Carsten Stahl im Bildungszentrum Haslach
Klartext gegen Mobbing

Konrektor Marco Fritzsche (l.) und Christof Terglane mit dem Plakat, auf dem Grundschüler unterschrieben haben, dass es an ihrer Schule kein Mobbing mehr geben soll, im Hintergrund Carsten Stahl. | Foto: ag
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  • Konrektor Marco Fritzsche (l.) und Christof Terglane mit dem Plakat, auf dem Grundschüler unterschrieben haben, dass es an ihrer Schule kein Mobbing mehr geben soll, im Hintergrund Carsten Stahl.
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Haslach Das ist schon heftig, was Carsten Stahl den Schülern des Heinrich-Hansjakob-Bildungszentrums in der Stadthalle alles vor die Köpfe knallt. Aber das ist Mobbing ebenfalls. Und genau das möchte er den Teilnehmern seiner Seminare ganz klar vor Augen führen.

Zwei Kinder weinen

Der muskelbepackte, tätowierte frühere Reality-TV-Darsteller kann aber durchaus auch lustig sein. Lächelnd lullt er das Publikum ein, um es dann brutal mit einer Wahrheit zu konfrontieren, die wehtut. Wenn er mit beeindruckender Eindringlichkeit die Geschichte von einem Jungen erzählt, der gedemütigt, gequält, gejagt und fast gestorben wäre, dann müssen auch altgediente Journalistinnen schlucken. Zwei Grundschülerinnen weinen. Doch die Lehrkräfte des Bildungszentrums haben ihre Schützlinge gut im Blick und kümmern sich sofort um sie.
Das Leid des kleinen Jungen ist übrigens nicht erfunden. Carsten Stahl erzählt seine eigene Geschichte. Zuerst Opfer, später selbst Täter – der zweifache Vater weiß, wovon er redet. Und das ist Klartext. Denn wie der 53-Jährige im Gespräch mit der Guller-Redaktion betont: "Jeden Tag versuchen sich fünf bis sechs Kinder, die Mobbingopfer sind, das Leben zu nehmen. Jeden Tag sterben ein bis zwei Kinder. Ich war schon auf zehn Beerdigungen und immer sagten die Eltern, sie hätten nichts geahnt." Auch seine eigenen Eltern ahnten nicht, was der kleine Carsten damals erleiden musste. Denn er hatte schreckliche Angst, irgendjemandem etwas davon zu erzählen. Deshalb gibt es in Haslach am Mittwoch auch vier Veranstaltungen – am Vormittag jeweils eine für Grundschüler und eine für die höheren Klassen, am Nachmittag für die Lehrer und am Abend für Eltern. Die Hälfte der Schulen in Deutschland behaupten laut Stahl, bei ihnen gäbe es keine Probleme. Er selbst ist sich jedoch sicher: "Mobbing gibt es überall." Gleichzeitig räumt der Coach ein, dass das beschauliche Haslach natürlich nicht Berlin ist.

Digitale Medien

Auch Rektor Christof Terglane betont den Unterschied. Aber er und das Kollegium im Bildungszentrum Haslach nehmen das Thema trotzdem ernst. "Fakt ist, dass auf dem Schulhof auch Dinge passieren, die Lehrer nicht mitbekommen", räumt er ehrlich ein. Das war schon immer so. Was sich laut dem Pädagogen allerdings geändert hat, das ist die Art von Mobbing sowie die Quantität. Digitale Medien machen es so leicht, andere rund um die Uhr, sieben Tage die Woche zu drangsalieren.
Der Tag der Gemeinschaft mit den Seminaren mit Carsten Stahl kam auf Initiative von Tim Messner und Dominik Kloppe von Broject for Life sowie dem Förderverein zustande. Terglane wusste, dass Stahl polarisiert und hatte deshalb im Vorfeld Kontakt zu Schulen aufgenommen, die schon mit ihm gearbeitet haben. Ihr positives Fazit: "So wie er die Schüler anspricht, können wir das nicht."
Tatsächlich findet Stahl sichtlich Zugang zu den Kindern und Jugendlichen in der Stadthalle. Er erzählt, schimpft, insistiert, lobt, redet ihnen gut zu, gibt Ratschläge und wirbt für Vertrauen in die Lehrer. Am Ende darf als Statement jeder, der will, dass Mobbing an seiner Schule aufhört, seinen Namen auf ein Plakat setzen. Was ist das für ein fröhliches Hallo, wie die vielen Kinder gut gelaunt unterschreiben.

Interview

Carsten Stahl hat sich mit seiner Initiative „CAMP STAHL“ auf die Fahne geschrieben, den Themen Mobbing, Gewalt, Drogen, Kriminalität, Hass und Vorurteilen bei Kindern und Jugendlichen entgegenzutreten. Das Heinrich-Hansjakob-Bildungszentrum Haslach holte den Coach für einen Seminartag in die Stadthalle Haslach.
Welchen grundsätzlichen Rat haben Sie für Eltern?
Wenn Ihr Kind Ihnen von Vorfällen erzählt, nehmen Sie sich wirklich Zeit und reden Sie diese nicht klein. Und lassen Sie auch andere diese Vorfälle nicht kleinreden.
Was macht Ihre Methode aus?
Ich bin authentisch, war selbst Opfer, aber auch Täter. Kinder und Jugendliche wollen berührt werden. Sie wollen lebendige und glaubhafte Vorbilder. Das bin ich.

Konrektor Marco Fritzsche (l.) und Christof Terglane mit dem Plakat, auf dem Grundschüler unterschrieben haben, dass es an ihrer Schule kein Mobbing mehr geben soll, im Hintergrund Carsten Stahl. | Foto: ag
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