Angedacht: Simon Dreher
Aber Zeit zu sterben ist noch nicht

Simon Dreher

"Keine Zeit zu sterben“ – dieser Slogan ist mir vergangene Woche gleich zwei Mal begegnet. Einmal als Filmtitel des neuen 007-Filmes, den ich am Mittwoch besuchte, tags darauf dann bei einem pastoraltheologischen Vortrag zur Gemeindeseelsorge. Größere Medienberichte sprechen ja gerne vom Sterben der Kirche, ihrem Untergang und vermeintlich „letzter Chancen“ jetzt noch die Kirche zu retten.

Und ja, wir werden konfrontiert mit besorgniserregenden Austrittszahlen, schmerzhaften Aufarbeitungen menschlichen und institutionellen Versagens und Schuld, stellenweise wohl auch mit persönlicher Betroffenheit und Enttäuschung und einem allgemeinen Schwund religiöser Prägung und Bedeutung.

Aber Zeit zu sterben ist noch nicht. Das zeigen viele begeisterte Menschen in unseren Kirchen, zusammen mit allen Menschen, die im Glauben unterwegs sind und sich mit kreativen Ideen, Hilfsbereitschaft und Tatkraft in die Gesellschaft einbringen. Kirche als Lebensgemeinschaft ist und bleibt in diesen Vielen für Viele lebendig. Und wenn die großen Medien diese Seite, dieses schöne und bestärkende Bild von Kirche nicht um die Welt gehen lassen, dann lasst es uns gemeinsam tun.

Einen paradoxen Wegweiser können wir dazu auch aus den neueren Bond-Titeln mitnehmen: manche Gewohnheiten, manches Vertraute und scheinbar unumstößliche Traditionen muss man sterben lassen, um nicht zu sterben. Das ist kein Aufruf zum radikalen Bruch, zum kirchlichen Kahlschlag. Aber was auf der großen Leinwand fesselt, das kann auch uns als Glaubensgemeinschaft gut tun: die Erwartungen der Menschen zu kennen und mit dem eigenen, unverwechselbaren Charme zu bedienen aber auch den Dingen behutsam ein neues Gesicht und einen offeneren Zugang geben, die sonst zum Klischee zu verkommen drohen.

Das fordert heraus – institutionell und persönlich. Aber es ist, davon bin ich überzeugt, auch der Weg den Anschluss nicht zu verlieren an die moderne Lebensbühne, an ein diverses Menschen- und Kulturensetting.
Simon Dreher, Vikar, Kirchengemeinde Achern

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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