fehlt, da es im 30-jährigen Krieg zerstört wurde.
  • Foto: jtk
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Achern (jtk). Als vor zwei Jahren Frank König die Idee hatte, einen Film über die Geschichte der Illenau zu drehen, war auch das Team des Stadtarchivs Achern gefordert, Material wie Fotos oder Literatur zu suchen. „Der Kinofilm war in der Region sehr erfolgreich“, sagt Andrea Rumpf, Leiterin des Stadtarchivs, mit einem gewissen Stolz. Das Stadtarchiv hält für alle, die sich für die lokale Geschichte interessieren, unzählige Unterlagen und Dokumente bereit.

Regelmäßig nachgefragt sind Grundbücher für Wege- und Überfahrtsrechte. Es sind allerdings nur die Bücher der Ortsteile vor 1900 vorhanden, da die Acherner Grundbücher beim Luftangriff am 7. Januar 1945 verbrannt sind.

Im Fotoarchiv sind 40.000 Fotos von Stadtansichten, Luftbildern und Gebäuden zu finden. Die Zehntklässler der Illenau-AG des Gymnasiums beschäftigen sich mit historischen Fragen, aktuell zum Thema „Denkmal“. Für den maßstabsgetreuen Nachbau des Klauskirchls wurden dafür historische Unterlagen gefunden.

Die Bibliothek des Stadtarchivs ist inzwischen mit ihren über 6.300 Bänden ebenfalls in die Illenau eingezogen. Das älteste Werk ist die „Peinliche Hals-Gerichtsordnung“ von Kaiser Karl V. aus dem Jahr 1532 in einem Nachdruck von 1710. Dieses erste deutsche Strafgesetzbuch droht mit Strafen wie Verbrennen, Enthaupten, Vierteilen oder lebendigem Begraben. Das umfangreichste Werk ist eine Bibel, die 1837 gedruckt und mit Illustrationen versehen wurde. Auch die Urkunde zur Ernennung Acherns zur Stadt aus dem Jahr 1808 ist im Besitz des Stadtarchivs.

„Daten von vor 1900 sind schon eine echte Herausforderung“, sagt Andrea Rumpf. „Aber Systematisierung ist meins“, fügt sie überzeugend hinzu. „Ich entscheide, was nach 30 Jahren archivwürdig ist und für die Verwaltung und Benutzer zur Verfügung steht.“ Zeitgemäße Technik hat längst Einzug gehalten in die modernen Räume des Stadtarchivs im rechten Flügel der Illenau.

Interessant ist die Absauganlage, mit der alte Unterlagen gesäubert zur Verfügung gestellt werden. Mit einem hochmodernen Scanner können gesuchte Materialien auf einem USB-Stick gespeichert werden. Mit einem Mikrofilmlesegerät finden etwa Familienforscher auf Mikrofilme gespeicherte Heiratsregister Daten von Personen, die zwischen 1870 und 1938 geheiratet haben.

Auch Informationen über die Stadt prägende Menschen sind vorhanden. Es gab schon Originale wie einen Organisten der Illenau, die gerne mal auch im Dienst etwas Alkohol tranken und um die sich dann Geschichten ranken.

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