Großprofilsanierung in Achern läuft weiter
Neues Rohr im alten Kanal

Von links: Thomas Boos, Ingenieur Büro Vogel, Anton Dannhauser, Stadt Achern, Ralf Volz, Leiter der Technischen Betriebe, Bürgermeister Andreas Kollefrath und Oberbürgermeister Manuel Tabor sowie Robin Krause, Bauleiter Firma Aarsleff Rohrsanierungs GmbH

 | Foto: Claudia Männle/Stadt Achern
  • Von links: Thomas Boos, Ingenieur Büro Vogel, Anton Dannhauser, Stadt Achern, Ralf Volz, Leiter der Technischen Betriebe, Bürgermeister Andreas Kollefrath und Oberbürgermeister Manuel Tabor sowie Robin Krause, Bauleiter Firma Aarsleff Rohrsanierungs GmbH

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  • hochgeladen von Matthias Kerber

Achern (st) Große Kanalrohre zu sanieren, ohne dafür Straßen, Gewerbeflächen oder andere Oberflächen großflächig aufzureißen – genau das ermöglicht das Schlauchliningverfahren, das die Stadt Achern derzeit bei der Sanierung mehrerer Großprofilkanäle einsetzt. Die ersten beiden Kanalabschnitte im Gewerbegebiet Heid wurden Anfang August bereits saniert. Ab Mitte September folgen weitere Abschnitte in der Heid sowie in der Kernstadt und in Oberachern, so die Stadtverwaltung Achern in einer Pressemitteilung. Die betroffenen Kanäle haben Durchmesser von DN 300 bis DN 1000. Sie verlaufen teilweise hinter Gewerbebetrieben oder im Bereich der Landesstraße L87a. Eine Sanierung in offener Bauweise wäre deshalb nicht nur aufwendig und kostenintensiv, sondern würde auch deutlich stärker in den Verkehr und die angrenzenden Bereiche eingreifen.

Beim Schlauchlining wird der vorhandene Kanal nicht ausgebaut. Stattdessen wird ein speziell für den jeweiligen Kanalabschnitt angefertigter Schlauchliner in das bestehende Rohr eingebracht. Der flexible Schlauch besteht aus einem mit Polyesterharz getränkten Synthesefasergewebe. Über einen rund fünf Meter hohen Inversionsturm wird der Schlauch mit Wasserdruck aufgestellt und eng an die vorhandene Rohrwand gepresst. Anschließend wird das Wasser im Liner auf mindestens 60 Grad Celsius erwärmt. Das Harz härtet aus und bildet ein neues, statisch tragfähiges Rohr innerhalb des alten Kanals.

Der Vorteil: Der Kanal erhält praktisch ein neues Innenrohr, ohne dass der bestehende Kanalstrang aufwendig freigelegt werden muss. Der Querschnitt wird dabei lediglich um die Wandstärke des Liners reduziert, die bei den Acherner Kanalabschnitten bis zu 13,6 Millimeter beträgt.

Auch die seitlichen Zuläufe werden nach dem Einbau wieder geöffnet und wasserdicht an das neue Innenrohr angebunden. Bei größeren Kanalprofilen ab DN 800 erfolgt dies teilweise direkt im Kanal durch entsprechend geschultes Personal.

Aufwendige Sanierung

So unkompliziert das fertige Ergebnis aussieht, die Sanierung selbst ist aufwendig. Jeder Kanalabschnitt wird zunächst gründlich gereinigt und für den Einbau vorbereitet. Danach wird der Liner eingezogen und mit Wasser aufgestellt. Für die Aushärtung muss er mehrere Stunden auf Temperatur gehalten werden. Bei den Großprofilen kann die Sanierung eines einzelnen Abschnitts deshalb bis zu zwei Tage dauern. Die Heizungen laufen teilweise bis tief in die Nacht, bevor der Liner anschließend langsam abgekühlt werden kann. Für die Arbeiten sind außerdem zwei Lastkraftwagen mit Anhänger und ein Inversionsturm erforderlich. Dadurch kann es im unmittelbaren Bereich der jeweiligen Baustelle zu Verkehrsbehinderungen kommen. Die für die Aushärtung eingesetzten Heizungen führen zudem teilweise zu nächtlicher Geräuschentwicklung.

Mit dem Verfahren werden vorhandene Undichtigkeiten dauerhaft abgedichtet. Gleichzeitig werden die wiederkehrenden Wurzeleinwüchse an Rohrverbindungen verhindert, die in der Vergangenheit zu Betriebsstörungen geführt haben. Der ausgehärtete Liner erfüllt die statischen Anforderungen des bestehenden Kanals und sorgt dafür, dass dieser weiterhin den erforderlichen Erd- und Verkehrslasten standhält. Darüber hinaus ist der neue Inliner widerstandsfähiger gegenüber den chemischen Einflüssen des Abwassers und weist ein verbessertes Verschleißverhalten auf. Insgesamt kann die Nutzungsdauer des bestehenden Kanalstrangs durch die Sanierung um mindestens 50 Jahre verlängert werden.

Auch wirtschaftlich spricht vieles für die Sanierung von innen. Die reinen Baukosten der aktuellen Maßnahme liegen bei rund 660.000 Euro. Eine vollständige Erneuerung der Kanalstränge wäre mit rund dem Dreifachen der Kosten verbunden. Hinzu kämen deutlich längere Bauzeiten sowie größere Eingriffe in Straßen, Verkehrsflächen und angrenzende Grundstücke. Mit der Sanierung kann die Stadt die vorhandene Infrastruktur daher langfristig ertüchtigen, ohne die betroffenen Bereiche für einen längeren Zeitraum großflächig öffnen zu müssen.

Nach dem derzeitigen Bauzeitenplan sollen die Arbeiten in Achern bis November abgeschlossen sein.

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