• 22. Juni 2018, 19:29 Uhr
  • 67× gelesen
  • 0

Sonntagsporträt
Dirigent Frank Döhring brennt für den Chorgesang

Frank Döhring gibt als Verbandschorleiter und Dirigent den Ton an. Außerdem spielt er Akkordeon. Sein erstes bekam er mit sechs Jahren. Er besitzt es immer noch.
2Bilder
Frank Döhring gibt als Verbandschorleiter und Dirigent den Ton an. Außerdem spielt er Akkordeon. Sein erstes bekam er mit sechs Jahren. Er besitzt es immer noch. (Foto: Michael Bode)

Gengenbach. Das musikalische Talent liegt wohl in der Familie. Schon der Opa war Dirigent und der jüngere Bruder ist ein 1a-Akkordeonspieler, erzählt Frank Döhring. Er selbst kann Letzterem laut eigener Aussage an dem Instrument nicht das Wasser reichen. Dafür ist der 59-Jährige aber mit allergrößter Leidenschaft bei der Sache. Vor allem brennt er aber für den Chorgesang. Neben Ausbildertätigkeit und diverser Projekt-arbeit dirigiert Frank Döhring den Meiko-Betriebschor sowie den Gesangverein Sängerbund Zell-Weierbach, außerdem ist er Verbandschorleiter. Dem Verband gehören 93 aktive Chöre mit insgesamt 3.439 Sängern sowie 23 Jugendchöre an – von Rastatt im Norden bis über Ettenheim hinaus.

Sein erstes Akkordeon bekam Frank Döhring mit sechs Jahren. Er erinnert sich, als sei es gestern gewesen, wie er ganz aufgeregt mit seiner Mutter das Instrument kaufen ging. "Sie hat sich das Instrument regelrecht vom Munde abgespart", berichtet der Dirigent. Noch heute berührt ihn das tief.

"Je älter ich werde, desto besser erinnere ich mich an Dinge aus meiner Kindheit", so Frank Döhring. Es sind gute und weniger schöne Erinnerungen. Ein besonders einschneidendes Erlebnis war die Flucht aus Ost-Berlin 1962, nicht lange nach dem Mauerbau. Drei Jahre war er damals alt und hatte einen Herzfehler. "Der tut es nicht mehr lange", lautete die grausame Diagnose. Doch die Eltern hofften auf bessere medizinische Möglichkeiten im Westen. Dort liegt unsere Zukunft, war sich der Vater sicher. Und so machte sich die kleine Familie nur mit dem, was die drei am Leibe trugen, auf den Weg nach Offenburg, wo Verwandte lebten.

"Niemand wollte uns hier haben"

"Wir waren die ersten Bewohner von Uffhofen", erzählt der heute 59-Jährige. Sein Vater war Bauarbeiter und bei dem Unternehmen beschäftigt, das dort die ersten Mehrfamilienhäuser erstellte. Diese waren noch gar nicht fertig, da zog die Familie schon ein. "Es war praktisch noch ein Rohbau ohne Strom. Das Wasser mussten wir in einem nahen Bahnwärterhäuschen holen", so Frank Döhring. Aber sie hatten immerhin ein Dach über dem Kopf, worüber die Familie einfach froh war.

Die unzähligen Klinikaufenthalte waren für den kleinen Frank kein Zuckerschlecken, aber das Kind fand in Baden tatsächlich die erforderliche medizinische Hilfe. Das heißt aber keineswegs, dass Flüchtlinge aus dem anderen Teil Deutschlands willkommen waren. "Damals wollte uns niemand hier im Westen", erinnert er sich noch gut an Beschimpfungen und Anfeindungen. Frank Döhring weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, als Flüchtling ausgegrenzt zu werden und zieht Parallelen zu Asylbewerbern heute: "Natürlich gibt es auch Dinge, die falsch laufen. Aber ich wehre mich gegen pauschale Verurteilungen."

Als vor drei Jahren Flüchtlinge im Mattenhof in Gengenbach untergebracht wurden, entschloss er sich zu einer ungewöhnlichen Aktion. Damals dirigierte Döhring beim Gesangverein Frohsinn Reichenbach. Nach Absprache mit den Mattenhof-Verantwortlichen zog er mit Sängern vor Ort: "Wir trugen unser Liedgut vor, dann sollten die anderen singen." Nach höflichem Applaus herrschte aber zunächst eher peinliches Schweigen. Doch Frank Döhring hatte vorgesorgt und Bluetooth-Lautsprecher mitgebracht.

Natürlich hatten auch die neuen Mattenhofbewohner ihre Lieblingsmusik auf dem I-Phone und die wurde dann laut abgespielt. Er bekommt immer noch Gänsehaut, wenn er sich daran erinnert, wie gemeinsam gesungen und sogar getanzt wurde: "Das war ein unglaubliches Erlebnis."
Warum wurde er nicht Profi? "Dafür war ich nicht gut genug", erklärt der Vater zweier erwachsener Söhne sowie Großvater ohne Bedauern. Seine Arbeit beim Spülmaschinenhersteller Meiko macht ihm Spaß. Mit gerade einmal 13 Jahren schloss er die Hauptschule ab und machte eine Lehre als Werkzeugmacher. Neben seiner beruflichen Tätigkeit bildete sich der passionierte Motorradfahrer aber immer weiter fort. Heute ist er Werkzeugmachermeister und Refa-Techniker.

Wer ihn in Aktion erleben möchte, kann das übrigens am Samstag, 30. Juni, auf der Landesgartenschau, wo ab 10 Uhr 45 Chöre mit über 1.250 Sängern auftreten.A. Glaser

Frank Döhring gibt als Verbandschorleiter und Dirigent den Ton an. Außerdem spielt er Akkordeon. Sein erstes bekam er mit sechs Jahren. Er besitzt es immer noch.
Frank Döhring

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt