Grabfeld für Sternenkinder in Kappelrodeck
Ein Ort für die Trauer
- Christian Uhlig, Juniorchef der Grabmalfertigung Falk (v. l.), Bürgermeister Stefan Hattenbach, Pfarrer Andreas Moll, Leiter des Standesamtes Dennis Hodapp, Pfarrer Georg Schmitt, stellvertretende Bauamtsleiterin Leonie Roth gemeinsam mit Mitgliedern des Gemeinderates Kappelrodeck
- Foto: Gemeinde Kappelrodeck/Jasmin Liebich
- hochgeladen von Christina Großheim
Kappelrodeck (st) „Das Thema wurde und wird oft gesellschaftlich tabuisiert oder ausgeblendet“, so Bürgermeister Stefan Hattenbach in einer Pressemitteilung der Gemeinde. Gemeint sind Fehlgeburten und Totgeburten, oft „Sternenkinder“ genannt. Dabei sei es wohl jede fünfte bis zehnte festgestellte Schwangerschaft, die diesen traurigen und oft traumatischen Ausgang hätte, oft in den ersten Schwangerschaftswochen. „Dabei wird oft formuliert, dass es nichts Schlimmeres gäbe, als das eigene Kind zu Grabe tragen zu müssen“, sagte Hattenbach. Der Verlust eines Kindes – sei es während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder in jungen Jahren – bedeute für Eltern und Angehörige einen tiefen Einschnitt im Leben. „Die Gemeinde könne dieses Leid nicht nehmen, aber sie könne helfen, indem sie einen Ort für Trauer und Erinnerung schaffe.“, so Hattenbach.
Sichtbares Gedenken
Lange Zeit habe es für sogenannte Sternenkinder keinen sichtbaren Ort des Gedenkens gegeben. Viele Kinder seien still verabschiedet worden – oft ohne Namen und ohne Grabstätte. Mit dem neuen Grabfeld wolle die Gemeinde betroffenen Familien nun die Möglichkeit geben, ihren Kindern einen würdevollen Platz der Erinnerung zu widmen – unabhängig vom Geburtsgewicht oder dem Alter des Kindes. Grundlage hierfür ist unter anderem die Änderung des Personenstandsrechts im Jahr 2013, durch die Eltern auch totgeborene Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm standesamtlich beurkunden lassen können. Damit wurde zugleich der rechtliche Rahmen für eine würdevolle Bestattung dieser Kinder geschaffen.
Das Sternenkindergrabfeld bietet Beisetzungsmöglichkeiten für Totgeburten, Fehlgeburten und ungeborene Kinder sowie für Kinder unter zehn Jahren in Urnenform. Neben anonymen Bestattungen besteht auf Wunsch der Eltern auch die Möglichkeit, einen eigenen Grabstein mit Namensbeschriftung in Anlehnung an das einheitlich gestaltete Grabfeld zu erhalten. Stein und Gedenktafel werden von der Gemeinde bereitgestellt.
Zeichen setzen
Rund 12.000 Euro investierte die Gemeinde in die Gestaltung des neuen Grabfeldes. Für Bürgermeister Hattenbach ist das Sternenkindergrabfeld Ausdruck eines umfassenden Verständnisses von Fürsorge und Zusammenhalt: „Kappelrodeck ist eine Gemeinde, die sich um ihre Menschen kümmert – in allen Lebenslagen. Mit dem Sternenkindergrabfeld setzen wir ein Zeichen, dass wir auch die leisen, schweren Themen nicht übersehen. Dass jedes Leben zählt, egal wie kurz es war. Und dass Trauer bei uns einen Ort haben darf.“
Mit der ökumenischen Segnung des neuen Sternenkindergrabfeldes auf dem Friedhof in Kappelrodeck setzt die Gemeinde ein sichtbares Zeichen für Mitgefühl, Würde und Erinnerungskultur. Die feierliche Weihe wurde gemeinsam von Pfarrer Georg Schmitt und Pfarrer Andreas Moll der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden im Beisein von Mitgliedern des Gemeinderates und der Gemeindeverwaltung vorgenommen. Bürgermeister Stefan Hattenbach betonte in seiner Ansprache die besondere Bedeutung dieses Ortes für betroffene Familien.
Mit der feierlichen ökumenischen Weihe wurde das Sternenkindergrabfeld nun offiziell seiner Bestimmung übergeben – als Ort der Erinnerung für die Kinder, die hier ruhen werden, und für all jene, die sie im Herzen tragen.







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