Schriftsteller José F. A. Oliver
Sein Herz gehört der Dichtkunst

José F. A. Oliver hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet. Bücher von ihm wurden in 20 Sprachen übersetzt.
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  • Foto: Michael Bode
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Hausach. José F. A. Oliver erinnert sich an den ersten Leselenz 1998, als wäre die Premiere erst gestern gewesen: "Alles fing an mit drei Schriftstellern und 13 Zuschauern." 2018 waren es rund 5.000 Besucher, 66 Schulklassen und über 70 Mitwirkende. Das Literaturfestival ist aber auch über diese reinen Zahlen hinaus gewachsen und genießt international hohes Ansehen. Tatsächlich ist es dem Gründer und Kurator gelungen, mit dem Leselenz ein Stück deutsche Literaturgeschichte zu schreiben.

In 20 Sprachen übersetzt

Es wäre jedoch völlig falsch, den gebürtigen Hausacher nur auf seine Verdienste um den Leselenz zu reduzieren. Seine zahlreichen Bücher wurden insgesamt in über 20 Sprachen übersetzt. Kulturpreis Baden-Württemberg, Joachim-Ringelnatz-Preis oder Basler Lyrikpreis sind nur drei von vielen Auszeichnungen, mit denen José F. A. Oliver bereits gewürdigt wurde. Im Herbst erscheint übrigens eine deutsch-türkische Dokumentation über seine Arbeit in Istanbul mit dem Namen "Kent Ozani", was übersetzt "Dichter in Istanbul" heißt. Der 58-Jährige arbeitete schon in der Türkei, in Ägypten, Peru oder den USA, um nur einige seiner Stationen zu nennen.

Robert-Gerwig-Gymnasium

Olivers Eltern stammen aus dem spanischen Málaga und kamen 1960 nach Deutschland. Ein Jahr später wurde José Francisco Agüera Oliver geboren. Nach dem Abitur auf dem Hausacher Robert-Gerwig-Gymnasium studierte er Romanistik, Germanistik und Philosophie in Freiburg. Aus ihm hätte ein Lehrer werden können oder auch ein Journalist. Doch bei jeder Arbeit, die er zurückbekam, sagte ihm sein Professor Hans-Martin Gauger: "Das ist keine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein Essay. Ihr Weg ist ein anderer." Es war keine leichte Entscheidung, doch schließlich brach er das Studium ab und wurde Schriftsteller.

Noch nie etwas eingereicht

"Mein Vater war zuerst zwar geschockt. Nach der ersten Lesung wusste er aber, das ist das Richtige für mich." Und er sollte recht behalten. Heute gehört Oliver zu den bedeutendsten Lyrikern der Gegenwart. Dabei betont er: "Ich habe nie etwas eingereicht." In jeder Lesung saß jemand, der ihn zur nächsten einlud. "Es war wie ein Schneeball", erinnert sich der Hausacher. Schließlich wurde sogar der renommierte Verlag Suhrkamp auf den freien Schriftsteller aufmerksam.

Naturalientausch

Obwohl José F. A. Oliver bescheiden lebte, reichte sein Verdienst in den Anfängen nicht immer. Manchmal kam er nur mit der Hilfe seiner Familie und Freunde über die Runden. "Für sie war das, was ich tat, so wichtig, dass sie mir den Rücken freigehalten haben", erzählt der 58-Jährige. Das erlaubte ihm, sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren.
Übrigens wird er keineswegs immer mit Geld bezahlt. "Unter Künstlern ist ein Geben und Nehmen", so der Schriftsteller. Nicht selten findet ein Naturalientausch in der Form statt, dass es beispielsweise für ein Essay im Gegenzug einen Kunstgegenstand gibt. Das ist mit ein Grund, warum Oliver eine sehr große Kunstsammlung besitzt. Vieles verschenkt er nach einer gewissen Zeit. Gefällt jemandem etwas, sagt Oliver nicht selten: "Häng es ab und nimm es mit." Ihm ist es wichtig, Kunst weiterzugeben, damit auch andere daran teilhaben können – vor allem die nächste Generation. Er selbst hat zwar keine Kinder, aber "wunderbare drei Nichten und zwei Großnichten". Überhaupt ist der Hausacher ein großer Familienmensch.

Alemannisch und Andalusisch

Natürlich spielt die Sprache für einen Schriftsteller eine besondere Bedeutung: "Ich habe zwei Muttersprachen – Alemannisch und Andalusisch. Dann kamen die beiden Fremdsprachen Deutsch und Spanisch dazu." Darüber hinaus spricht er fließend Französisch und Englisch. "Ich schreibe in der Sprache, in der ich mein Brot kaufe", sagt Oliver. So schlichen sich beispielsweise in Istanbul schnell türkische Wörter in seine geschriebenen Zeilen.

Leselenz

Es gäbe noch so unendlich viel über José Francisco Agüera Oliver zu berichten – beispielsweise über seine didaktisch-pädagogische Arbeit an Schulen und Universitäten oder dass er an Weihnachten immer "Sissi" schaut und die Dialoge auswendig mitsprechen kann. Aber es ist ihm sicher wichtiger, wenn der letzte Satz dem 22. Leselenz gilt: Infos über das Literaturfestival vom 3. bis 12. Juli gibt es unter leselenz.com.
Anne-Marie Glaser

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