Botanische Hitzehelden
Spezialisten auf naturnahen Flächen in Ettenheim

Hitzebeständige Pflanzen bieten für Insekten wertvollen Lebensraum. | Foto: Wolfgang Hoffmann
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  • Hitzebeständige Pflanzen bieten für Insekten wertvollen Lebensraum.
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Ettenheim (st) Wenn die Sonne brennt, blühen sie auf: Auf den naturnahen Flächen in Ettenheim zeigen spezielle Wildpflanzen, wie sie mit Trockenheit klarkommen. Die grünen Hitzehelden trotzen Sonne und Dürre – und bieten gleichzeitig Insekten wertvollen Lebensraum. Seit 2013 hat Bauhofleiter Markus Ohnemus mit seinem Team unter anderem im Rahmen des Projektes „Natur nah dran“ (NABU Baden-Württemberg) und „Blühender Naturpark“ (Naturpark Schwarzwald Mitte-Nord) über 100 öffentliche Flächen in Ettenheim ökologisch aufgewertet und naturnah gestaltet. Die naturnah gestalteten Flächen dienen zum einen der klimaresilienten Stadtgrüngestaltung und zum andern dem Erhalt der Artenvielfalt bei den Insekten. So bieten sie Nektar und Pollen für Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen. Dass sie auch besser mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen als etwa konventioneller Rasen, ist ein toller Nebeneffekt. Denn so spart der städtische Bauhof wertvolle Zeit und Geld bei der Bewässerung und Pflege.

„Wir sehen, dass die Flächen auch heiße Sommer gut überstehen. Selbst wenn Pflanzen vertrocknen, erholen sie sich von allein wieder, auch ohne aufwändige Bewässerung“, sagt Bauhofleiter Markus Ohnemus. Damit sind die naturnahen Grünflächen ein praktisches Beispiel für zukunftsorientierte Stadt- und Ortsgestaltung. Ettenheim schaffte seit der Teilnahme am Projekt „Mehr Natur im Siedlungsgrün“ im Jahr 2013 und der Initiative „Natur nah dran“ im Jahr 2017/2018 ökologisch wertvolle Lebensräume, von denen Tiere ebenso wie das lokale Klima langfristig profitieren. Sechs Hitzehelden, die man auf den Flächen im Stadtgebiet entdecken kann und sich auch für den eigenen Garten eignen:

Rundblättrige Glockenblume
Ganze zwölf Wildbienen-Arten sind auf die Familie der Glockenblumen spezialisiert. Das bedeutet, dass sie nur an Blüten dieser Pflanzen Pollen und Nektar sammeln. Campanula rotundifolia, wie ihr botanischer Name lautet, mag gerne magere Standorte in voller Sonne. In den Kompartimenten im Prinzengarten fühlt sie sich also besonders wohl. Sie bildet eine Pfahlwurzel aus und kann somit an Feuchtigkeit gelangen, die in tieferen Bodenschichten ist.

Kartäuser-Nelke
Ohne Blüte ist diese Nelkenart kaum von einfachem Gras zu unterscheiden. Wenn sie aber blüht, leuchten viele einzelne Blüten in den pinken Büscheln. Dianthus carthusianorum hat wenig Ansprüche an den Standort und zeigt sich oft in Fugen oder Mauerritzen. Sie passt ihre Größe dem Nährstoffangebot am jeweiligen Standort an und wird zwischen 15 und 45 Zentimeter hoch. In Ettenheim ist sie ebenfalls im Prinzengarten zu finden.

Wiesen-Salbei
Mit einer Wuchshöhe von bis zu 60 Zentimetern und seinen meist blauvioletten Blüten ist Salvia pratensis schon von Weitem zu sehen. Wiesen-Salbei bevorzugt offene Standorte mit viel Licht und ist perfekt für Trockenheit gerüstet: Seine tiefreichenden Wurzeln, die dichte Behaarung sowie ledrige Blättern mit Wachsüberzug minimieren den Wasserverbrauch. An vielen Standorten in Ettenheim ist er besonders auffällig, so zum Beispiel auf dem Kreisverkehr am westlichen Stadteingang und auf dem Kreisverkehr B3 bei Rad Schulz und Meierfashion.

Tauben-Skabiose
Bis in den Oktober hinein blüht Scabiosa columbaria in zartem Violett. Die robuste Staude mag magere Böden und viel Sonne. Besonders schön sind an ihr Schmetterlinge zu beobachten: 42 Arten, darunter der Zitronenfalter, sammeln an ihr Nektar. Mit ihrer bis zu anderthalb Meter langen Wurzel breitet sie sich über Wurzelsprossen aus und erschließt sich Feuchtigkeitsvorräte im trockenen Boden. Sie kommt ebenfalls auf dem Kreisverkehr am westlichen Stadteingang vor.

Gelbe Skabiose
Ähnlich wie ihre Verwandte die violette Tauben-Skabiose, blüht Scabiosa ochroleuca noch im Spätjahr, teilweise sogar bis in den November hinein. Sie ist aber weitaus seltener. Längere Trockenphasen im Sommer können ihr nichts anhaben, denn sie verfügt über eine kräftige Pfahlwurzel, mit der sie an Wasser in tiefen Bodenschichten heranreicht. Sie kommt auf der naturnahe Fläche vor dem Bauhof auf den Espen und an der Einfahrt zum „Kleinen Weilerberg“ vor.

Feld-Thymian
Thymian überzeugt nicht nur in der Gewürzmischung, sondern auch auf sonnigen Flächen. Thymus pulegioides, wie er botanisch heißt, ist gut gewappnet, um mit Trockenheit zurecht zu kommen: Seine kleinen Blätter sind lederartig und haben kleine Drüsen, mit denen sie ätherische Öle abgeben. Dadurch verdunsten die Blätter weniger Feuchtigkeit – quasi ein natürliches Anti-Transpirant der Pflanze. Außerdem reicht die Wurzel der Pflanze bis in einen Meter Tiefe. So kann sie Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten ziehen. Der Feld-Thymian wächst polsterartig mit kleinen rosa oder weißen Blüten. Ihn findet man in Ettenheim zum Beispiel auf den Baumscheiben in der Thomasbreite und eignet sich auch hervorragend für private Gärten als Bodendecker und Rasenersatz.

Wer seinen eigenen Garten mit hitzeresistenten Pflanzen naturnah gestalten möchte, kann sich im Rahmen der diesjährigen städtischen Initiative „Mein Garten kann mehr“ auf ettenheim.de informieren. Dort gibt es eine Präsentation der Heinz Sielmann Stiftung von den diesjährigen Workshopterminen mit vielen hilfreichen Literaturtipps. Denn schon kleine Maßnahmen können große Wirkung entfalten. Dazu zählen etwa ein angepasster Mähzyklus, die Aussaat heimischer Wildblumen oder die Pflanzung trockenverträglicher Wildstauden. Auch Teilflächen können einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Aufwertung leisten.
Im Rahmen von „Mein Garten kann mehr“ sind in der Klimaschutz App H.O.P.E. motivierende Aufgaben zu finden, welche einfach umzusetzen und dennoch wirksam sind.

Wie sich selbst stark versiegelte oder steinreiche Flächen in blühende Lebensräume verwandeln lassen, zeigen Musterbeete des Ettenheimer Bauhofs im Prinzengarten. Diese sind seit diesem Frühjahr dort ausgestellt und können das gesamte Jahr über besichtigt werden.

Hitzebeständige Pflanzen bieten für Insekten wertvollen Lebensraum. | Foto: Wolfgang Hoffmann
Foto: Wolfgang Hoffmann
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